Die, vorigen Sonntag zu Ende gegangene, Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz geht als Turnier der Superlative und Rekorde in die Geschichte ein. Dass es die deutschen Damen bis ins Halbfinale geschafft haben, wäre vor 70 Jahren völlig undenkbar gewesen. Da hatten die DFB-Funktionäre eine ganz andere Einstellung zum Frauenfußball, weiß „Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl.
Einiges jährt sich in diesem Jahr zum siebzigsten Mal. So feiern etwa Michel Platini, Karl-Heinz Rummenigge oder Nina Hagen ihr 70. Wiegenfest. Heintje, Friedrich Merz und Rainhard Fendrich übrigens auch. In das Jahr 1955 fällt, was Österreich betrifft, auch die Unterzeichnung des Staatsvertrags sowie die Verabschiedung des Neutralitätsgesetzes. Und nicht zu vergessen: 1955 erhielt Wien die ersten sechs Funkstreifenwagen mit den Rufnamen Anton bis Fritz, deren erster dramatischer Einsatz wegen einer angekokelten nicht näher bezeichneten Wurst erfolgte. Im Reigen so bedeutender Ereignisse darf selbstverständlich der Deutsche Fußballbund nicht fehlen und man wird man in der Historie auch rasch fündig.
„Ästhetische Gründe“
Denn ein Jahr nach dem Wunder von Bern beschloss der DFB, „aus ästhetischen Gründen und grundsätzlichen Erwägungen“ und „unter Androhung von Strafe bei Zuwiderhandlung“ seinen Vereinen nicht zu gestatten, „Damenfußball-Abteilungen zu gründen oder Damenfußball-Abteilungen bei sich aufzunehmen.“ Denn, so die einigermaßen abenteuerliche Argumentation: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ Allerdings hatte die bornierte Männerpartie die Rechnung ohne die Wirtinnen gemacht und so gab es beispielsweise im Ruhrgebiet mit Grün-Weiß Dortmund und Rhenania Essen rasch zwei Clubs, denen dieser Beschluss ziemlich Mettwurst war und bereits 1956 kam es in Essen zum ersten (natürlich inoffiziellen) Länderspiel gegen Holland, das 18.000 Fußballinteressierte sehen wollten.
DFB-Boss Neuendorf einsichtig: „Keine Sternstunde“
Erst als viele Kickerinnen damit gedroht hatten, einen eigenen Frauenfußball-Verband zu gründen, wurde das Verbot am 31. Oktober 1970 aufgehoben und Frauenfußball offiziell zugelassen. Zwar ohne Stollenschuhe, die zunächst weiter verboten blieben, dafür aber mit sich hartnäckig haltenden Ressentiments. So meinte etwa Gottfried Schönholzer, Vorsitzender der FIFA-Ärztekommission, Frauenfußball habe wenig Aussicht, eine echte Mannschaftssportart zu werden, denn „Frauen haben keine so große Antenne für den Teamgeist wie Männer. Ihr Kameradschaftsgeist ist nicht so ausgeprägt.“ Immerhin hat DFB-Präsident Bernd Neuendorf beim Festakt zum 125. Geburtstag des DFB ausnahmsweise mal einen klugen Satz gesagt, als er meinte: „Das Verbot von Frauenfußball-Abteilungen, welches der DFB noch 1955 aussprach (…) zählt ganz sicher nicht zu den Sternstunden unseres Verbandes.“ Kann man mal so stehenlassen.
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