07.07.2022 10:30 |

Aktionsplan am Start

Kindergartenskandal: Desaströser Prüfbericht

Im erst heuer bekannt gewordenen Verdachtsfall des sexuellen Missbrauchs in einem städtischen Kindergarten in Wien-Penzing hat sich nun herausgestellt, dass zwölf Eltern bereits seit 2020 über Auffälligkeiten bei ihren Kindern berichtet haben. Dennoch seien die weiteren Eltern nicht oder nur „halb“ über die Vorwürfe informiert worden, berichtete Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs am Donnerstag gemeinsam mit Stadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) aus einem Prüfbericht, der ein desaströses Bild zeichnet ...

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Im Zuge der Überprüfung der Abläufe wurden Informationen aus mehr als hundert Telefonaten, etwa 150 Mails und einigen persönlichen Treffen mit etwa 35 Familien aufgearbeitet. Darüber hinaus wurden die bestehenden gesetzlichen Kinderschutzverpflichtungen ebenso analysiert wie die Geschäftsbedingungen, Richtlinien und Leitfäden der MA 10.

Dabei zeigte sich eine problematische Unternehmenskultur am Standort und teilweise darüber hinaus, strukturelle Problembereiche in der MA 10 sowie rechtliche Lücken auf Landes- und Bundesebene. Die Auffälligkeiten reichten von Albträumen und plötzlichem Bettnässen über die permanente Weigerung, in den Kindergarten zu gehen, bis hin zu Angst vor dem Klo und dem Waschraum im Kindergarten, erläuterte Nik Nafs. Es habe nicht einmal Aufklärung gegeben, „als sich unter den Kindern das Gerücht verbreitete, der (versetzte, Anm.) betroffene Pädagoge sei an Corona gestorben“.

Zitat Icon

Mangelnde Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung

Kinder- und Jugendanwalt Ercan Nik Nafs

Massive Kommunikationsfehler
Der Wiener Kinder- und Jugendanwalt kritisierte die hierarchischen Strukturen. Eltern von betroffenen Kindern seien mit der Bitte, auch andere Eltern zu informieren, zurückgewiesen worden - mit dem Hinweis, man warte zunächst auf eine „Entscheidung von oben“. Er ortete eine „mangelnde Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung“ und Angst vor Vorgesetzten.

Berichte über die Auffälligkeiten würden bereits seit 2020 existieren, seien aber nicht weitergeleitet worden, wie der Prüfbericht darlegt. Der Bericht ortet daher massive Kommunikationsfehler.

Wiederkehr kündigt „großen Aktionsplan Kinderschutz“ an
Der unter Federführung der Kinder- und Jugendanwaltschaft erstellte Bericht zeige auf, „dass hier nicht früh genug mit den Eltern kommuniziert worden ist“, sagte Wiederkehr. Die Prüfung lege auch dar, dass es Kinderschutzeinrichtungen gegeben hat, diese aber vielleicht zu komplex gewesen seien. Der Prüfbericht sei laut Widerkehr der Startpunkt für einen „großen Aktionsplan Kinderschutz“ in der Stadt, der im Wesentlichen folgende Punkte umfasse:

  • Ombudsstelle in der MA10 als Anlaufstelle für Eltern und Mitarbeiter: Enge Verknüpfung mit den neuen Kinderschutzbeauftragten in der MA 10, um zeitnah auf Meldungen reagieren zu können.
  • Reporting-Tool für Mitarbeiter: Damit können Meldungen, Beobachtungen, Vorfälle usw. gemeldet werden. Bearbeitung durch die MA 10 oder von externen Stellen - je nach Thema.
  • Es wird verpflichtende Schulungen zum Thema Partizipation, Kinderrechte und Kinderschutz geben.
  • Gesetzlichen Verstärkung von Kinderschutz

Die Frage über Schuld oder Nicht-Schuld des Pädagogen „ist keine Frage, die ich als Politiker beantworte, oder auch der Bericht“, betonte der Vizebürgermeister. Es gelte die Unschuldsvermutung, die Staatsanwaltschaft führe Ermittlungen.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Dienstag, 16. August 2022
Wetter Symbol
Wien Wetter
(Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)