13.05.2022 08:30 |

„Krone“-Kolumne

Tabus schützen nicht

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal dazu, wie Teenager-Schwangerschaften durch Sexualpädagogik verhindert werden können.

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„Mir hat halt keiner gesagt, dass man die Pille jeden Tag nehmen muss!“ Kathi, die mit ihrem Freund damals nur „sporadisch“ zusammen war, bekam mit gerade einmal 17 Jahren ihr erstes Kind. Sie entdeckte ihre Schwangerschaft erst spät und überlegte, ob das Kind von ihren Eltern adoptiert und damit eher „wie eine Schwester“ aufgezogen werden sollte. Rückblickend sagt Kathi bei einer sozialpädagogischen Befragung: „Ich wollte nie Kinder haben. Aber ich habe dadurch den Ernst des Lebens begriffen.“

Viele Staaten sind seit den 1970er Jahren aktiv geworden und versuchten, präventiv zu verhindern, dass Frauen ungewollt schwanger werden. Wo keine unerwünschte Schwangerschaft, da auch kein Abbruch, dachte man sich. Und initiierte Aufklärungsunterricht an Schulen neben der Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, um für effektive Verhütung in der Bevölkerung zu sorgen.

Auf das Resultat können viele europäische Länder stolz sein. Sie haben, wie auch Österreich, kaum ungeplante Teenager-Schwangerschaften. Allerdings ist bis heute die sexuelle Bildung zu wenig an der Lebenswelt der Jugendlichen orientiert. „Zu theoretisch und abstrakt“ war ihre Aufklärung, kritisiert Kathi. „In der Unterstufe hatten wir gar keine Aufklärung und als wir in der Oberstufe waren, da war ich ungefähr 16 und zu dem Zeitpunkt habe ich schon lange Sex gehabt. Also da war es dann schon viel zu spät.“

Jugendliche haben viele Fragen zu Sexualität und erster Liebe. Für manche Eltern ist es allerdings höchst unangenehm, mit ihren Kindern über diese Themen zu sprechen - wie meist auch für ihre pubertierenden Kinder. Daher ist es wichtig, dass Schulen ihren Bildungsauftrag wahrnehmen. Qualifizierte Sexualpädagogen können dabei unterstützen. Denn Tabus schützen eben nicht vor ungewollten Schwangerschaften.

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Barbara Rothmüller
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