10.05.2022 06:00 |

„Krone“-Kommentar

Rücktrittskultur

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Kleiner Rücktritts-Rückblick. 2016, exakt am 9. Mai, tritt Werner Faymann zurück. Grund: fehlender Rückhalt in der SPÖ. Ein Jahr später, am 10. Mai, nimmt der damalige ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner den Hut. Er sei kein Platzhalter. Acht Tage später geht Grünen-Chefin Eva Glawischnig „aus höchst persönlichen, gesundheitlichen Gründen“.

Am 7. Mai 2018 folgt NEOS-Überflieger Matthias Strolz der Stimme seines Herzens. Heinz-Christian Strache ortet bei seinem Rücktritt als FPÖ-Chef und Vizekanzler nach dem Ibiza-Video im Mai 2019 ein „gezieltes politisches Attentat“. Den klassischen Rücktrittsmonat Mai haben gestern auch Elisabeth Köstinger und Margarete Schramböck gewählt.

Aber auch in anderen Monaten gab’s Rücktritte am laufenden Band, von Rudi Anschober über Sebastian Kurz bis Gernot Blümel. Burn-out, keine Freude mehr, familiäre Beweggründe.

In Deutschland sind seit jeher und zuletzt wieder Politiker aus ganz anderen Gründen zurückgetreten. Der CSU-Generalsekretär, weil er einem Journalisten der „Bunten“ gedroht hatte. „Dies bedaure ich sehr“, sagte Stephan Mayer bei seinem Abschied. Die Familienministerin, weil sie trotz Flutkatastrophe nicht aus ihrem Frankreich-Urlaub zurückgekehrt war. „Ich bitte um Entschuldigung“, sagte sie.

Bereitschaft, für ein Fehlverhalten oder einen Missstand Verantwortung zu übernehmen: Man nennt so etwas Rücktrittskultur. Sie scheint in Österreich ein Fremdwort zu sein.

Conny Bischofberger
Conny Bischofberger
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