21.03.2022 06:00 |

Corona-Berechenbarkeit

Zwei Jahre Pandemie: Was lässt sich vorhersagen?

Mehr als zwei Jahre beschäftigt uns Corona nun schon. Aber wie sehr haben wir mittlerweile alles im Griff, was lässt sich vorhersagen? Das Große schon, das Kleine weniger, sagen die Experten.

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„Das konnte niemand vorhersehen“, sagte erst am Sonntag Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP). „Es war nicht vorhersehbar“, meldete sich auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) zu Wort. Rund um seinen Antritt ließ Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) aufhorchen: Die Pandemie sei nicht berechenbar. Aber stimmt das auch? Wir haben nachgefragt: Bis zu einem gewissen Grad sehr wohl, lautet der Tenor. Im Detail wird es schwieriger.

„Grundlegende Entwicklungen sind vorhersagbar, etwa dass die Pandemie in Wellen verläuft oder ob Intensivstationen vor Überlastungen stehen“, so Komplexitätsforscher Peter Klimek: „Aber ob die Auslastungsgrenze fünf Tage früher oder später erreicht wird, ist weniger genau berechenbar.“

„Es bleibt eine gewisse Restunsicherheit“
Das macht auch die öffentliche Kommunikation schwierig: Als im Herbst seitens der Wissenschaft längst vor einem Zahlenanstieg gewarnt worden war, trat dieser zwar auch ein, aber erst zwei Wochen später. Klimek: „Mit Modellrechnungen kann man die Unsicherheit reduzieren, aber eine Restunsicherheit bleibt.“

Der Umgang damit obliegt der Politik. „Wenn man Maßnahmen immer auf den letzten Drücker setzt, kann es sein, dass sie irgendwann zu spät kommen. Je früher Maßnahmen kommen, desto mehr ist man dem Virus voraus, desto weniger muss man sich vom Virus hertreiben lassen und kann sicherer öffnen.“

Vorhersagen seien natürlich möglich, aber schwierig, sagt Statistiker Erich Neuwirth: „Gewisse fundamentale Veränderungen kann man in Prognosemodellen nicht vorwegnehmen.“ Jedes Modell beruhe auf bestimmten Annahmen bzw. Gesetzmäßigkeiten. „Wenn sich dann aber die Spielregeln erheblich ändern, wenn z.B. die Maskenpflicht abgeschafft wird, ohne dass das eingeplant war, beruht die Vorhersage nicht mehr auf den richtigen Annahmen und ist nicht mehr aussagekräftig“, sagt Neuwirth.

„Die Frage ist: Wie genau will man es wissen?“
So seien etwa konkrete Knickpunkte in der Entwicklung schwer prognostizierbar. Auch die Datenlage erschwert laut Neuwirth Prognosen: „Wenn wir mehr bzw. genauere Daten hätten, hätten wir natürlich auch bessere Modellrechnungen.“

Für Umweltmediziner Peter Hutter geht es bei der Frage nach der Berechenbarkeit um das Ziel: „Die Frage ist, wie genau möchte ich es wissen.“ Ob in der Pandemie eine Entwicklung abgebremst wird oder zunehmend ist, lasse sich natürlich prognostizieren, Vorhersagen ließen sich in etwa auf zwei Wochen genau treffen. Hier spielen unter anderem Parameter wie Kontakthäufigkeit, Jahreszeit, saisonale Begebenheiten wie Feiertage und Co. eine Rolle.

Silvia Schober
Silvia Schober
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