25.02.2022 15:25 |

Pommers Feierabend

Plus/minus einer für die Statistik

Einen schönen Freitagabend.

70 Millionen Menschen sind im Zweiten Weltkrieg gestorben, so die Schätzung. Vielleicht sind es auch ein paar Millionen mehr oder weniger. Was das für ein Satz ist, ein paar Millionen. In Österreich leben übrigens ein paar Millionen Menschen, nur um die Dimension zu verstehen. Die Schwankungsbreite des Elends ist also rechnerisch gesehen ein totes Österreich mehr oder weniger. Eine andere Statistik besagt, dass weltweit jährlich 182.000 Tote durch gewalttätige Konflikte hinzukommen. 182.000 Menschen. Floridsdorf hat rund 174.000 Einwohner. Jedes Jahr stirbt Floridsdorf. Es sind nur Rechnungen, Zahlen, Schätzungen, plus/minus, aber hinter jedem Toten stecken Schmerz, Leid, Trauer. Jede Rakete reißt einen Krater in die Gesellschaft.

An Corona sind fast sechs Millionen Menschen auf der Welt gestorben. Der letzte Weltkrieg war also 11-mal Covid. Wie gesagt, Mathematik mit Toten, aber wer den Schmerz sehen muss, um Krieg zu fassen, kann das auf dem Video machen, das in den sozialen Medien kursiert. Ein Ukrainer verabschiedet sich von seiner kleinen Tochter. Sie fährt im Bus raus aus der Hölle, er bleibt zum Kämpfen zurück. Der junge Mann setzt der Kleinen die Haube auf, klammert sich kniend an sie, weint, hört wieder auf, einmal noch stark sein für das Mädchen, das er vielleicht zum letzten Mal sieht. Es sind herzzerreißende Szenen eines Soldaten, dessen Schicksal offen ist. Plus/minus einer für die Statistik.

Unser ehemaliger Bundeskanzler hat sich gemeldet. Sebastian Kurz twitterte über die Causa Beinschab: „Ich habe immer gesagt, dass sich die Vorwürfe gegen mich als falsch erweisen werden. Jetzt ist es so weit.“ Am zweiten Tag des Krieges in Europa. Ich brauche keine Umfragen, um zu wissen: Unabhängig vom Wahrheitsgehalt ist der Zeitpunkt vielleicht eher ungünstig. So viele Ex-Kanzler machen momentan von sich reden, so viel Empörung über Wolfgang Schüssel, Alfred Gusenbauer, Christian Kern. Jetzt kommt noch ein Ehemaliger dazu, der sich, wir haben es ja schon vermutet, selbst am nächsten ist. Einer mehr - für die Statistik.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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