Taxi-Geschichten

Standfestes Taxifahren: Mobile Betten und Frivoles

Wien ist leiwand
22.01.2022 11:20

Wir fahren mit und hören zu. „Krone“-Reporter Robert Fröwein setzt sich auf die Taxi- oder Uber-Rückbank und spricht mit den Fahrern über ihre Erlebnisse, ihre Sorgen, ihre Ängste. Menschliche Geschichten direkt aus dem Herzen Wiens.

Käufliche Liebe und die Omikron-Welle. Eine Kombination, die so manche Tücken birgt - wir haben in der „Krone“ ausführlich darüber berichtet. Von den temporären Freuden der Lustgetriebenen kann Taner „einen Roman schreiben“, wie er mir erzählt, während er mich zu einem Termin in die Burggasse bringt. „Die fangen bei mir auf der Rückbank zu schmusen an und kriegen sich überhaupt nicht mehr ein. Es ist oft gar nicht so leicht, etwas dagegen zu tun.“ Taner ist Ende 50. Ein alter Hase im Taxigeschäft, den nur wenig erschüttern kann. „Ich sage immer, das Taxi ist ein mobiles Bett. Man muss aber rechtzeitig die Grenzen aufzeigen.“

Die Zeiten haben sich freilich geändert. „Vor Jahren habe ich den Großteil meiner Zeit beim Prater verbracht. Wo heute die Wirtschaftsuni ist, standen die Prostituierten Schlange. Die Kunden ließen sich hinfahren und abholen.“ Unmoralische Angebote für Taner inklusive: „Die Damen wollten mitfahren und, wie soll ich sagen, mit Körpereinsatz bezahlen. Das war für mich aber nie ein Thema.“ Standfestigkeit anders definiert.

Der gebürtige Türke erinnert sich auch an jene Zeiten zurück, wo Nachtfahrten noch lukrativ waren. „Bevor es die vielen Flughafentaxidienste gab, bin ich oft mit Kunden in diverse Clubs gefahren. Manche habe ich spätnachts aus einschlägigen Wiener Etablissements geholt, nachdem sie kurz zuvor in Schwechat gelandet waren. Die haben den Weg bis daheim gar nicht mehr ausgehalten.“

Heute fährt Taner lieber Tagschichten. „Aber das macht keinen Unterschied. Ausländische Besucher machen, wie soll ich sagen, Geschäftsreisen plus“, lacht er laut auf. Das Frivole an seinem Geschäft bereitet dem zweifachen Familienvater durchaus Spaß. „Wo sonst kriegst du solche Geschichten so hautnah mit? Das Taxifahren ist der beste Job der Welt. Auch wenn es momentan nicht so einfach ist.“

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