09.01.2022 06:00 |

„Wir saufen bald ab“

10. Jahrestag der Havarie der „Costa Concordia“

Rom. Zwischen Erholung und Todesangst lagen wenige Sekunden. Am 13. Jänner 2012 hatte Kapitän Francesco Schettino das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ mit 4229 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio gegen einen Felsen gesteuert. Der Rumpf wurde aufgeschlitzt, das Schiff geriet in eine starke Schräglage und blieb auf einem Felssockel liegen. Zum 10. Jahrestag wird der 32 Todesopfer gedacht.

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Überlebende der „Costa Concordia“ schilderten vor zehn Jahren der „Krone“ die schrecklichsten Stunden ihres Lebens. Der Bericht beginnt mit der Idylle an Bord, Lachen an den Restauranttischen und erholsamen Momenten an der toskanischen Küste. Bis ein markerschütterndes Schleifen alles veränderte.

77 Österreicher überlebten Tragödie in der Toskana
Für Joachim Mayr aus Goldwörth in Oberösterreich und seine Frau war es die erste Kreuzfahrt. „Und wahrscheinlich unsere letzte“, so die Aussage nach der Katastrophe. Heute schaut das anders aus, denn die Tragödie liegt lange zurück: „Eine weitere Reise mit dem Schiff ist nicht ausgeschlossen“, so der 49-Jährige gegenüber der „Krone“. „Plötzlich hat sich das Schiff gedreht und Wasser geschöpft“, erinnert sich der Oberösterreicher. Zu seiner Frau sagte er damals: „Pack deine Sachen, wir saufen bald ab.“ Erst im sechsten Rettungsboot hatte das Ehepaar Platz. Weitere 75 Österreicher konnten vom sinkenden Schiff in Sicherheit gebracht werden.

EGMR könnte Fall heuer wieder aufrollen
Bis heute beschäftigt der Fall „Costa Concordia“ die Juristen. Der unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu 16 Jahren Haft verurteilte Kapitän Schettino hatte 2018 beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen seine Haft eingelegt. Ein Sprecher des Gerichts in Straßburg sagte, dass sich der EGMR womöglich heuer mit dem Fall befassen wird. Der Kapitän geriet nicht nur wegen des missglückten Manövers in die Kritik, sondern auch, weil er das Schiff verließ, noch während die Evakuierung lief. „Fare lo Schettino“, den Schettino machen, ist in Italien inzwischen zu einem Synonym geworden für besondere Feigheit. Außerdem hatte der Italiener seine Geliebte Domnica Cemortan aus Moldau an Bord. Sie stand nicht auf der Passagierliste. Für einen Platz auf einem Rettungsboot sorgte „Kapitän Feig“ persönlich.

Am Donnerstag ist eine Messe auf Giglio zu Ehren der 32 Todesopfer geplant. Um 21.45 Uhr, dem Zeitpunkt, zu dem die „Concordia“ den Felsen rammte, sollen auf der Insel die Sirenen heulen, gefolgt von einer Schweigeminute. Franco Gabrielli, der als Zivilschutzchef die Rettungsaktion koordinierte, wird erwartet. Er wird mehrere Überlebende und Einwohner treffen. 

Katharina Pirker
Katharina Pirker
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