05.01.2022 11:00 |

Im Digital-Zeitalter

Steirer lieben nach wie vor Kalender aus Papier

Spätestens mit dem ersten Kalender-Eintrag ist man im neuen Jahr angekommen. Dann heißt es: aktiv loslegen und Pläne schmieden. Die meisten Steirer tun das immer noch auf Papier. Von der unzerstörbaren Liebe der Steirer zu handschriftlichen Kalendern berichten eine Fachhändlerin in Graz und ein Drucker in Werndorf.

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Frühstück mit Laura, Dienstzeiten für die nächsten Tage, Zahnarztbesuch und ein Geschenk für die Oma besorgen - kaum etwas fasst die Woche so gut zusammen wie der Kalender. Er macht nicht nur auf Termine aufmerksam, sondern erinnert auch an Anlässe, die man womöglich sonst vergessen hätte. Und das ist gut so, denn Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinen gleicht oft einem Spagat, der ohne hilfreichen Spickzettel schwer zu meistern ist.

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Ich glaube, die Leute brauchen manchmal eine Pause vom Handy. Weil wir oft in der digitalen Welt unterwegs sind, wenden sich viele physischen Dingen zu.

Michaela Dellemeschnig

Viele tragen Termine gerne händisch ein 
Beim Organisieren begleitet viele noch immer der Papierkalender im sonst so digitalen Alltag. Während am Handy Erinnerungen für Termine aufblinken, die von einem lästigen Klingeln begleitet werden, ist der Planer aus Paper angenehm ruhig und nervt nicht. Trotzdem stellt sich die Frage: Wer benötigt in Zeiten von Kalender-Apps tatsächlich noch unzählige Seiten, die von einem Ledereinband umschlungen sind?

„Ich glaube, die Leute brauchen manchmal eine Pause vom Handy. Weil wir oft in der digitalen Welt unterwegs sind, wenden sich viele physischen Dingen zu“, erzählt Michaela Dellemeschnig. In ihrem Geschäft in der Zinzendorfgasse wandern jedes Jahr aufs Neue unterschiedliche Planer über den Ladentisch. Jahresplaner, Bildkalender oder Wochentimer gäbe es in allen Farben und Formaten.

„Unseren Kunden ist die Qualität wichtig. Sie greifen daher häufig zur selben Marke, wenn sie von dieser überzeugt sind. Paperblanks, Moleskine und Leuchtturm1917 zählen zu den Dauerrennern“, erzählt die Chefin von Produkten, die man gerne herzeigt. Die Papiervariante würde zwar nicht so viele Anwendungen wie die digitale Version bieten, dafür aber ohne Akku und jederzeit funktionieren.

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Die Digitalisierung muss sein, aber die analoge Tradition darf auch sein.

Heinz Selmeister

Laut Dellemeschnig darf aber auch der emotionale Aspekt nicht unterschätzt werden: „Ein Planer ist mehr als nur ein Büchlein mit Notizen, denn am Ende des Jahres kann man auf das zurückblicken, was man geschafft hat.“ Dabei ist es gerade die Haptik beim Durchblättern, die viele schätzen.

Ein Schatz aus der Vergangenheit
Aus Papier und ein überliefertes Stück Tradition ist der Alte Bauernkalender, der von der Druckerei Leykam in Werndorf erzeugt wird. „Aufgrund seiner Abbildungen, den Mandln, erhielt er im Volksmund den Namen Mandlkalender. Er war einer der ersten Druckerzeugnisse überhaupt und wird seit 1706 produziert“, erzählt Heinz Selmeister.

In all der Zeit hat sich das Erscheinungsbild mit den drei Bauern nie wirklich verändert. „Kontinuität ist das Motto. Daher sind die Symbole zu 99 Prozent noch wie vor 200 Jahren.“ Es ginge um den Charme, den der Volkskulturkalender besitzt und mit seiner authentischen Gestaltung viele Generationen begleitet hat. Auch an Auslandsösterreicher in New York oder Sydney würde Selmeister den Mandlkalender verschicken. „Für das Heimatgefühl“, wie er sagt.

Während er heute als Schatz aus der Vergangenheit betrachtet wird, war er früher oft das einzige Buch, das Hausbewohner jährlich erreichte, und vor allem für die Ernte überlebensnotwendig. Überleben wird der Mandlkalender in seiner Ursprungsform noch länger, denn „die Digitalisierung muss sein, aber die analoge Tradition darf auch sein“, ist sich Selmeister sicher.

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