82 Mio. auf der Flucht

Migrantenansturm auf EU, USA und Großbritannien

Ausland
05.01.2022 06:00

Es ist ein erschreckendes Bild, das sich im Rückblick auf das vergangene Jahr bietet: Die Zahl jener Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und versucht haben, in die EU, die USA oder auch Großbritannien zu gelangen, ist sprunghaft angestiegen, hat sich teilweise sogar mehr als verdreifacht. Seit dem Jahr 2015 sind mehr als eine Million Menschen nach Europa geflüchtet. Weltweit sind laut UNO mehr als 82 Millionen Menschen auf der Flucht.

Im Jahr 2021 gab es wieder einen sprunghaften Anstieg: So sind etwa in Italien bis Weihnachten mehr als 64.600 Migranten per Boot über das Mittelmeer gekommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es rund 34.100, also nur etwas mehr als halb so viele. Laut UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der UNO, sind im Mittelmeer zwischen Jänner und November 2021 mehr als 2500 Menschen ertrunken.

Die Flüchtlingsströme nach Europa reißen nicht ab - seit 2015 haben mehr als eine Million Migranten Europa erreicht. (Bild: Ben Stansall/AFP)
Die Flüchtlingsströme nach Europa reißen nicht ab - seit 2015 haben mehr als eine Million Migranten Europa erreicht.

Ähnlich schrecklich ist die Zahl jener Menschen, die beim Versuch, Spanien zu erreichen, gestorben sind: Das angesehene, in Afrika gut vernetzte Hilfswerk Caminando Fronteras geht davon aus, dass im vergangenen Jahr mehr als 4400 Frauen, Männer und auch Kinder auf dem Weg nach Spanien ertrunken sind. Die Zahl ist damit mehr als doppelt so hoch wie im Jahr 2020, als auf diesen Routen 2170 Menschen ihr Leben verloren haben.

Grafik: Illegale Grenzübertritte Jänner bis November 2021

Die mit Abstand meisten dieser Menschen sind im vergangenen Jahr im Atlantik zwischen Westafrika und den Kanarischen Inseln ertrunken – mehr als 4000. Wie viele Menschen beim Versuch, den Ärmelkanal in Richtung Großbritannien zu überqueren, umgekommen sind, ist noch unklar. Laut offiziellen Zahlen haben 2021 aber fast 28.400 Migranten auf diesem Weg britischen Boden erreicht – das sind mehr als dreimal so viele wie im Jahr 2020.

(Bild: Leonid Shcheglov)

Ebenso dramatisch war im Vorjahr zeitweise die Situation an der Grenze zwischen Polen und Weißrussland. Diktator Lukaschenko aus Minsk hat ja versucht, die EU mit einem von ihm gezielt initiierten Migrantenansturm zu erpressen. Die polnischen Behörden haben offiziellen Zahlen zufolge 39.715 Versuche registriert, die Grenze illegal zu überqueren. Im Jahr davor waren es nur 122! Und während in Polen 2020 noch 2600 Menschen einen Asylantrag gestellt hatten, waren es im vergangenen Jahr fast 8000.

Die USA haben ihre Grenze zu Mexiko dichtgemacht. (Bild: Randy Hoeft/Yuma Sun via AP)
Die USA haben ihre Grenze zu Mexiko dichtgemacht.

Auch in Richtung USA schwillt der Migrantenansturm immer weiter an. Allerdings hat Amerika auch unter Präsident Joe Biden seine Grenzen so gut wie dichtgemacht – vor allem auch jene zu Mexiko. Die Folge ist, dass in Mexiko im Vorjahr 131.448 Asylanträge gestellt worden sind – mehr als je zuvor in der Geschichte des Landes. Eigentlich wollten diese Menschen in die USA. Die meisten kommen aus Haiti und Honduras.

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