18.12.2021 06:01 |

Ewald Pfleger

Opus-Abschied: „Von Pensionsschock keine Spur“

Nach fast 50 Jahren geht eine Weltkarriere zu Ende: Opus spielt in der nächsten Woche noch zweimal in der Grazer Oper. Mastermind Ewald Pfleger zieht Bilanz über sein musikalisches Werk.

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„Krone“:Wie groß ist die Wehmut?
Ewald Pfleger: Sehr groß, weil fast 50 Jahre Opus auf der Bühne nun vorbei sind. Wir haben jedes unserer Livekonzerte genossen. Der Jubel und Applaus wird uns abgehen.

Corona hat die Abschiedstournee durchkreuzt. Da wäre einiges im nächsten Jahr nachzuholen?
Heuer musste Gott sei Dank nicht viel abgesagt werden. Die Festspiel-Konzerte in Bregenz, Salzburg oder Linz haben wir alle noch knapp vor dem Lockdown spielen können. Und auch jetzt haben wir Glück, dass statt 1000 nun doch 2000 zum Abschiedskonzert kommen dürfen - sonst hätten wir tatsächlich auf Frühjahr verschoben. Doch viele tolle Konzerte im Ausland sind geplatzt. Von Korea bis Südamerika waren Opus in großen Arenen und Stadien gebucht.

Hadert ihr mit der verpatzten Abschiedstour?
Das ist schon herb. Wir zeichnen unser Graz-Konzert als Live-CD und DVD auf. Jammerschade, dass das Publikum mit Maske sitzen muss. Für das Graz-Finale gibt es 3000 FFP2-Masken mit „Live Is Life“-Aufdruck. Auch das ist auch ein Dokument unserer Zeit. Es tut uns leid, wir hätten es uns alle anders gewünscht und auch verdient. Aber was man nicht ändern kann, darüber sollte man sich nicht ärgern.

Wie wird der Abschied gefeiert?
Mit vielen Gästen und einigen Highlights. In der Grazer Oper werden Willi Resetarits, Gert Steinbäcker oder Schiffkowitz dabei sein. Das wird unser allerlängste Konzert. Der ORF wird es 2022 senden.

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Für das Graz-Finale gibt es 3000 FFP2-Masken mit „Live Is Life“-Aufdruck. Auch das ist auch ein Dokument unserer Zeit.

Ewald Pfleger

„Live is Life“ ist seit 1985 das Highlight bei jedem Konzert: Wie wäre die Opus-Karriere ohne Welthit verlaufen?
Darüber haben wir oft diskutiert. Wir hatten einfach viel Glück. Wenn wir diesen Song im Studio aufgenommen hätten, wäre es kein Hit geworden. Auch wenn die Liveaufnahme nicht so perfekt war, so haben wir damals die Stimmung so gut getroffen, dass der Song nicht totzuspielen ist und Opus überleben wird.

Wie groß ist heute noch der Hype um „Live is LIfe“?
Es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht um die Rechte angefragt werde. Es gibt mittlerweile 300 Coverversionen und das in fast jeder Sprache dieser Welt. Dazu tausende DJ-Videos im Netz. Mit dem Titel wird jedoch auch Schindluder getrieben. So hat der Herrscher in Nicaragua damit Wahlkampf betrieben. Wir wollten es über unsere Anwälte verhindern, waren aber chancenlos. Zum Argern war auch der Aufritt in der „Licht ins Dunkel“-Gala. Nur weil wir gemeinsam mit Politikern aufgetreten sind, die zu „Live is Life“ getanzt haben, wurden wir mit einem fürchterlichen Shitstorm gesteinigt. Und gleichzeitig spielen Impfgegner auf ihren Demos auch „Live is Life“.

Hat aus der aktuellen Austropop-Szene jemand das Zeug zum Welthit?
Es sind viele gute Leute in Österreich. Wenn ich an Wanda, Josh, Bilderbuch oder die Weizer Brüder von Brofaction denke. Die meisten singen in deutscher Sprache, damit ist es schwierig, einen Welthit zu landen. Bei Bilderbuch, die gerade in den USA sind, kann ich es mir vorstellen. Eine verdammt gute Band, die zusammenhält und das gleiche Erfolgsrezept wie wir haben.

Was hat Opus fast 50 Jahre zusammengeschweißt?
Wir harmonieren deshalb so gut, weil wir auch gemeinsam Misserfolge weggesteckt haben. Es war nach „Live is Life“ nicht leicht, aus diesen Höhen zu fallen. Wir haben auch nie übers Geld gestritten, weil wir von vornherein einen Aufteilungsschlüssel festgelegt hatten. Beim Geld haben sich schon viele Gruppen zerstritten.

Apropos Geld: Sind die Tantiemen höher als deine Pension?
(Lacht) Die ausgeschütteten Tantiemen lassen sich mit keiner Pension vergleichen. Obwohl ich ein Doppel-Pensionsbezieher bin, der auch ohne Staatsrente sehr gut leben könnte. Und auch mein Sohn wird von den Tantiemen noch gut leben können. Auch wenn nun einige den Kopf schütteln, aber ich habe auch gerne Steuern bezahlt, weil ich als Arbeiterkind viel Unterstützung vom Staat bekommen habe.

Wie geht es mit Opus nach dem letzten Konzert weiter?
Wir haben einige verlockende Anfragen bis Jahresende. Argentinien will unbedingt im größten Stadion des Landes ein Abschiedskonzert veranstalten. Diego Maradona soll als Riesenhologram mit auf der Bühne stehen. Bis Silvester wird sich das leider nicht ausgehen.

Dem verstorbenen Fußballstar Maradona hat Opus einiges zu verdanken.
Das stimmt. Er hat zu „Live is Life“ gegabelt, das Video haben Millionen gesehen. Seither sind wir nicht nur in Russland, sondern speziell in Südamerika Superstars. Wir bekommen von dort auch sehr viel Post. Die größte Tageszeitung in Argentinien hat riesig auf der Titelseite unser Karriereende bedauert.

Was kommt nach dem Grande Finale?
Ich möchte gerne, dass wir als Opus-Clique weiter befreundet bleiben. Wir werden nun gemeinsam einen Band-Urlaub auf Mauritius machen. Ich verwalte weiterhin „Live is Life“ und mein Tonstudio, das mein Sohn Paul als talentierter Musiker übernehmen wird. Kleinere Auftritte wird es geben, auch ein Soloalbum ist geplant. Also von Pensionsschock keine Spur. Jetzt wünschen wir uns nur mehr Gesundheit.

Erich Fuchs
Erich Fuchs
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