07.12.2021 17:14 |

Prozess in Eisenstadt

Schlepper-Drama: Flüchtlinge in Kisten gepfercht

Gewissenlose Menschenschmuggler pferchten 19 Migranten aus der Türkei auf der Ladefläche eines Klein-Lkw in zwei Holzkisten. Der Fahrer - ein junger Familienvater - wusste davon zwar nichts, trotzdem musste er sich nun wegen Schlepperei vor dem Landesgericht Eisenstadt verantworten.

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Um ein Haar hätte die Schlepperfahrt, für die sich ein junger Rumäne am Montag in Eisenstadt vor Gericht verantworten musste, so dramatisch geendet wie jene vom August 2015 - damals waren 71 Menschen in einem Lkw erstickt. Doch der Reihe nach. Eigentlich hatte Flavius C. in seiner Heimat ein geregeltes Leben. Er arbeitete als Automechaniker und verdiente rund 700 Euro im Monat. Doch er machte einen Fehler. „Mein Mandant war naiv und ließ sich von einem Nachbarn für die Schlepperfahrt anheuern. Er weiß, dass das falsch war“, so Verteidiger Marius Hortolomei. Denn die versprochenen 2000 € wären für den Familienvater viel Geld gewesen. Und so nahm das Unheil seinen Lauf.

Menschen in Holzkisten eingeschlossen
„Mein Nachbar brachte mich mit einem Pkw von meiner Wohnung nach Temesvár. Dort stand ein Lkw bereit, der Schlüssel steckte, die Menschen waren schon im Laderaum. Ich habe vor der Abfahrt aber nicht hineingesehen. Ich wusste daher nicht, dass sie in Kisten gepfercht waren“, schildert C. dem Schöffensenat. Auch die Geschleppten bestätigten später, dass es nicht C. gewesen sei, der sie dort hineingezwungen hatte.

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Ich habe den Mann, der mich angeworben hat, vor der Abfahrt sogar noch gefragt, ob die Menschen Wasser und Essen haben. Er bejahte das.

Der Angeklagte

Nach rund fünf Stunden Fahrt erreichte der Wagen Nickelsdorf.„ Dort kontrollierten Polizisten den Wagen. “Eigentlich wollte ich ihn schon weiterfahren lassen, aber plötzlich spürte ich warme Luft aus einer der beiden Kisten im Laderaum strömen. Als wir sie öffneten, saßen 19 zum Teil völlig erschöpfte Menschen darin", erläutert einer der Beamten vor Gericht. Nach kurzer Beratung verurteilte der Schöffensenat den Angeklagten rechtskräftig zu zwei Jahren Haft.

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