07.11.2021 06:00 |

Details aus Verhör

Beinschab: „Kenne Kurz nur vom Vorbeigehen“

Es ist das Geständnis in der ÖVP-Affäre, das die Politik zittern lässt - die „Krone“ kennt erste Details des Verhörs von Meinungsforscherin Sabine Beinschab. Mit einem Stresspuls von 95 räumte die Kronzeugin der Anklage Manipulation von Umfragen ein - und zeigt sich vom Altkanzler enttäuscht: „Kurz hat mir nicht einmal die Hand geschüttelt!“

Um exakt 6.43 Uhr wurde die 37-Jährige in ihrer Wohnung in Wien-Döbling verhaftet - und am nächsten Tag um 18.15 Uhr aus dem Polizeiarrest freigelassen. Wie das Protokoll vermerkt, wurden der unter Untreue-Verdacht stehenden Beinschab Reise- und Impfpass, sieben Schlüssel, ein Handy und eine optische Brille abgenommen.

Spannender sind die Aussagen der Meinungsforscherin in dem fünfstündigen Verhör mit fünf Pausen. Denn sie ist die Schlüsselfigur in der Affäre um geschönte Umfragen und Scheinrechnungen, die Sebastian Kurz zum Abtritt als Kanzler zwang.

Von der Kronzeugin der Anklage hängt maßgeblich eine Verurteilung oder eben die mögliche Rückkehr des ÖVP-Chefs auf die große Polit-Bühne ab. Und was hat sie „reumütig gestanden“? Vor Ermittlern der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) räumte Sabine Beinschab detailreich die mutmaßliche Manipulation von Umfragen bzw. ihre Tatbeteiligung daran ein.

Gretchenfrage für die Korruptionsermittler
Sebastian Kurz gut zu kennen streitet die Meinungsforscherin allerdings energisch ab, zeigt sich sogar enttäuscht von ihm: „Ich kenne ihn nur vom Vorbeigehen. Er hat mir nicht einmal die Hand geschüttelt.“

Tatsächlich ist der Kontakt zwischen beiden die Gretchenfrage, also der Knackpunkt für die WKStA. Die Justiz muss zumindest beweisen können, dass der Altkanzler von den für ihn günstigen Umfragen für das „Projekt Ballhausplatz“, das letztlich zum Sturz seines Vorgängers Reinhold Mitterlehner führte, wusste.

Zitat Icon

Ich kenne ihn nur vom Vorbeigehen. Er hat mir nicht einmal die Hand geschüttelt.

Sabine Beinschab über Sebastian Kurz

Und da findet sich bei den Beweismitteln ein Kalendereintrag. Am 15. Februar 2017 mit „Sebastian Kurz 18 Uhr“. An diesem Tag trat der damalige Außenminister allerdings vor Hunderten Leuten bei einer Veranstaltung der Wiener Wirtschaftskammer auf. Es bleibt also spannend ...

Christoph Budin
Christoph Budin
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