„Wir sind megasauer“

Initiative will „saubere“ Antikorruptionsgesetze

Politik
19.10.2021 14:07

Als unmittelbare Folge der Affäre um die Ermittlungen gegen die ÖVP sowie deren Parteichef, Ex-Kanzler Sebastian Kurz, fordert die Initiative „Saubere Hände“ nun eine effektive Antikorruptionsgesetzgebung von den fünf Parlamentsparteien. Unterstützung für den Vorstoß kommt von den Kabarettisten Robert Palfrader, Thomas Maurer und Florian Scheuba („Wir Staatskünstler“), die wollen, dass „saubere Politik zur Realität wird“.

„Wir wollen sagen, dass wir sauer sind, und zwar megasauer“, so „Saubere Hände“-Sprecherin Ursula Bittner von Greenpeace mit Bezug auf die Ermittlungen gegen Kurz und sein Umfeld bzw. die Chats der beschuldigten Personen. „Die Ereignisse haben gezeigt, was alles so hinter verschlossenen Türen möglich ist.“ Geschädigt worden seien die Bürgerinnen und Bürger, der Rechtsstaat und die Demokratie. Geld, das für Korruption geflossen sei, habe nicht für Krankenhäuser, Schulen und Kinderbetreuung verwendet werden können.

Korruption „ist schlecht für den Teint“, empfinden die „Staatskünstler“ und rufen zu besseren Antikorruptionsgesetzen auf. (Bild: twitter.com/Saubere Hände)
Korruption „ist schlecht für den Teint“, empfinden die „Staatskünstler“ und rufen zu besseren Antikorruptionsgesetzen auf.

Lückenlose Aufklärung gefordert
Die Initiative fordert daher eine lückenlose Aufklärung aller Korruptionsfälle sowie Respekt vor der Justiz und die Umsetzung der Vorschläge des Anti-Korruptions-Volksbegehrens noch vor den nächsten Wahlen. Das alles müsse unabhängig vom Regierungsprogramm passieren, so Bittner. Maria Mayrhofer von der zivilgesellschaftlichen Plattform #aufstehn verwies auf die erfolgreiche Initiative gegen die Einschränkung von Hausdurchsuchungen bei Politikern im Frühjahr. „Wir haben dafür gesorgt, dass der Vertuschungsparagraf entschärft wurde.“ Nun müsse auch Schluss mit Inseratenkorruption sein: „Wir brauchen auch eine neue Medienförderung.“

Anti-Korruptions-Volksbegehren fordert Bewegung
Der ehemalige ÖVP-Justizsprecher und nunmehrige Proponent des Anti-Korruptions-Volksbegehrens, Michael Ikrath, freute sich über die Unterstützung. „Unser Ziel ist, ein so heißes Feuer unter dem Hintern der Regierungspolitiker zu entzünden, dass sie sich einfach bewegen müssen.“ Nicht mehr überzeugt werden müssen SPÖ und NEOS, deren stellvertretende Klubobleute Jörg Leichtfried und Nikolaus Scherak bei der Präsentation anwesend waren.

Scherak selbst forderte im Anschluss bei einer Pressekonferenz mit NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos eine Reform der Parteienfinanzierung - und zwar noch heuer. Außerdem brauche es endlich scharfe Sanktionen bei Verstößen gegen die Vorgaben, einen Straftatbestand für illegale Parteienfinanzierung und volle Einsichtsrechte für den Rechnungshof, meinte Hoyos.

„Zierpromis“ für die gute Sache
Weitere Unterstützer der „Sauberen Hände“ sind die „Staatskünstler“. „Auch wichtige Anliegen benötigen Zierpromis, und heute hat‘s uns getroffen“, meinte Maurer. Scheuba zeigte sich zufrieden, „dass gewisse Themen, die wir seit 2011 in unserem Programm haben, auch in der Öffentlichkeit angekommen sind“. Für Maurer ist Kurz in Sachen Inserate „Werner Faymanns gelehrigster Schüler - er hat das in Absurditäts- und Obszönitätshöhen getrieben“.

Allerdings: „Korruption ist schlecht für den Teint, ruiniert die Frisur, und man ist dann auch nicht mehr so beliebt.“ Palfrader wiederum äußerte einen eigennützigen Wunsch: „Wir würden ein Programm gern ein paar Wochen lang spielen, ohne es umschreiben zu müssen.“

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