19.10.2021 09:00 |

Planung gefragt

Heuer keine Saison für Last-Minute-Shopping

Wer zu Weihnachten etwas verschenken will, sollte schnell sein, denn Lieferengpässe könnten diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung machen. Auch hierzulande haben die Händler bereits Probleme.

Wolfgang Stromberger sitzt in seinem Büro vor seitenlangen Rückstandslisten von Spielzeug, das derzeit einfach nicht lieferbar ist. Noch sind die Regale in seinem Spielwarengeschäft „Lumpis“ in Bregenz gut gefüllt, ob sie das aber auch noch in der Adventszeit sein werden, ist fraglich. „Die Lieferengpässe betreffen auch die Spielwaren. Es fehlt aber zudem an Grundrohstoffen wie Kunststoffgranulat. Das merken wir bei einigen Lieferanten, die Kunststoffartikel im Sortiment haben und vorrangig in Asien produzieren. Aber auch Firmen mit Holzprodukten sind betroffen. Aufgrund der starken Nachfrage sind die Preise für Holz sogar deutlich gestiegen. Man spürt die Probleme eigentlich überall.“

Die Entwicklung war abzusehen, deshalb habe man versucht, darauf zu reagieren. „Wir haben so früh wie möglich unsere Lager gefüllt.“ Beim Nachschub könnte es aber hapern. Mehr oder weniger alle Händler stehen nun vor demselben Problem. „Wir bestellen ja alle bei den gleichen Lieferanten und Produzenten, ob das Händler in Bregenz sind, in Vorarlberg, Österreich oder weltweit.“

Dominoeffekt durch Corona-Pandemie

„Die Gründe für die Lieferprobleme sind vielfältig“, erklärt der Handel-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer, Michael Tagwerker. Der internationale Warenverkehr ist vor allem durch die Coronapandemie enorm in Verzug geraten. In Asien wurden große Containerhäfen vorübergehend gesperrt.

Dadurch ist ein Dominoeffekt entstanden, der jetzt zu einer enormen Überlastung geführt hat. Die Containerstellplätze quellen über, die riesigen Containerschiffe müssen warten und leere Container sind so gut wie nicht mehr verfügbar. „Hinzu kommt, dass das Eisenbahnnetz etwa über die neue Seidenstraße völlig überlastet ist“, erklärt Tagwerker. Als wäre das nicht genug, mangelt es europaweit an LKW-Fahrern. Durch die Lieferprobleme herrscht zudem weltweit ein Mangel an Rohstoffen.

Neben Spielwaren stehen an Weihnachten traditionellerweise Elektronikgeräte hoch im Kurs. Doch auch Computerchips sind Mangelware. So wurde etwa bereits die Produktion beliebter Videospielkonsolen und anderer Unterhaltungsgeräte beeinflusst. Bei „Media Markt“ Österreich versucht man aber zu beruhigen. „Unsere Lager sind gut gefüllt. Grundsätzlich verfügen sowohl unsere Lieferanten als auch wir gegenwärtig über ausreichend Lagerbestände“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Ein gewisses Risiko bleibt aber. „In einigen wenigen Produktbereichen wie Smartphones, Tablets, Druckern, Geschirrspülern und Kühlgeräten könnte es zu pandemiebedingten Lieferengpässen kommen.“ Man sei jedoch in ständigem Austausch mit den Industriepartnern, um die Produktverfügbarkeit sicherstellen zu können.

Die Lieferengpässe haben eine weitere vor allem für die Kunden unangenehme Folge: Die Transportkosten steigen. „Wie man hört, haben sich die Containerpreise verfünffacht. Flugfrachtpreise sind ebenfalls enorm gestiegen. Diese Entwicklung schlägt sich am Ende des Tages auch beim Endprodukt nieder“, ist Tagwerker überzeugt. „Da stellt sich immer die Frage, wer das bezahlen soll.“

Spätestens 2022 werden die Preise steigen

Laut „Lumpis“-Geschäftsführer habe man heuer noch versucht, die Steigerungen zu schlucken, um die bestehenden Preisempfehlungen einhalten zu können. „Aber nächstes Jahr wird sich da sicher noch was ändern.“ Im Übrigen sind Preissteigerungen nicht nur im Spielwarenbereich zu befürchten - oder bereits eingetreten.

Die Erwartungen des Handels rund um das Weihnachtsgeschäft sind jedenfalls positiv. „Die Leute wollen wieder in ihr gewohntes Leben und hinausgehen. Wir merken auch, dass die Kunden wieder gerne ins Geschäft kommen. Das Bedürfnis nach dem Shoppingerlebnis wird hoffentlich auch an Weihnachten noch präsent sein“, ist Stromberger zuversichtlich.

Die Empfehlung angesichts der aktuellen Situation an die Kunden: „Sich heuer nicht erst in den letzten Tagen um Geschenke zu kümmern.“ Und auch wenn die Online-Riesen verführerisch wirken: Jeder Euro, der im Land bleibt, kommt auch den Menschen im Land zugute.

Philipp Vondrak
Philipp Vondrak
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