18.10.2021 10:42 |

Protest gegen 3G

Demo vor Hafen in Triest von Polizei beendet

In Italien tobt heftiger Widerstand gegen die 3G-Pflicht am Arbeitsplatz, die einzigartig in Europa ist. In Triest blockierten am Montag Demonstranten den Zugang zum Hafen. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Wasserwerfern, um die ca. 300 Störenfriede zu vertreiben. Fünf Personen wurden festgenommen. Etwa 40 Prozent der 1000 Hafenmitarbeiter sind laut Schätzungen nicht geimpft. Auch vor dem Eingang des Hafens von Genua kam es zu einem Protest.

Die Demonstranten skandierten Slogans gegen die 3G-Pflicht für alle Arbeitnehmer in Italien. „Freiheit, Freiheit“, riefen die Demonstranten. Sie forderten die Polizisten auf, ihre Helme abzunehmen. „Heute ist ein trauriger Tag“, betonte Stefano Puzzer, der am Sonntag zurückgetretene Anführer der protestierenden Hafenmitarbeiter in Triest. Nachdem sie vom Hafen vertrieben worden waren, zogen die Demonstranten weiter Richtung Hauptplatz Piazza dell‘Unitá. Etwa 2000 Personen beteiligten sich dort an einer Protestkundgebung.

Die norditalienischen Häfen sind zum Magnet für Demonstranten gegen die seit Freitag geltende 3G-Pflicht in Italien geworden. Protestaktionen gab es in den vergangenen Tagen vor den Häfen in Genua, Ancona und Ravenna.

Vor einem Eingang des Hafens von Genua demonstrierten am Montagfrüh einige Hundert Hafenmitarbeiter und Impfgegner gegen die 3G-Pflicht. Der Zugang zum Hafen wurde zwar nicht blockiert, doch einige Lkw standen vor dem Zugang Schlange.

Staatspräsident kritisierte „anti-wissenschaftliche Haltung“
Staatspräsident Sergio Mattarella verurteilte am Montag „gewalttätige Proteste“ gegen die Anti-Covid-Restriktionen der italienischen Regierung. Er rief die Italiener auf, gegen eine „anti-wissenschaftliche Haltung“ zu kämpfen. „Wir verdanken der Wissenschaft viel. Die Impfstoffe sind ein Verdienst der Wissenschaft, das sollten wir aus Respekt vor den Toten nicht vergessen“, sagte Mattarella vor Studenten und Lehrern bei der Eröffnung des akademischen Jahres an der Universität Pisa. In der toskanischen Stadt kam es während Mattarellas Ansprache zu einem Protest gegen die 3G-Pflicht.

Ohne Grünen Pass drohen 1500 Euro Strafe
Seit Freitag darf in Italien nur zur Arbeit erscheinen, wer eine Corona-Impfung, -Genesung oder einen negativen Corona-Test nachweisen kann. Wer ohne den Grünen Pass zur Arbeit kommt, riskiert bis zu 1500 Euro Bußgeld. Wer der Arbeit fernbleibt, weil er das Dokument nicht vorweisen kann, muss mit unbezahlter Freistellung rechnen. Italien ist das erste europäische Land, das die 3G-Regel für Arbeitnehmer eingeführt hat.

Wer sich nicht impfen lassen will, muss auf eigene Kosten einen Corona-Test machen und diesen je nach Art alle 48 bis 72 Stunden wiederholen. Die Tests kosten in Italien 15 Euro. In den vergangenen Wochen hatte es zum Teil gewalttätige Proteste gegen die neue Regelung gegeben.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben inzwischen mehr als 85 Prozent der Italiener über zwölf Jahren mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Schätzungen zufolge sind bis zu drei Millionen Arbeiter noch ungeimpft. Am Sonntag bildeten sich in mehreren Städten lange Schlangen vor den Teststationen.

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