11.10.2021 18:00 |

Gifte oder Kleinteile

Jedes zweite Spielzeug aus dem Netz nicht sicher!

Mitbedingt durch die Corona-Lockdowns bestellen die Österreicher auch Spielzeug vermehrt online, etwa auf Amazon oder eBay. Aber Achtung! Wie eine aktuelle Untersuchung aus England besagt, sind 88 Prozent der von Drittanbietern verkauften Spielsachen illegal. 48 Prozent davon, also fast die Hälfte der Produkte, werden als potenziell gesundheitsschädigend eingestuft oder bergen erhebliche Sicherheitsrisiken.

Verschluckbare Teile, mögliche Elektroschocks, Gifte, Strangulierungsgefahr oder leichte Entzündbarkeit - Eltern verursachen diese Studien-Ergebnisse eine Gänsehaut. Die österreichischen Spielzeughändler überraschen die Erkenntnisse nicht, sie sind mit der Thematik schon lange befasst: „Konsumenten von Drittanbietern im Internet haben keinerlei Qualitätsschutz“, bestätigt der bekannte Wiener Spielzeughändler Michael Heinz. „Im Gegensatz zum lokalen Handel, wo uns Sicherheit ein ganz wichtiges Anliegen ist. Zudem werden wir Spielwarenhändler streng kontrolliert.“

In Wien unterliegen sie der MA 59, der Lebensmittelbehörde. „Das Marktamt holt Spielzeugproben aus unseren Geschäften ab und prüft sie“, sagt Heinz. Hier gilt es, eine Menge an Vorgaben einzuhalten, etwa das generelle Verbot von Weichmachern in den vielen Produkten.

Fehlende Kontrolle bei Drittstaat-Importen
Bei Drittanbietern im Netz hingegen gibt es diese Kontrollen nicht. Was verheerende Folgen haben kann, wie der Fall der kleinen Rebecca zeigt. Die zweijährige Britin verschluckte 14 magnetische Kugeln, die sie für bunte Süßigkeiten hielt - und kämpft nun mit dem Tod. Jetzt initiierte ihre Mutter, die die glitzernden Kügelchen damals unbesorgt im Netz bestellt hatte, die Untersuchung, um weitere Familien vor ähnlichen Unfällen zu bewahren.

In Österreich werden laut Wirtschaftskammer aktuell 18 bis 20 Prozent der Spielsachen online gekauft. „Jene, die aus Drittstaaten direkt importiert werden, sind besonders von den Qualitätsmängeln betroffen“, bestätigt Johannes Schüssler vom Fachausschuss Spielwarenhandel in der WKO.

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Im lokalen Handel ist uns Sicherheit ein wichtiges Anliegen. Zudem werden wir Spielwarenhändler von der Lebensmittelbehörde streng kontrolliert.

Michael Heinz, Spielwaren Heinz

Qualitätssiegel nur für geprüfte Produkte
Doch woran kann der Konsument sicheres Spielzeug erkennen? Ein Blick auf Qualitätssiegel hilft. Die Europäische Spielzeugrichtlinie dient dazu, Kinder EU-weit vor Gefahren zu schützen. Das CE-Zeichen darf am Spielzeug durch den Hersteller nur dann angebracht werden, wenn alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind. Auch freiwillige Prüfsiegel, wie etwa „GS“ oder „spiel gut“ geben Aufschluss über die Qualität eines Spielzeugs. Heinz: „Im Geschäft geben die Verkäufer zudem fachliche Auskunft darüber, welches Spielzeug für welches Alter geeignet ist.“

Weihnachtsbescherung in Gefahr
Ein weiteres Thema macht der Spielzeugindustrie zu schaffen. Denn heuer könnte es viele enttäuschte Gesichter unter dem Weihnachtsbaum geben. Denn Corona ließ die Preise für Rohstoffe explodieren. Davon betroffen ist auch unser Spielzeug. Zudem sind die Containerschiffe in Asien knapp. Und 80 Prozent unserer Spielwaren kommen eben aus Fernost. Bei Produkten der Big Player wie Lego oder Playmobil gibt es seit Wochen Lieferverzögerungen.

Nicht nur die Preise für Plastik sind gestiegen, auch Holz und Papier wurden teurer. Tipp der Händler: Falls bereits bekannt ist, was sich Mädchen und Buben zu Weihnachten wünschen, am besten jetzt schon zugreifen.

Anja Richter
Anja Richter
Martina Münzer-Greier
Martina Münzer-Greier
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