02.10.2021 06:00 |

Assistenzsysteme

Fahren oder fahren lassen: Parkassistenten im Test

Immer mehr Autos haben - teils serienmäßig, teils optional - Systeme an Bord, mit denen sie selbsttätig einparken können. Der ÖAMTC hat solche Systeme in sieben Fahrzeugen, von der Kompaktklasse bis zum Sportwagen, getestet. Fazit: Ein geübter Autofahrer kann es schneller.

Die gute Nachricht: Alle untersuchten Systeme konnten die Fahrzeuge entsprechend der verfügbaren Funktionen im Großen und Ganzen zuverlässig einparken.

Im Detail zu unaufmerksam
Verbesserungspotenzial sieht ÖAMTC-Techniker Daniel Deimel vor allem an zwei Stellen: „Einerseits werden manche Hindernisse, beispielsweise hohe Randsteine oder Metallstangen, nicht zuverlässig erkannt - teure Reparaturen können die Folge sein. Andererseits gibt es bei der Erkennung von Parklücken noch Luft nach oben, immer wieder waren den Assistenten Parkplätze zu klein, die eigentlich genug Raum geboten hätten.“

Die Verantwortung liegt ohnehin weiterhin beim Fahrer selbst, der stets bereit sein muss, einzugreifen. Der ÖAMTC sieht Parkassistenten trotz ihrer Unzuverlässigkeiten als Sicherheitsplus, weil man sich stärker auf das Umfeld konzentrieren könne.

Gute Assistenten müssen nicht teuer sein
Getestet wurden die Parkassistenten des noch nicht in Österreich erhältlichen Aiways U5, des Kia Sorento und der Mercedes S-Klasse (jeweils serienmäßig an Bord) sowie von BMW 5er, Ford Focus, Porsche 911 und VW Touareg (jeweils mit Aufpreis verbunden). „Ob sich die Investition lohnt, hängt vor allem von der persönlichen Erwartungshaltung ab“, sagt Deimel. Vom Budget hingegen weniger, denn die Parkassistenten für Aiways U5 und Ford Focus (Aufpreis ca. 700 Euro) haben zwar weniger Funktionen als andere Systeme, parken aber dennoch zielsicher ein und punkten mit einfacher Bedienung.

Bei beiden muss man allerdings im Auto sitzen bleiben. Nicht so bei anderen Systemen, darunter dem serienmäßigen Parkassistenten des Kia Sorento. „Hier gibt es eigene Knöpfe am Schlüssel, die das Auto vorwärts oder rückwärts in bzw. aus einer engen Parklücke steuern“, erklärt der Techniker. Praktisch alle Parkmanöver beherrschen hingegen VW Touareg und Porsche 911, bei denen man entweder im Fahrzeug sitzt oder es von außen mit dem Smartphone steuert. Gerade Letzteres ist aber eher als Spielerei zu betrachten, zu umständlich und unzuverlässig ist die App derzeit. Der Aufpreis ist mit jeweils über 5000 Euro (beim Touareg übrigens nur beim Plug-in Hybrid gemeinsam mit anderen Extras wählbar) kein Schnäppchen.

BMW und Mercedes echt autonom
Am ehesten der Vorstellung vom vollkommen autonomen Einparken entsprechen letztlich nur die Assistenten des 5er-BMW und der S-Klasse von Mercedes. Der Experte erklärt: „Hier muss lediglich eine gefundene Parklücke bestätigt werden und das Fahrzeug parkt sich ein, ohne dass weitere Aktionen des Fahrers notwendig wären.“ So viel Komfort hat freilich auch einen Preis: Über 3000 Euro muss man beim 5er-BMW extra dafür hinblättern, bei der grundsätzlich hochpreisigen S-Klasse gehört der Assistent hingegen zur Serienausstattung.

Tipps für die Nutzung
Die Systeme sind nicht immer selbsterklärend, Handbücher teils kompliziert. Daher sollte man sich unbedingt vom Händler erklären lassen, wie der Assistent funktioniert, empfiehlt der ÖAMTC.

Für die ersten Versuche empfiehlt sich eine verkehrsberuhigte Gegend. Teilweise erkannten die Assistenten freie Parklücken bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h. Das ist allerdings zu schnell für eine entsprechende Reaktion - der ÖAMTC rät daher, bei der Parkplatzsuche nicht schneller als 20 km/h zu fahren.

Der Einparkvorgang muss immer überwacht und im Zweifelsfall sofort abgebrochen werden - die Verantwortung liegt beim Fahrer, nicht beim Hersteller.

Sensoren unbedingt sauber halten, ansonsten wird die Funktionalität deutlich eingeschränkt.

Auf andere Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen: Wenn die Autos geschickt einparken, kann es passieren, dass der Vorder- oder Hintermann „zugeparkt“ ist.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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