01.09.2021 09:18 |

E-Control kritisiert

Smart-Meter-Ausrollung verläuft zu langsam

Die Ausrollung der Smart Meter, der „intelligenten Stromzähler“, erfolgt in Österreich zu langsam, kritisiert der Energie-Regulator E-Control. Ende vergangenen Jahres waren erst 29,9 Prozent der neuen Zähler bei den Kunden installiert. Die überwiegende Mehrzahl der Netzbetreiber werde das derzeit geltende Ziel von 95 Prozent bis Ende 2022 nicht erreichen, sagte E-Control-Vorstand Alfons Haber. Kunden können sich mit dem Wunsch nach Einbau eines Geräts aber auch aktiv an ihren Netzbetreiber wenden. Voriges Jahr gab es dazu immerhin mehr als 2000 Ersuchen.

Laut vorliegenden Plänen wären Ende 2022 erst 68,8 Prozent der Smart Meter bei den Kunden, 2024 dann 95 Prozent. In Anpassung an die stotternde Ausstattung mit den neuen Geräten ändert das für Energie zuständige Klimaschutzministerium - krone.at berichtete - daher die „Intelligente Messgeräte-Einführungsverordnung“, die Begutachtung lief bis Mitte August. Demnach müssen bis Ende 2022 mindestens 40 Prozent der 6,3 Millionen Zählpunkte in Österreich mit Smart Metern ausgestattet sein, bis Ende 2024 dann 95 Prozent. Laut bisheriger Verordnung sollten es Ende 2020 schon 80 Prozent und Ende 2022 95 Prozent sein.

Laut Haber gibt es auch Netzbetreiber, die die Smart-Meter-Einführung „vorbildlich“ durchführen. Insgesamt haben 21 der 119 dazu verpflichteten Netzbetreiber Ende 2020 die fixierten Ziele von 80 Prozent erreicht. Die größten schon erfolgten Roll-outs gibt es bei der Netz Oberösterreich mit 98,7 Prozent und der Wels Strom mit 98,9 Prozent, bei der Netz Burgenland mit 93,1 Prozent, bei den Stadtwerken Feldkirch mit 99,7 Prozent und in Tirol bei der HALLAG Kommunal mit 85,2 Prozent.

Netzbetreiber verweisen auf technische Probleme und Lieferengpässe
Mehr als 100 Verteilernetzbetreiber haben mittlerweile einen größeren flächendeckenden Einbau von Smart Metern gestartet, bei neun davon sei der Roll-out bereits abgeschlossen. Leider seien noch immer einige größere Betreiber mit der Ausrollung erheblich in Verzug. Zumindest die Vergabe des Roll-outs sei bei den meisten inzwischen abgeschlossen. Vor allem auf technische Probleme und Lieferengpässe bei den Zählerherstellern verwiesen die Netzbetreiber, nannten aber auch Verzögerungen bei den Installationsarbeiten wegen Corona.

„Voriges Jahr haben mehrere Lockdowns teils den Zutritt in Häuser verhindert, die Menschen wollten vielfach auch keine fremden Personen ins Haus lassen und die Energieversorger ihre Mitarbeiter nicht in Gefahr bringen“, so Haber. Es gab auch Fälle, wo Vergaben neu ausgeschrieben werden mussten.

Dynamische Stromtarife
Die Smart Meter sind jedoch unerlässlich für eine aktive Beteiligung der Kunden bei Energiegemeinschaften: „Für die Einflussrechnung benötige ich ein solches Gerät, einhergehend mit der eigenen PV-Anlage.“ Auch für dynamische Stromtarife seien sie nötig. Erst die neuen Geräte könnten jene Daten und Informationen liefern, die die neuen Bürger- und Energiegemeinschaften brauchen - und nur über diese könnten Netzbenutzer und Kunden aktiv am Markt teilnehmen.

Auch für die Energiewende Richtung noch mehr erneuerbarer Stromerzeugung bis hin zur wachsenden Zahl von E-Ladestationen, Wärmepumpen usw. sei eine flächendeckende Messung und Speicherung von viertelstündlichen Leistungsmittelwerten mit den Smart Metern und die tägliche Übermittlung dieser Daten nötig, betont Haber.

Mit der breiteren Ausrollung der Smart Meter werde es auch mehr großflächige Stromprodukte mit dynamischen Tarifen geben, ist Haber überzeugt. Derzeit gebe es um die 160, 170 flächendeckende Stromanbieter, die Zahl werde zunehmen.

Markt wird einheitlicher
Eine große Hilfe werde dabei der „dynamische Tarifkalkulator“ der E-Control sein, der sich derzeit im Test befindet und eine Weiterentwicklung des bestehenden Tarifkalkulators sei. Derzeit würden nur Börsenpreise offeriert, die meist monatliche Durchschnittswerte seien. „Im ersten Quartal, wenn 50 Prozent mit Smart Meter ausgestattet sind, wird es einen Start mit dem dynamischen Marktvergleich geben können“, so Haber. Auch für Lieferanten gebe es dann wichtige Informationen: „Es ist sicher davon auszugehen, dass der Markt dadurch einheitlicher wird.“

Der Kundenwunsch nach den neuen Stromzählern werde jedenfalls größer. Habe ein Netzbetreiber noch keine Installationspläne, könnten sich Kundinnen und Kunden aktiv an ihn wenden. Voriges Jahr habe es mehr als 2000 solche Ersuchen gegeben, die meisten davon in Wien (1390), gefolgt von Kärnten (310), Vorarlberg (100) und Linz (95). In Wien mussten Kunden jedoch im Schnitt dann 160 Tage bis zur Installation warten, im Gebiet der Energienetze Steiermark 140 Tage und bei der Kärnten Netz 130 Tage. Dagegen erfüllten die Vorarlberger Energienetze den Kundenwunsch bereits nach zehn Tagen, bei der Linz Netz nach 20 Tagen.

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