Schließung für immer

Die letzten Schwimmzüge in der Wörgler Wasserwelt

Tirol
01.09.2021 12:30

Um 20 Uhr legte Andreas Ramsauer am Dienstag in der Wörgler Wasserwelt den Hauptschalter um und die Technik stoppte für immer. Tränen bei Mitarbeitern flossen schon Stunden vorher.

Für den Chef beginnt der letzte Tag sehr früh: „Ich habe schlecht geschlafen und war um 4.30 Uhr wach, bald darauf bin ich ins Büro gefahren.“ Als einige Mitarbeiter schon am Morgen feuchte Augen haben, ist es deutlicher denn je: Hier und heute endet die 18-jährige Geschichte des Waves. Dass die Bürgermeisterin beim morgendlichen Abschiedsbesuch nur auf eine spärliche Delegation der Belegschaft stößt, verwundert nicht. Die meisten haben ihr die Schließung nicht verziehen. Immerhin zeugt ihr gewiss nicht leichter Gang von Anstand und Stil.

Treue Gäste Maria & Edith, Mitarbeiterin Adriana (von links). (Bild: LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at)
Treue Gäste Maria & Edith, Mitarbeiterin Adriana (von links).

Wehmütige Stimmen
Stammgäste erweisen trotz „Sauwetter“ die letzte Ehre: Etwa Leni (80), die fast täglich zum Wave radelt. „Immer von 13 bis 15 Uhr war ich in der Sauna“, erzählt sie von ihrem Ritual. „Ich bin traurig“, schreibt sie als Abschiedsgruß auf einen Corona-Registrierungszettel.

Im Becken nebenan haben Triathletin Julia und die langjährige Bademeisterin bzw. Trainerin Tanja ihre letzte Schwimmeinheit hinter sich, nachdenklich geht Tanja Richtung Ausgang. „Das Wave hat geholfen, dass ich mich in Tirol wie Zuhause fühle, die Sprache lernte und unzählige Kontakte aufbaute“, blickt die gebürtige Weißrussin zurück. Wie bei anderen endet ein Lebensabschnitt, die meisten fanden zum Glück schon einen neuen Job.

Das zu verkaufende Inventar füllt die gesamte Halle. (Bild: LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at)
Das zu verkaufende Inventar füllt die gesamte Halle.

„Gegen die Schließung getan, was wir konnten“
Die Stammgäste Edith und Maria spülen die Bitternis mit einem Weiß-Sauer hinunter „Wir haben alles getan, was wir konnten, um die Schließung zu verhindern“, erinnern sich die Damen an die Mobilisierung im Vorfeld der Volksbefragung.

Die „Unterwelt“ der Wasserwelt ist schon länger verwaist. (Bild: LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at)
Die „Unterwelt“ der Wasserwelt ist schon länger verwaist.

Tausende wollen ein Stück Inventar haben
Ramsauer bleibt als „Masseverwalter“ noch einige Zeit im Büro. Hunderte, ja Tausende Inventarstücke – vom Rattanstuhl über Pumpen bis hin zur Rutsche – werden auf der Plattform aurena.at angeboten. „17.000 Leute beobachten die Aktion. Ich bin sicher, dass alles weggeht“, sagt der Chef. Via Homepage wird nun noch die Rückzahlung der Wertkarten (28.000 Stück sind im Umlauf!) abgewickelt. Inventarverkäufe und diese Rückzahlungen fließen in die Endabrechnung ein.

„Einfach traurig“, meinte Stammgast Maria stellvertretend für viele andere Gäste. (Bild: LIEBL Daniel | zeitungsfoto.at)
„Einfach traurig“, meinte Stammgast Maria stellvertretend für viele andere Gäste.

BM Hedi Wechner sagte am Dienstag, dass es zur Zukunft des 30.000-m²-Areals noch keine Entscheidung gebe. Indessen stießen die Mitarbeiter am Abend, als der Technik-Hauptschalter schon auf Stopp stand, ein letztes Mal miteinander an...

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