22.07.2021 10:31 |

Lokale wollen klagen

Nachtgastro kündigt Widerstand gegen 2-G-Regel an

Erst Lockerungen, jetzt werden die Regeln für die Nachtgastronomie wieder verschärft - die Branche sieht sich deshalb ihrer wirtschaftlichen Basis entzogen und will klagen. Besonders, dass der Zutritt zu Zeltfesten einfacher gestaltet wird als in Diskos, stößt den Lokalen dabei sauer auf. Vielen Betrieben drohe nun wieder die Schließung, so die Sorge.

In den Wochen nach der Corona-Lockerungen haben sich vermehrt Cluster rund um die wiedereröffnete Nachtgastronomie gebildet. Mit den ebenfalls massiv ansteigenden Infektionszahlen im Land kündigte die Bundesregierung nun wieder eine Verschärfung der Maßnahmen an: Wer ab dem heutigen Donnerstagabend in eine Disco oder einen Klub will, muss entweder geimpft sein oder einen aktuellen PCR-Test dabeihaben.

Viele Nachtlokale könnten wieder zusperren
Diese neu eingeführte 2-G-Regel stößt bei den betroffenen Betrieben jedoch auf wenig Gegenliebe. „Mehr als die Hälfte sagt, die Ausrollung der PCR-Tests wird zu lange dauern“, äußert WKÖ-Gastro-Obmann Mario Pulker die Sorge der Betriebe gegenüber dem Ö1-„Morgenjournal“. Damit sei der Branche „über Nacht die wirtschaftliche Basis entzogen“ worden, kritisierte Nachtgastronomiesprecher Stefan Ratzenberger die Verschärfung der Corona-Regeln.

Zwist um einfachere Regeln für Zeltfeste
Auch, dass die Regeln für Diskos nun strenger würden als auf Zeltfesten, stößt auf Unverständnis. Zeltfeste müssen allerdings bezirksbehördlich genehmigt werden, wobei auf die Corona-Situation Rücksicht genommen werden sollte. „Wir werden ob der 2-G-Regel in der Nachtgastronomie und der 3-G-Regel für Zeltfeste den Klagsweg beschreiten“, so Ratzenberger. Die Infektionsgefahr sei auf Zeltfesten sicher nicht geringer als in Diskotheken und Co.

Dass die Öffnung der Nachtgastronomie nicht sinnvoll gewesen sein soll, will Pulker zudem so nicht stehen lassen, da sich die Menschen als Alternative dann „ohne einer Aufsicht“ im privaten Bereich oder auf unkontrollierten Zusammenkünften treffen würden. Hier seien auch im Vorfeld schon die meisten Infektionen geschehen.

Jugendliche haben „Tests gefälscht“
Auch die Kritik an zu laschen Kontrollen der Betriebe versucht der Gastro-Obmann abzumildern: Dass die eine oder andere Person dabei übersehen wurde, liege daran, dass es derzeit ein Mitarbeiterproblem gebe und sich viele Gäste nicht an die Gesetze halten. „Eine Menge von Jugendlichen hat die Tests gefälscht, um sich Zutritt in die Klubs zu verschaffen. Es hängt halt nicht nur an der Nachtgastronomie, sondern auch an den Menschen, die sich nicht an die Vorgaben halten“, mutmaßt Pulker, dass das Thema Selbstverantwortung in vielen Bereichen nicht funktioniere.

Breite Debatte über Impfpflicht notwendig?
Pulker betonte in dem Zusammenhang einmal mehr, das es erlaubt sein müsse, eine Impfpflicht zu diskutieren. „Wenn wir nicht schauen, dass wir die Leute zum Impfen bringen, bedeutet das ein Problem für ganz Europa“, so Pulker. Eine nur für die Gastronomie geltende Pflicht wäre jedoch „eine Fehlentwicklung“.

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) selbst wollte tags zuvor in einer Stellungnahme nicht so weit gehen wie der Gastro-Obmann. Sie betonte, dass es „ganz wichtig ist, die Impfquote zu erhöhen“, um weitere Schließungen abzuwenden. Es gehe etwa darum, das betriebliche Impfen auszuweiten.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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