22.07.2021 08:14 |

Spiel zu den Spielen

Olympische Spiele Tokio 2020: Dabeisein ist alles

Nach einer Verzögerung von einem Jahr finden Sie nun also doch statt: Die Olympischen Spiele 2020. Die Zuschauer werden allerdings fehlen, wenn die Wettkämpfe unter den olympischen Ringen beginnen. Eine Chance, sich die fehlende Atmosphäre trotzdem ins Wohnzimmer zu holen, könnte das offizielle Spiel von Sega bieten.

Stolze 18 Sportarten stehen zur Auswahl. Vom klassischen 100 Meter Lauf bis hin zum Sportklettern steht eine große Bandbreite an unterschiedlichen Bewerben bereit. Das verspricht zumindest einige Abwechslung.

Sportarten

100 Meter-Lauf
4 x 100 Meter Staffellauf
110 Meter Hürden
100 Meter Freistil (Schwimmen)
200 Meter Einzel-Medley (Schwimmen)
Baseball
Basketball
Beach-Volleyball
BMX
Boxen
Fußball
Hammerwerfen
Judo
Siebener-Rugby
Sport-Klettern
Tennis
Tischtennis
Weitspringen

Weniger erfreulich ist der fehlende Karrieremodus, aber solange der Wettkampf mit Freunden Spaß macht, kann dies zumindest teilweise verschmerzt werden. Spätestens bei der Erstellung des digitalen Alter Egos dürfte auch dem Letzten auffallen, dass Sega nicht auf eine bierernste, möglichst akkurate Simulation setzt. Einen Ninja oder gar Astronauten sieht man sonst schließlich eher nicht den Hammer schwingen oder über die Tartanbahn flitzen.

Wenn wir schon bei den Laufbewerben sind, ein Wort zur Steuerung: Der 100 Meter Sprint erinnert an die Urzeiten der Sportspiele. Möglichst schnelles Button-Drücken bis die Finger qualmen ist der Schlüssel zum ersten Erfolg. Das PS5-Gamepad ist hoffentlich robust genug, um die Tortur dauerhaft auszuhalten. In den Achtzigern des letzten Jahrhunderts, zu Zeiten eines Decathlon, ist der damit verbundene Joystick-Friedhof bereits Legende.

Rückblick

Decathlon
Erscheinungsjahr: 1983
Die Disziplinen des Zehnkampfs waren enthalten. Aufgrund der Spielmechanik, die bei einigen Disziplinen auf möglichst schnelles Rütteln des Eingabegerätes ausgelegt war, wurde es auch gerne als Joystick-Killer bezeichnet.

Summer Games
Erscheinungsjahr: 1984
Enthielt viele olympische Sportarten. Die Steuerung erforderte nicht nur robuste Joysticks (schnelles Button-Drücken), sondern auch gutes Timing.

Doch mit steigendem Schwierigkeitsgrad bleibt es - gottlob - nicht beim Malträtieren des Gamepads. Timing ist gefragt, wenn es darum geht, schneller aus dem Startblock zu kommen oder im Finish des Laufs noch die letzten Reserven aus sich herauszuholen. Mit anderen Worten: Die Sportarten bieten doch mehr Tiefgang als zuerst gedacht.

Gerade wenn es ins Finale geht, prüft der dann mitunter knackige Schwierigkeitsgrad die eigene Frusttoleranz. Wie heißt das Motto der olympischen Spiele? Genau! Dabeisein ist alles. Also, einmal gut durchatmen, es wieder probieren oder der nächsten Sportart eine Chance geben.

Dabei sollte recht großzügig vorgegangen werden, wenn man etwa beim Fußball landet. Ein flottes, spaßiges Arcade-Spiel wäre der Wunsch. Die hölzern, als hätten sie einen Stock verschluckt, auflaufenden Spieler lassen jedoch das Gegenteil befürchten. Leider bewahrheitet sich der erste Eindruck. Das Gameplay lässt weder Spielfluss noch -freude aufkommen.

Boxen reiht sich in die Fußball-Kategorie, während sich Beach-Volleyball solide spielt und Tennis sogar positiv heraussticht. Die Lauf- und Schwimmdisziplinen gehören im Gegensatz zum Sportklettern zu den besser gelungenen Umsetzungen. Eine schwankende Qualität der Sportarten wäre bei derartigen Spielen nichts Neues, aber sie sollte nicht derart gravierend sein.

Da die olympischen Spiele schon im letzten Jahr stattfinden hätten sollen und die PS5 noch nicht am Markt war, ist die Erwartung in puncto grafischer Brillanz nicht besonders hoch. Die Comic-hafte Anmutung gefällt durchaus, wäre da nicht diese eklatante Detailarmut. In Bewerben wie dem BMX-Rennen tritt sie besonders stark zutage. Die Animationen verhelfen - siehe Fußball - auch nicht zu einem besseren Gesamteindruck.

Fazit: Machen die „Olympischen Spiele Tokio 2020“ trotz des mehr als durchwachsen Gesamteindrucks trotzdem Spaß? Nun ja, als tapferer Einzelkämpfer ist die Motivation rasch erloschen. Nach wie vor bringt diese Art von Spiel die beste Unterhaltung, wenn man sich mit anderen vor dem Bildschirm versammelt. Für sich genommen wirkt es wie eine Pflichtübung mit ein paar interessanten Ansätzen. Bei der Medaillenvergabe spielen die „Olympischen Spiele Tokio 2020“ jedoch keine Rolle. Dafür wird einfach zu viel Durchschnitt geboten.

Plattform: PS5 (getestet), PS4, Xbox One, Switch, PC
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 5/10

Harald Kaplan
Harald Kaplan
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