18.07.2021 07:50 |

Martin Staudinger

Strikter Sparkurs statt bombastischer Pläne

Nicht gerade ruhig sind die Fahrwasser der SPÖ auf Bundes- und Landesebene. Landesparteichef Martin Staudinger hat also viel um die Ohren - das gilt auch für seine Aufgabe als Bürgermeister von Hard.

Krone: Herr Staudinger, Sie haben die Bürgermeisterwahl relativ überraschend gewonnen. Was war ausschlaggebend? Ihre Themen oder der Wunsch der Harder nach Veränderung?
Martin Staudinger: Schon im Rahmen des Landtagswahlkampfes 2019 bin ich öfter gefragt worden, ob ich nicht als Bürgermeister kandidieren will. Mir war klar: Die Harder wollen einen anderen Bürgermeister. Nicht zuletzt auch deshalb, weil immer wieder Dinge wie ein Masterplan für den Hafen zur Diskussion standen. Zudem gab es Streit bezüglich Amtsleitern oder den Grundstücksdeal.

Viele hatten ein Duell zwischen Eva-Maria Mair (ÖVP) und Eva Hammerer (Grüne) erwartet. Sie nicht?
Ich hatte mir schon die Frage gestellt, ob ich es in die Stichwahl schaffe. Eva Hammerer ist von über 20 Prozent aus gestartet. Aber im Streit mit dem damaligen Bürgermeister Köhlmeier hat sie immer wieder polarisiert. Die Harder wollten zwar eine Veränderung, eine andere Politik. Aber nicht auf eine radikale oder aggressive Art, sondern auf eine ruhige, unaufgeregte.

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Die Harder wollten zwar eine Veränderung, eine andere Politik. Aber nicht auf eine radikale oder aggressive Art, sondern auf eine ruhige, unaufgeregte.

Martin Staudinger

In der Tat ist aus Hard nicht viel zu hören. Wäre da nicht die Rede von einer angeblichen Kündigungswelle
Die Sache mit der Kündigungswelle ist doch klassisches Oppositionsgepolter. Es wurde niemand gekündigt, die Mitarbeiter haben sich aus verschiedenen Gründen für andere Stellen beworben. Dass es Fluktuation gibt, ist doch normal.

Was haben Sie im ersten halben Jahr in der Gemeinde auf Schiene gebracht?
Die erste große Herausforderung war, ein Budget zu erstellen und einen Sanierungsplan einzuleiten. Hard hat nicht nur hohe Schulden, sondern war nicht einmal mehr in der Lage, die laufenden Kosten zu decken. Wenn ich ein Strandbad saniere, muss ich natürlich ein Darlehen aufnehmen. Aber dass wir im laufenden Betrieb mehr ausgeben als einnehmen - davon müssen wir wegkommen.

Wo soll Hard in fünf Jahren stehen?
Immer noch am Bodensee. Ganz im Ernst - es gibt viele Themen, die sich rundum den See abspielen. Dinge, die in Etappen und ganz behutsam weiterentwickelt werden müssen. Der Ansatz mit dem Masterplan Hafen war gut, denn es ist richtig, sich mit Zukunftsthemen zu beschäftigen. In der Ausführung aber war der Plan viel zu bombastisch.

Gibt es irgendwann ein neues Strandbad?
Das Thema wird seit über 20 Jahren diskutiert und hat immer größere Dimensionen angenommen. Es muss kein Palast oder Denkmal werden, sondern ein Strandbad. Das Ganze muss saniert werden. Deshalb gibt es jetzt einen einstimmigen Beschluss des Gemeindevorstands, eine technische Untersuchung vorzunehmen. Gleichzeitig wird überlegt, ob ein energieautonomes, klimaneutrales Bad am Bodensee entstehen kann.

Wie soll das aussehen?
Das Bad könnte komplett mit Photovoltaikstrom betrieben, mit Solarpanels beheizt werden. Eine Frage ist: Kann statt Chlorwasser auch Seewasser genutzt werden? Dazu wird es eine Untersuchung und eine Kostenschätzung geben. Und dann kann auch der Yachtclub, der seit 20 Jahren auf ein neues Klubheim wartet, weiterplanen. Der hätte nämlich gerne die alte Fähre, die zwischen Meersburg und Konstanz unterwegs war, am Strandbad verankert und genutzt.

Also in nächster Nachbarschaft zur Hohentwiel. Wird deren Heimathafen trotz Änderung der Besitzverhältnisse Hard bleiben?
Ja, denn die Änderung der Mehrheitsverhältnisse hat keine Auswirkungen. Über einen neuen Standort kann nur einstimmig entschieden werden - und dafür reicht die Minderheitsbeteiligung. Als Köhlmeier noch Bürgermeister war, war es aus konzessionsrechtlichen Gründen notwendig, Mehrheitseigentümer zu sein.

Warum hat Hard die Anteile abgeben?
Bereits 2016 gab es Kritik seitens des Rechnungshofes. Verschiedene Probleme und nicht zuletzt auch die Pandemie haben zu massiven finanziellen Schwierigkeiten geführt. Unterm Strich ist es so, dass es mit der Hohentwiel und der Österreich zwei Schiffe gibt, die am besten gemeinsam vermarktet werden. Mit allen Beteiligten und der Schweizer Bodenseeschifffahrt wurde deshalb eine gemeinsame GmbH gegründet.

Apropos gemeinsame Lösung: Der Fußacher Bürgermeister hätte ja gerne den Harder FKK-Bereich. Wie ist der Stand der Dinge?
Peter Böhler hat den Wunsch geäußert, den FKK-Bereich zu verkleinern, um Badenden mit Textil mehr Platz zu geben. Recht viel weiter sind wir noch nicht gekommen. Bei den jüngsten Besprechungen ging es um das Hochwasser-Projekt Rhesi und eine Fahrradbrücke bei den Schleienlöchern.

Fakten

Martin Staudinger, geboren am 22. Juni 1979 in Hard, studierte Politikwissenschaft und Volkswirtschaft in Wien. Vor seiner Rückkehr nach Vorarlberg war er Mitarbeiter im Kabinett von Rudolf Hundstorfer, danach Leiter der Landesstelle des Sozialministeriumservice. Im Herbst 2018 folgte er Gabi Sprickler-Falschlunger als SPÖ-Landeschef nach. Im Herbst 2019 wurde Staudinger in den Landtag gewählt und übernahm das Amt des Klubobmanns. Dieses gab er Ende 2020 wieder ab, nachdem er zum Bürgermeister von Hard gewählt worden war.

Sie haben viel zu tun in Hard. Warum haben Sie ihr Landtagsmandat behalten?
Unter anderem weil mich alle Klubmitglieder darum gebeten haben. Zudem profitiert auch Hard, da ich als Mandatar einen guten Zugang zu Landesräten oder Mitarbeitern im Land habe. Es ist nicht verkehrt, wenn sich die Bürgermeister in die Diskussionen einbringen. Ich denke da etwa an die Gesetzesnovelle zur Kinderbetreuung. Es kann nicht sein, dass die Gemeinden für die Mehrkosten aufkommen.

Ihre Partei ist im Landtag sehr zurückhaltend. Ist die SPÖ noch Oppositionspartei?
Mir ist nicht bekannt, dass wir in der Regierung sitzen. Das vergangene Jahr war von Corona geprägt und es war nicht die Zeit, andere Themen zu diskutieren. Aber gerade bei der vergangenen Sitzung hat Klubobmann Hopfner eine sehr gute Rede gehalten. Es ging darum, wer die Zeche nach der Krise zahlen soll. Da spricht sich die SPÖ ganz klar für eine Millionärsabgabe aus.

Sonja Schlingensiepen
Sonja Schlingensiepen
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