Jemen, Bahrain, Iran
Proteste in der arabischen Welt breiten sich aus
In zwei Ortschaften des Ölförderlandes Bahrain gab es in der Nacht auf Montag und am Morgen Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei. Dabei wurden mindestens 14 Menschen verletzt. Über der Hauptstadt des Inselstaates, Manama, kreisten Hubschrauber, denn dort wurde für den Nachmittag eine zentrale Kundgebung erwartet. Im ganzen Land verstärkte die Polizei seit Sonntag ihre Präsenz auf den Straßen.
In der Ortschaft Nuweidrat löste die Polizei Montagvormittag nach Augenzeugenberichten mit Tränengas und Gummigeschoßen eine Gruppe von Demonstranten auf, die die Freilassung schiitischer Häftlinge forderte. Zuvor waren Sicherheitskräfte im ebenfalls schiitisch dominierten Karsakan gegen Demonstranten vorgegangen. Der Saudi-Arabien vorgelagerte Inselstaat wird von einer sunnitischen Oberschicht regiert, die Mehrheit der Bevölkerung ist aber schiitisch.
Politische Beobachter befürchten ein Übergreifen der Proteste auf Saudi-Arabien, sollten sich die Demonstrationen in Bahrain ausweiten. Bahrains König Hamad bin Isa al-Khalifa hat jeder Familie eine Zahlung von umgerechnet etwa 1.970 Euro zugesagt, um die Lage zu entschärfen und die Bürger zu besänftigen. Außerdem hat die Regierung angedeutet, minderjährige Häftlinge freizulassen, die vergangenes Jahr bei Razzien festgenommen worden waren. Das kleine Emirat ist insbesondere für die USA als Sitz der fünften Flotte der US-Marine von Bedeutung.
Rivalisierende Demonstranten-Gruppen im Jemen
Im Jemen sind erneut Hunderte Menschen aus Protest gegen Präsident Ali Abdullah Saleh auf die Straße gegangen (Bild). Dabei kam es am Montag in der Industriestadt Tais zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern Salehs. Beide Gruppen bewarfen sich mit Steinen. Die Polizei feuerte Warnschüsse in die Luft, konnte die beiden Gruppen aber nicht auseinanderbringen.
In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa kündigten Demonstranten, ermutigt von den Ereignissen in Ägypten, einen Marsch zur Geheimdienstzentrale an. "Hey Ali, hau ab", riefen die Demonstranten an der Universität von Sanaa, die in den vergangenen Tagen wiederholt Ausgangspunkt von Protesten war. Die Polizei bezog Stellung zwischen den rund 500 Regierungsgegnern und etwa 100 Regierungsanhängern, um weitere Zusammenstöße zu vermeiden.
Erst am Sonntag hatten im Jemen etwa tausend Menschen in Sprechchören einen Umbruch "nach dem Vorbild der ägyptischen Revolution" und den Rücktritt von Präsident Saleh gefordert, der seit mehr als drei Jahrzehnten an der Macht ist. Saleh hat angekündigt, 2013 zurückzutreten. Die Regierung im Jemen ist ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen Islamisten in der Region.
Iraner gingen trotz Demonstrationsverbots auf die Straße
Auch im Iran sind am Montag Hunderte Menschen aus Protest gegen die Führung auf die Straße gegangen. Trotz eines Demonstrationsverbots zogen in der Hauptstadt Teheran nach Augenzeugenberichten Hunderte in Richtung Freiheitsplatz. Hunderte Bereitschaftspolizisten hätten in den Straßen Stellung bezogen. Zu Zusammenstößen sei es aber noch nicht gekommen, berichtete ein Augenzeuge. Auch in anderen Teilen des Landes setzte sich die Bevölkerung über das Verbot hinweg: In der Stadt Isfahan gingen Augenzeugen zufolge ebenfalls Hunderte auf die Straße.
Der türkische Präsident Abdullah Gül griff während eines Staatsbesuchs in Teheran die Proteste in der Region auf und mahnte die Regierungen im Nahen Osten zu mehr Bürgernähe. Die iranischen Sicherheitskräfte hatten ihre Präsenz massiv verstärkt, um Proteste der Opposition im Keim ersticken zu können. In Teheran bezog die Polizei Augenzeugen zufolge Stellung an großen Kreuzungen und blockierte die Zugänge zu U-Bahn-Stationen. Ein anderer Augenzeuge berichtete, in der Nähe des berüchtigten Evin-Gefängnisses seien zusätzliche Polizeifahrzeuge abgestellt worden.
Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi berichtete auf seiner Internetseite, Sicherheitskräfte hätten sein Haus im Süden der Hauptstadt abgeriegelt. Die Telefonverbindungen von seinem Wohnsitz seien gekappt worden. Auch der Handyempfang sei gestört. "Es sieht so aus, als ob diese neuen Einschränkungen Moussavi und seine Frau daran hindern sollen, an der Kundgebung teilzunehmen", hieß es auf der Internet-Seite des Oppositionsführers. Auf der Homepage des Oppositionspolitikers Mehdi Karroubi war zu lesen, dass Sicherheitskräfte Moussavis Frau daran gehindert haben sollen, ihr Haus zu verlassen.
Iran sieht Proteste in Ägypten als "Sieg gegen den Westen"
Im Iran war es nach der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 zu den größten Demonstrationen seit der Iranischen Revolution von vor 30 Jahren gekommen. Die Proteste ebbten nach einigen Monaten ab, auch weil die Sicherheitskräfte mit massiver Gewalt und Einschüchterungen gegen die Demonstranten vorgegangen waren.
Der türkische Präsident Gül führte bei seinem ersten Staatsbesuch im Iran die Umstürze in Tunesien und Ägypten als Mahnung an. "Manchmal werden Völker selbst aktiv, um ihre Forderungen durchzusetzen, wenn die Regierenden den Forderungen der Menschen kein Gehör schenken", sagte Gül. Die Volksproteste, die in Ägypten und Tunesien die Präsidenten aus dem Amt gefegt hatten, seien für ihn im Zeitalter moderner Massenkommunikationsmittel keine Überraschung gewesen. Während des Aufstands gegen den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak hatte die Türkei Sympathie für die Bevölkerung bekundet. Der Iran hat die Umwälzungen in Ägypten als Sieg des Volkes über einen pro-westlichen Diktator gewürdigt.












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