06.07.2021 13:29 |

10 und 8 Jahre Haft

Zwei Schuldsprüche in Prozess um Kindesmissbrauch

Jahrelang sollen ein Oberkärntner Lehrer und seine Frau Zwillingsmädchen geschändet und misshandelt haben. Am Dienstag stand das Paar vor Gericht und wurde zu zehn bzw. acht Jahre Haft verurteilt.  Zudem werden den Opfern 25.000 Euro Schmerzengeld zuerkannt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Die 29-jährigen Zwillingsschwestern sitzen am letzten Prozesstag im größten Gerichtssaal von Klagenfurt, stets ihre Mutter und den Stiefvater im Blick. Warum sie sich das antun? „Vielleicht ist der Wunsch nach Rache größer als die Angst“, meint ein Zuseher. Die Vorwürfe der „jungen Damen“ sind massiv: Seit frühester Kindheit seien sie missbraucht und misshandelt worden - nicht nur vom Stiefvater (67), sondern auch von der eigenen Mutter (58).

Dunkle Wolken über Heiler-Welt-Kulisse
Seit Ende April wurde in der Sache verhandelt, Dutzende Zeugen gehört. Manche hatten den Verdacht, dass hinter der Heile-Welt-Kulisse etwas nicht in Ordnung gewesen sein könnte, andere wiederum zeigten sich von der Anklage schockiert. „Das ist das Wesen von sexuellem Missbrauch“, sagt Staatsanwältin Tanja Wohlgemuth. „Dass es keine weiteren Tatzeugen gibt.“ Es steht Aussage gegen Aussage - da die Töchter, denen die bekannte Gerichtspsychiaterin Gabriele Wörgötter eine Persönlichkeitsstörung attestiert, dort das honorige Ehepaar, das jede Schuld von sich weist. „Ich kenne meine Kinder nicht mehr“, beteuert die Angeklagte mehrmals und fleht: „Fragen Sie mich alles, ich bin eine Mutter.“

Aussagen der Schwestern „glaubwürdig“
Dienstagmittag gehen die Fragen aus, die Schöffinnen mit den Berufsrichtern in die Beratung. Das Urteil fällt nach einer guten Stunde: Schuldspruch, in allen unfassbaren Anklagepunkten - Vergewaltigung, schwerer sexueller Kindesmissbrauch, Quälen und Vernachlässigung, Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses. Richter Gernot Kugi: „Die Aussagen der Schwestern sind glaubwürdig und nachvollziehbar. Sie schildern ein jahrelanges Martyrium, wie wir es noch selten gehört haben.“ Bei einem Strafrahmen von bis zu 15 Jahren Haft gibt es Strafen von zehn Jahren für den Herrn Professor und acht Jahre für die leibliche Mutter, die ihre Töchter nicht vor den Übergriffen geschützt, sondern diese auch noch gefördert haben soll. Zudem werden den Opfern 25.000 Euro Schmerzengeld zuerkannt.

Die Reaktionen darauf stimmen nachdenklich: Die Zwillinge stützen sich gegenseitig, die eine junge Frau weint, die andere hält sie zärtlich. Dieser Moment gehört nur den beiden.Die Eltern dagegen bleiben nach außen hin völlig ungerührt, verziehen angesichts von insgesamt 18 Jahren Gefängnis keine Miene. Verteidiger Philipp Tschernitz ersucht um drei Tage Bedenkzeit; damit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Donnerstag, 11. August 2022
Wetter Symbol
(Bild: Krone KREATIV)