20.06.2021 06:00 |

Erleichterung groß

Jugendliche erzählen: „Impfung gibt uns Freiheit“

Seit Kurzem werden auch Jugendliche gegen Corona vakziniert. In der „Krone“ erzählen vier Teenager, warum sie sich zu einer Impfung entschlossen haben: Weil sie ältere Verwandte schützen - und weil sie ihr „früheres Leben“ zurückgewinnen wollen.

Nicolas Holzmüller ist gerade ziemlich glücklich. Der Grund: „Ich wurde vor Kurzem gegen Corona geimpft“, erzählt der 15-jährige HTL-Schüler, „und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Stich zu bekommen.“

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Ich hatte nie extrem große Angst davor, an dem Virus zu erkranken.

Nicolas Holzmüller (15)

Von Beginn der Pandemie an, berichtet der junge Wiener weiters, hätte er stets alle Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen eingehalten: „Daher hatte ich nie extrem große Angst davor, an dem Virus zu erkranken.“ Aber immer sei eben doch „diese latente Furcht“ in ihm gewesen, möglicherweise - wie so viele Teenager - Covid „vielleicht sogar symptomlos zu erwischen“ und somit eine Gefahr für seine Eltern und andere ältere Verwandte zu sein.

„Ich habe davor vieles vermisst“
„Außerdem“, so Nicolas, „kenne ich einen Burschen, der im vergangenen Jahr ziemlich schwer von Corona betroffen war - und bis heute an den Folgen seiner Infektion leidet. Beim Laufen rasch Schwierigkeiten mit dem Atmen hat, schnell ermüdet.“

Der 15-Jährige sieht es daher als seine Aufgabe an, Freunde, die sich nicht impfen lassen wollen, von der Notwendigkeit einer Vakzinierung zu überzeugen. „In einem Fall ist mir das sogar schon gelungen“, freut er sich.

Große Überzeugungskunst, ihren Sohn zu einer Impfung anzumelden, brauchte die niederösterreichische PR-Expertin Angelique Sturmlechner nicht: „Ohnehin, ich ließ ihm die Entscheidung offen. Aber er sagte sofort Ja, als ich ich ihm vor wenigen Tagen mitteilte, dass Ende Juni ein Termin für ihn freistünde.“ Und warum war Florian sofort dafür? „Weil ich“, sagt der 13-jährige Niederösterreicher, „weiß, dass mir diese ,besonderen Stiche‘ Freiheit bringen. Eine Freiheit, die ich zuletzt zunehmend vermisst habe.“

„Ich hatte Angst, meine Großeltern anzustecken“
Die Zeit seit Ausbruch der Krankheit - wie sehr haben ihn die damit verbundenen Auflagen in seinem Leben eingeschränkt? „Nicht in die Schule gehen, nur beschränkt Freunde treffen zu dürfen, war manchmal deprimierend. Und ich bin sehr froh darüber, dass ich nun wieder - wie früher - im Klassenzimmer sitzen und am Nachmittag mit meinen Kameraden Sport betreiben kann. Und fein ist auch: Bald fallen die dauernden Tests weg.“

Genauso sieht das sein Freund Paul (13). Er bekam vor knapp zehn Tagen seinen ersten Stich, in einem Impfzentrum. „Bis jetzt“, erklärt der Gymnasiast, „habe ich ein ungutes Gefühl, wenn ich mit meinen Großeltern in Kontakt bin.“ Obwohl sie längst geimpft wurden: „Aber vollständig geschützt sind sie vor einer Ansteckung trotzdem nicht. Und ich will und wollte sie nie gefährden. Und ich will und wollte sie nie gefährden. Wenn ich in ein paar Wochen quasi immun bin, erleichtert mir das den Umgang mit ihnen enorm. Und, wirklich: Ich habe unbeschwerte Besuche bei ihnen sehr vermisst.“

Oskar wurde am vorvergangenen Donnerstag geimpft. „Sogar jetzt fühle ich mich schon sicherer“, erzählt der 13-Jährige, „obwohl mir natürlich klar ist, dass das in Wahrheit Unsinn ist und es noch Wochen braucht, bis Biontech richtig in meinen Körper ,eingeschossen‘ sein wird. Und ich freue mich natürlich auf den Moment, bis es tatsächlich so weit ist.“

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Eine meiner Tanten war vor ein paar Monaten infiziert, sie hatte deswegen gesundheitlich arge Probleme.

Oskar (13)

Der Bub weiß über die Auswirkungen, die eine Erkrankung mit sich bringen kann, Bescheid: „Eine meiner Tanten war vor ein paar Monaten infiziert, sie hatte deswegen gesundheitlich arge Probleme.“

Nicolas, Florian, Paul, Oskar - Teenager, die sich klar darüber sind, dass das Virus todbringend sein kann; die verantwortungsbewusst handeln. Sie sind also klüger als viele Erwachsene.

„Corona ist für alle gefährlich“
Alireza Nouri ist Allgemeinmediziner in Wiener Neudorf- und impft seit Kurzem in seiner Praxis auch Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Corona. Mit Biontech/Pfizer: „Denn nur dieses Vakzin ist bislang für diese Altersgruppe zugelassen.“

Mehreren Burschen und Mädchen hat er bereits den ersten Stich gegeben, weitere 48 stehen derzeit auf seiner Warteliste: „Sie werden meist überraschend in meine Ordination gerufen - eben wenn ältere Patienten ihre Termine bei mir nicht wahrgenommen haben.“ Wegen Doppelanmeldungen, „oder weil sie leider zu dem Entschluss gekommen sind, auf eine Immunisierung zu verzichten.“

Eine Durchimpfung der gesamten Bevölkerung - und damit sämtlicher Teenager - hält der niederösterreichische Arzt für sehr wichtig: „Umso mehr, als jetzt die hochansteckende Delta-Variante in Umlauf ist, und wir vermutlich bald schon mit weiteren - vielleicht noch viel gefährlicheren - Varianten konfrontiert sein werden.“ Aus Erfahrung weiß er außerdem, „dass Kinder und Jugendliche das Virus oft weitergeben. „Sogar wenn sie selbst völlig symptomlos sind.“

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Ich kenne genügend Schüler und Lehrlinge, die schwer erkrankt waren, einige von ihnen leiden seitdem sogar an Long-Covid.

Alireza Nouri, Allgemeinmediziner

Was aber, „obwohl häufig kolportiert“, in Wahrheit nicht immer so sei: „Ich kenne nämlich genügend Schüler und Lehrlinge, die schwer erkrankt waren, einige von ihnen leiden seitdem sogar an Long-Covid. Eine Corona-Infektion kann demnach auch für junge Menschen dramatische Folgen haben.“ Der Mediziner ist Vater zweier Töchter, sie sind sieben und neun. „Wenn kleine Kinder vakziniert werden dürfen, werde ich das bei meinen sicherlich sofort tun ...“

Martina Prewein
Martina Prewein
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