28.04.2021 12:11 |

Pandemie eindämmen

Mitte Juni starker Effekt durch Impfungen erwartet

Die Covid-19-Impfungen haben bei breiter Immunisierung der Bevölkerung einen deutlichen Effekt in der Zurückdrängung der Pandemie. Sie wirken zu etwa 90 Prozent krankheitsverhütend, zu 70 Prozent werden Infektionen verhindert. In Österreich könnte eine stabile Situation Mitte Juni erreicht werden, so der Wiener Reise- und Tropenmediziner Herwig Kollaritsch.

Kollaritsch listete aus internationalen Quellen bereits eine ganze Reihe von vorhandenen Studienergebnissen auf, die die Wirksamkeit der Massenimpfungen mit den SARS-CoV-2-Vakzinen belegen. In klinischen Studien hatte sich zuvor mit den verschiedenen Impfstoffen eine Schutzrate besonders vor schweren Covid-19-Erkrankungen von bis zu 95 Prozent ergeben.

Erste Erfolge schon 14 Tage nach erster Dosis
Mittlerweile liegen aber zahlreiche Daten aus den Routine-Impfprogrammen aus mehreren Ländern bzw. Regionen vor. In einer groß angelegten Studie mit fast 600.000 Personen (geimpft und ungeimpft) zeigte sich in Israel mit dem Pfizer/Biontech-Impfstoff 14 bis 20 Tage nach der ersten Impfdosis eine Schutzrate vor schweren Covid-19-Erkrankungen von 62 Prozent, nach 21 bis 27 Tagen von 80 Prozent, schließlich eine Woche nach der zweiten Impfung eine Reduktion um 92 Prozent. Die Schutzrate gegen Infektionen mit SARS-CoV-2 stieg von 46 Prozent auf 60 Prozent und schließlich auf 92 Prozent zu den gleichen Zeitpunkten.

Der Wiener Experte zitierte auch die vor Kurzem im „Lancet“ publizierte groß angelegte Studie aus Schottland mit den Pfizer/Biontech- und AstraZeneca-Vakzinen: „Eine einmalige Verabreichung der Impfstoffe BNT162b2 mRNA und ChAdOx1 führte in Schottland zu einer deutlichen Verringerung des Risikos einer Covid-19-bedingten Hospitalisierung.“ Für beide Vakzine zusammen ergab sich in der zweiten Woche nach der Erstimpfung eine Reduktion der Spitalsaufnahmen um 47 Prozent, nach 14 bis 20 Tagen um 60 Prozent, nach 21 bis 27 Tagen um 70 und nach 28 bis 34 Tagen um 84 Prozent. Das AstraZeneca-Vakzin lag im Vergleich zu jenem von Pfizer/Biontech in allen diesen Auswertungen etwas höher mit der Schutzrate.

Bei der Verhinderung schwerer oder gar kritischer Covid-19-Erkrankungen trennen sich die Kurven zwischen Geimpften und Ungeimpften etwa 14 Tage nach der ersten verabreichten Vakzine-Dosis. Das zeigte sich in einer britischen Studie mit zwei Millionen geimpften Personen auch bei der Reduktion der Infektionsraten mit einer Verringerung der positiven SARS-CoV-2-Tests 28 Tage nach der Immunisierung mit dem Pfizer/Biontech- oder AstraZeneca-Impfstoff um etwa drei Viertel.

Effekt in Österreich schon sichtbar
In Österreich könnten ebenfalls bereits Effekte der laufenden Impfkampagne beobachtbar sein. So lag beispielsweise (Datenstand: 25. April 2021) die Sieben-Tage-Inzidenz der SARS-CoV-2-Infektionen (16. bis 24. April) unter den 75- bis 84-Jährigen bei 80 pro 100.000 Personen, unter den Sechs- bis 14-Jährigen, die derzeit keinesfalls geimpft werden, hingegen bei 267,7/100.000 (15- bis 24-Jährige: 261,5; 25- bis 34-Jährige: 216/100.000). Die Zahl der Covid-19-Todesfälle blieb in Österreich von Februar bis April relativ gleich. Der Anteil der Covid-19-Todesfälle in Alters- und Pflegeheimen an der Gesamtmortalität durch die Erkrankung nahm von 48 Prozent im Dezember 2020 auf sechs Prozent im April (Stand: 26. April) ab. Im März waren es noch 15 Prozent gewesen.

Kollaritsch: „Die Impfungen wirken individuell krankheitsverhütend zu etwa 90 Prozent, im Kollektiv infektionsmindernd zu etwa 70 Prozent. Der Rückgang der Infektionszahlen ist proportional zur Durchimpfung - allerdings mit ca. drei bis vier Wochen Verzögerung.“

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