28.04.2021 13:15 |

Ärzte schlagen Alarm

Ungleich verteilt: Ärger in Tirol wegen Impfstoff

Viele Tiroler wollen sich lieber beim Arzt ihres Vertrauens gegen Corona impfen lassen als in einer Impfstraße. Das Problem: Beim Land stockt es bei der Verteilung von Vakzinen. Ärzte berichten der „Krone“ von Ungereimtheiten und verzweifelten Patienten. Auch ein E-Mail des Landes irritiert viele Impfwillige. 

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Es ist eigentlich logisch: Wer sich impfen lassen will, geht zum Arzt seines Vertrauens. Der kennt den Patienten, weiß um Risikofaktoren. Auch die Corona-Impfung möchte rund die Hälfte der Tirolerinnen und Tiroler bei ihrem Arzt bekommen. Aktuell sind dort 62.000 Personen vorgemerkt. Doch immer deutlicher zeigt sich, dass das Land mit der Einbeziehung der 600 „Impfstationen“ bei niedergelassenen Ärzten große Probleme hat. Kurzfristig erhielten diese Woche viele Mediziner keinen Impfstoff.

Risikopatienten warten immer noch
„Gleichzeitig werden bei mir angemeldete Patienten plötzlich über die Impfstraße eingeladen. Oft auch jüngere, obwohl auf meiner Warteliste noch Risikopatienten und ältere Leute warten“, berichtet der Landecker Internist Raimund Kaserbacher von Ungereimtheiten, die bei einem Rundruf der „Krone“ zahlreiche Ärzte bestätigen.

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Jetzt habe ich diese Woche keinen Impfstoff für die Frau. Das kann es doch nicht sein.

Internist Wolfgang Schwab

Auch Wolfgang Schwab, Internist in Innsbruck, hat ein Beispiel parat: „Eine meiner Patientinnen wurde ebenfalls in eine Impfstraße eingeladen. Sie hat abgesagt, weil sie ja bei mir angemeldet ist und ihr die persönliche Betreuung wichtig ist. Und jetzt habe ich diese Woche keinen Impfstoff für die Frau. Das kann es doch nicht sein.“

Impfbereitschaft: „Rolle der Ärzte ist wichtig“
Viele Mediziner berichten von verunsicherten Patienten, die durch das jüngste E-Mail des Landes, in dem zur Anmeldung bei einer Impfstraße aufgerufen wurde, zusätzlich verwirrt sind.  „Dabei ist die Rolle der Ärzte so wichtig, gerade um die Impfbereitschaft zu erhöhen“, spricht Sprengelarzt Christian Mayer aus Nassereith ein zentrales Thema an. Denn bei vielen Ärzten melden sich jetzt immer mehr Personen an, die vor ein paar Monaten noch skeptisch oder ängstlich waren. Kaserbacher: „Darunter sind auch ältere Menschen und Risikopatienten. Sie wollen von ihrem Arzt betreut werden – das ist verständlich und richtig. Diese Personen müssen priorisiert werden, auch wenn sie etwas später kommen. Das muss auch im Sinne des Landes sein.“

„Nur Information, keine Aufforderung“
Beim Land ist man um Besänftigung bemüht. Einmal mehr wird die „wichtige Rolle“ der niedergelassenen Ärzte in der Pandemiebekämpfung betont.

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Es geht nicht darum, Impflinge von den Ärzten abzuwerben.

Gesundheitsdirektor Thomas Pollak

„Es geht nicht darum, Impflinge von den Ärzten abzuwerben – auch in den Arztpraxen wird weiterhin geimpft werden“, sagt Tirols neuer Gesundheitsdirektor Thomas Pollak. Er verweist darauf, dass bisher der Impfstoff beschränkt zur Verfügung stand, nun seien aber „größere Kontingente angekündigt“. Das verwirrende E-Mail sei nur eine Information, keine Aufforderung gewesen.

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