07.04.2021 19:14 |

Prozess um Neffentrick

Junger Pole als falscher Polizist verurteilt

Den Neffentrick adaptiert hat eine Profibande aus dem Osten. Die Mitglieder geben sich als Polizisten aus, gaukeln Senioren Unfälle von Verwandten vor und verlangen eine Kaution, um diese vor einer Haft zu bewahren. In Kärnten zahlten drei ältere Opfer an einen Polen - obwohl der 25-Jährige kaum Deutsch spricht.

Die Sprachkenntnisse des jungen Gelegenheitsarbeiters aus Krakau geben Rätsel auf. Er scheint nämlich nichts zu verstehen, die Dolmetscherin muss jedes Wort übersetzen. Wie konnte er also die Opfer überzeugen, ihm hohe Geldbeträge zu übergeben?

Das bleibt ein Mysterium.

„Ich war in finanziellen Nöten“, schildert der Pole. Zwei kleine Kinder, ein abgebrochenes Gymnasium, kein Geld. „Nix roboti?“, fragt Richter Manfred Herrnhofer. „Warum nicht eine ehrliche Arbeit?“ „Sie haben ja Recht“, gibt der 25-Jährige zu. Aber er sei eben auf die schiefe Bahn geraten und hätte sich mit Leuten eingelassen, über die er nichts Näheres erzählen will. „Mafia?“ Darauf antwortet er nicht. „Ich habe Familie, ich habe Angst.“

Daher nimmt er die Schuld auf sich. Als Rädchen einer Bande, die es in Kärnten auf Senioren mit Festnetztelefon abgesehen hatte. Die Masche ähnelt dem althergebrachten Neffentrick. „Ein Mann mit deutschem Akzent rief an, sagte er sei von der Polizei“, berichtet ein Klagenfurter. „Die Tochter hätte einen Unfall verschuldet und sei nicht versichert. Um sie auszulösen, müsste ich 72.000 Euro bringen.“ Er konnte zwar nur 10.000 auftreiben; die übergab er dann an den Angeklagten, der auch von weiteren Betrugsopfern erkannt wird. Insgesamt erbeutete der Pole für seine Auftraggeber 52.000 Euro. Bei einem Coup mit weiteren 43.000 Euro klickten dann für ihn die Handschellen - die echte Polizei hat damit zumindest einen falschen Polizisten aus dem Verkehr gezogen.

Für eine Weile bleibt er das auch: 20 Monate Haft wegen Betruges und krimineller Vereinigung.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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