Kritik am heimischen Impf-Management in der Corona-Krise kommt von der Denkfabrik „Agenda Austria“: „Selbst wenn es genügend Impfstoff gäbe, würde es noch Wochen dauern, bis Österreich auf dem jetzigen Stand der USA, des Vereinigten Königreichs oder von Israel ist“, erklärte am Montag Heike Lehner, Ökonomin des industrienahen Thinktank. Dazu hieß es am Ostermontag aus dem Gesundheitsministerium, der Impfplan werde zügig und konsequent abgearbeitet.
Sieben bis elf Wochen würde es dauern, bis Österreich auf dem jetzigen Stand von Israel wäre. Die Wertschöpfungsverluste, die in dieser Zeit entstehen, erreichen fünf bis 14 Milliarden Euro, rechnet der Thinktank vor.
Erst 6,29 Prozent haben vollständigen Impfschutz
Laut Angaben des Gesundheitsministeriums (Stand: 5. April, 13 Uhr) haben bislang 1,270.558 Menschen, das sind 16,38 Prozent der impfbaren Österreicher über 16 Jahren, eine erste Dosis mit einem der drei hierzulande zugelassenen Corona-Impfstoffe erhalten. Aber nur 488.062 Menschen (6,29 Prozent) haben schon einen vollständigen Impfschutz.
Zum Vergleich: In Israel haben bereits mehr als 56 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung und 51 Prozent eine Zweitimpfung erhalten. Fast alle Über-70-Jährigen und mehr als 80 Prozent der Über-50-Jährigen sind vollständig geimpft.
WHO beklagt „inakzeptable langsame“ Impfungen
Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat zuletzt die „inakzeptabel langsame“ europäische Impfkampagne kritisiert. Die schleppende Verteilung der Impfstoffe in Europa führe zu einer „Verlängerung“ der Pandemie, beklagte der Europa-Direktor der WHO, Hans Kluge, am Donnerstag und forderte eine Beschleunigung der Impfprogramme in Europa.
Aus dem Gesundheitsministerium hieß es am Ostermontag dazu, der Impfplan werde zügig und konsequent abgearbeitet. Österreich befinde sich bei den Impfungen aktuell weiterhin im europäischen Spitzenfeld. In den Bundesländern würden gerade weitere große Impfaktionen geplant und umgesetzt werden.
Alle 2,9 Sekunden eine Corona-Impfung
In den kommenden Wochen werde außerdem hierzulande immer mehr Impfstoff verfügbar sein. Im April werden rund 1,3 Millionen neue Impfdosen in Österreich erwartet. Allein von Biontech/Pfizer sollen wöchentlich rund 200.000 Dosen geliefert werden. Mit den erhöhten Liefermengen werde die Zahl der Impfungen pro Tag noch weiter steigen. Derzeit werde im Schnitt alle 2,9 Sekunden ein Mensch in Österreich gegen Corona geimpft, heißt es.
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