03.04.2021 11:55 |

Schönste Wanderrouten

Wandern als Aufbruch zu sich selbst

Die Zeit um Ostern leitet in der Natur und in der Glaubenswelt einen Neuanfang ein. Auch Wanderungen sind ein Aufbruch - zu einem bestimmten Ziel, aber auch zu sich selbst.

„Gehen, sich bewegen, auf einen Berg steigen und wieder absteigen - das ist eine Parallele zum Leben“, beschreibt der österreichische Extrembergsteiger Peter Habeler (geb. 1942) das „Unterwegssein“. Warum begeben wir uns auf Wanderschaft? Möchte man ein bestimmtes Ziel erreichen oder geht es darum, den Weg zu sich selbst zu finden? Verbindet das Laufen im Freien mit der Natur, sind die Sinne geschärft oder ist es mehr ein „In-sich Gehen“, eine Art sportliche Meditation? So individuell wie die Menschen sind, so unterschiedlich sind ihre Gründe, sich auf den Weg zu machen. Auch die Feiertage werden viele nutzen, um einen Spaziergang oder eine Wandertour zu unternehmen. Ostern leitet ja eine Art Aufbruchsstimmung ein: Gläubige feiern die Auferstehung Christi. Auch die Natur scheint nach der langen Winterruhe wieder neu zu erstehen: Blumen beginnen zu sprießen, Bäume tragen bereits Knospen und Blüten, die ersten Schmetterlinge gaukeln durch die milder werdende Luft.

Dem Neuen Testament zufolge fielen das Leiden, Sterben und Auferstehen Christi in eine Pessachwoche. Deshalb bestimmt der Termin dieses beweglichen jüdischen Hauptfestes auch das Osterdatum. In der Westkirche fällt es für gewöhnlich auf einen Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Dieser zeigte sich im Ländle Ende März bei wolkenlosem Nachthimmel besonders imposant und war bis weit in den Vormittag hineinzusehen.

Der besondere Zauber der Zeit um Ostern
Am 21. März, wenn Tag und Nacht genau gleich lang dauern, wurde bereits in vorchristlicher Zeit gefeiert. Die Menschen freuten sich über die zunehmende Kraft der Sonne, die länger werdenden Tage und die erwachende Natur. So könnte sich das Wort Ostern sogar vom altgermanischen Wort Austro ableiten, das Morgenröte bedeutet. Ob gläubig oder nicht - diese Zeit scheint von einem besonderen Zauber umgeben. Und so sollen auch die heutigen Wandertipps Naturerlebnisse mit Orten der Spiritualität verknüpfen: Im Oberland starten wir bei der Pfarrkirche in St. Anton im Montafon. Das in einer Hanglage stehende Gebäude zeichnet sich im Inneren durch eine besondere Symbiose von Neu und Alt aus und ist dem heiligen Antonius geweiht. Vom Kirchenparkplatz geht es links gerade aus der schmalen Straße entlang bis nach gut 500 Metern rechter Hand ein Pfad in den Wald abzweigt. Dieser Weg wird von kreativen Händen aus der Gemeinde stets jahreszeitlich entsprechend geschmückt. Derzeit leuchten bunte Ostereier von Bäumen und Sträuchern. Farbenfroh bemalte Steine blitzen aus Moos und Gras hervor, fantasievolle Windspiele sorgen für eine ätherische Klanguntermalung.

Je nach Lust und Laune kann man eine kleine oder große Runde durch den Wald drehen und dabei dem Vogelgezwitscher lauschen oder das Spiel von Licht und Schatten auf dem weichen Waldboden beobachten. Ausgangs- und Zielpunkt dieser gemütlichen Tour ist dabei stets die Kirche.

Prozession zur Basilika in Bildstein
Zahlreiche Möglichkeiten für einen österlichen Spaziergang bieten sich auch rund um die Basilika Maria Bildstein hoch über dem Rheintal im Bezirk Bregenz. So kann man beispielsweise dem alten Prozessionsweg von Schwarzach weg folgen. Dieser beginnt bei der Kirche, zweigt beim neuen Dorfplatz (Gemeindezentrum) von der Hofsteigstraße ab und führt über die Bildsteiner Straße bis zum Weiler Obertellenmoos. Hier eröffnet sich ein herrlicher Rundumblick auf das Bodensee-Rheintal und die Schweizer Berge. Weiter entlang der Strecke, die von Bildstöcken gesäumt wird, gelangt der Wanderer auf einem teils noch erhaltenen Steinplattenweg durch den Wald und schließlich auf die Straße. Kurz darauf ist das Ziel - die Wallfahrtskirche Bildstein - erreicht. Der Grundstein für das Gebäude wurde bereits 1663 gelegt. Dem voraus ging eine Marienerscheinung, was zu einem großen Andrang an Pilgern führte. Mit dem Kirchenbau und den Wallfahrten erhielten die Bewohner der Umgebung die Möglichkeit, ihr spärliches Einkommen aufzubessern. Um das Gotteshaus entstand ein Dorfzentrum mit mehreren Gasthäusern. Auch heute noch ist die imposante Kirche ein beliebtes Pilger- und Ausflugsziel.

Spirituell und sportlich
Wer sich die Höhenmeter von Schwarzach nach Bildstein lieber ersparen möchte, hat auch die Möglichkeit, direkt von der Basilika aus auf einen familienfreundlichen Waldlehrpfad zu starten. Die rund zwei Kilometer lange Route führt an der Erscheinungskapelle vorbei und endet beim Gasthof Dreiländerblick. Der Wanderer kann dabei in die Stille des Waldes eintauchen und mehr über die heimische Natur erfahren. Ob spirituell oder sportlich motiviert - ein Osterausflug an der frischen Luft lohnt sich auf jeden Fall. Oder wie der deutsche Komiker Hape Kerkeling einst über seine Pilgererfahren sagte: „Irgendwas wird dieser Weg schon in mir verändern.“

Volksglauben:
Auch zu Ostern ist die Welt der Geister in Bewegung. In de Osternacht sind dem Volksglauben nach alle Wiedergänger sichtbar. Wenn man sich zwischen 11 Uhr und Mitternacht auf einen Kreuzweg hinlegt und trotz aller Erscheinungen weder weint, noch spricht, noch betet, soll der Teufel in Gestalt eines Jägers erscheinen und allerlei Gaben verleihen. Zudem muss man sich in dieser Nacht besonders vor Hexen in Acht nehmen. Auch soll es möglich sein versunkene Schätze während des Evangeliums am ersten Osterfeiertag zu heben. Neue Wünschelruten werden am besten am ersten Ostertag erprobt.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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