23.02.2021 21:00 |

Schlimmer als Grippe

Corona-Tote sterben im Schnitt 16 Jahre zu früh

Eine neue Studie kommt nun zu dem Schluss, dass das Coronavirus nicht nur viele Todesopfer gefordert hat, es sind auch viele Covid-19-Patienten wesentlich früher verstorben als eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Global gesehen sind damit gar insgesamt 20,5 Millionen Lebensjahre verloren gegangen.

Der Verlust an Lebenszeit ist aufgrund eines Todes mit oder am Coronavirus ist dabei zwei bis neun Mal größer als bei der saisonalen Grippe, berichten Forscher nun im Fachjournal „Scientific Reports“. „Dieser Verlust an Lebensjahren ist entscheidend, um zu bewerten, wie viel Lebenszeit in den Populationen durch diese Pandemie verloren gegangen sind“, heißt es aus der Studie der Forschenden der Universität Pompeu in Barcelona.

Sie beleuchten dabei vor allem auch jene zynischen Argumente von Kritikern, die in den Raum stellen, dass viele Corona-Patienten aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters ohnehin nicht mehr lange gelebt hätten.

Analyse aus 81 Ländern
Die Wissenschaftler haben dazu das Todesalter der Verstorbenen mit der im Schnitt zu erwartenden natürlichen Lebensdauer von Personen desselben Geburtsjahres verglichen. Dazu standen ihnen Daten aus 81 Ländern mit mehr als 1,27 Millionen Corona-Todesfällen zur Verfügung.

Die anschließende Auswertung zeichnet dabei ein klares Bild: Insgesamt sind den Corona-Todesfällen im Schnitt 16 Jahre verloren gegangen - auf alle Fälle weltweit umgelegt entspricht das gar einer verlorenen Lebenszeit von 20,5 Millionen Jahren. „Das ist der Verlust von 270.000 kompletten Lebenszeiten - von Menschen, die von der Geburt bis zu ihrem natürlichen Lebensende gelebt hätten“, erklärt Pifarre i Arolas gegenüber dem Magazin „Focus“.

Bis zu neun Mal mehr Lebenszeitverlust als bei Grippe
Um dabei auch mögliche Vorerkrankungen entsprechend zu berücksichtigen, zogen sie auch den Vergleich zum Lebenszeitverlust durch die saisonale Grippe (Influenza) sowie Herzerkrankungen. „In den stark betroffenen Industrieländern ist der Lebenszeitverlust durch Covid-19 je nach Land um zwei bis neun Mal höher als bei der saisonalen Grippe“, fassen die Wissenschaftler zusammen.

Die Daten bestätigen zudem die These, dass mehr Männer von schweren Verläufen betroffen sind als Frauen - die verstorbenen männlichen Corona-Infizierten haben demnach um 45 Prozent mehr Lebensjahre verloren als Frauen.

„Auch junge Menschen müssen geschützt werden“
„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Mortalität bei Covid-19 große Auswirkungen hat - nicht nur in Bezug auf die Todeszahlen, sondern auch für die verloren gegangenen Lebensjahre“, so das Resümee der Forschenden. Die Studie würde zudem zeigen, dass bei der Verteilung des Lebenszeitverlusts vor allem jüngere Menschen in der Pandemie einen hohen Preis zahlen.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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