18.02.2021 19:56 |

Zahlen weiter hoch

Deutschland im Lockdown: Sorge vor 3. Welle steigt

Unser Nachbarland Deutschland befindet sich in einem wahren Corona-Dilemma: Trotz hartem Lockdown stagniert bundesweit die Zahl der Neuinfzierten, einzelnen Regionen klagen sogar über einen Anstieg. Die Furcht vor einer dritten Welle wächst. Forderungen nach Öffnungen stehen Spekulationen über schärfere Maßnahmen gegenüber.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sprach im Sender WDR5 von einem Wettrennen zwischen Impfungen und Virusvarianten. Im besonders stark betroffenen Bundesland Thüringen stieg der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und sieben Tagen binnen 24 Stunden von 111,6 auf 119,5. 

„Bestätigt sich der Trend, brauchen wir stärkere Restriktionen“
Die Stagnation bzw. der leichte Anstieg der Zahlen ist aus Expertensicht auf neue Virusvarianten wie der aus Großbritannien zurückzuführen. „Wenn sich der Trend bestätigt, dann brauchen wir stärkere Restriktionen“, sagte der Molekularbiologe und Regierungsberater Rolf Apweiler der Deutschen Presse-Agentur. Nach RKI-Angaben ist der Anteil der ansteckenderen britischen Variante binnen zwei Wochen von knapp 6 auf mehr als 22 Prozent gestiegen. 

Inzidenz von 35: Wissenschaftler skeptisch
In den meisten Bundesländern kehren Grundschüler und Kita-Kinder in der kommenden Woche nach rund zweimonatiger Pause in die Einrichtungen zurück. Am 3. März wollen Bund und Länder über die Lage beraten. Ab dem 7. März sollen Geschäfte dort wieder öffnen können, wo es regional drei Tage lang nicht über 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und sieben Tagen gibt. Seit vergangenen Sonntag schwankte diese 7-Tage-Inzidenz bundesweit aber leicht über 57. Wissenschaftler bezweifelten bereits, dass die Inzidenz absehbar unter 35 sinkt.

Steinmeier: „Die Ungeduld wächst, das ist spürbar“
Der Mittelstand drängt auf einen verbindlichen „Exit-Fahrplan“. In einem Schreiben des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) heißt es: „Deutschland muss raus aus dem Lockdown.“ Bereits CDU-Chef Armin Laschet hatte sich gegen einen strickt an Inzidenzwerten orientierten Lockdown-Kurs gewandt. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach in mahnenden Worten von wachsender Ungeduld. Diese sei innerhalb der Bevölkerung spürbar. 

Söder: „Das Virus ist schuld, nicht die Politik“
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann jedoch sagte: „Ich hör immer nur öffnen. Ich möchte mal einen erleben, der mal sagt, jetzt machen Sie mal ein bisschen was schärfer. Das hör ich nie!“ Eine dritte Welle, die noch schlimmer wäre als die zweite, könne nicht im Interesse der Wirtschaft sein. „Dann machen wir einen richtigen Lockdown - den gab es bisher ja gar nicht.“ Und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verteidigte die bestehenden Maßnahmen: „Jammern hilft jetzt nicht weiter. Das Virus ist schuld, nicht die Politik“.

Deutschland staunt über Österreichs Test-Offensive
In Deutschland wird derzeit auch die Test-Offensive Österreichs im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus aufmerksam verfolgt. In der deutschen Talk-Sendung bei Markus Lanz am Dienstagabend kamen die anwesenden Gäste im Studio aus dem Schwärmen kaum heraus. „Wann machen wir das endlich?“, fragte etwa Lanz den anwesenden CDU-Politiker Norbert Röttgen. In Deutschland fehlt noch immer die Zulassung für Selbsttests.

Franz Hollauf
Franz Hollauf
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