07.02.2021 06:00 |

Brisante Umfrage

Rot-Grün-NEOS ist erstmals beliebteste Variante

Knapp ein Jahr Corona-Pandemie ist nicht spurlos an der türkis-grünen Koalition vorbeigegangen, die Regierungsparteien verlieren, die Opposition legt zu. Besonders brisant: In der Frage der Koalitionsvarianten ist erstmals Rot-Grün-NEOS die beliebteste Option.

Eine aktuelle Umfrage des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) für die „Krone“ macht die Verluste der Regierungsparteien deutlich: Die ÖVP kommt vergleichsweise noch glimpflich davon und rutscht von 37,5 Prozent bei der Nationalratswahl 2019 auf 35 Prozent.

Grüne stürzen ab
Deutlich dramatischer ist da der Absturz der Grünen: Sie fallen von 13,9 Prozent, ihrem historisch besten Ergebnis, auf zehn Prozent.

Opposition freut sich
Vom Minus bei der Koalition profitiert natürlich die Opposition. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner darf sich nach ihren Top-Werten im jüngsten Polit-Barometer über ein Plus in der Höhe von 2,8 Prozentpunkten freuen, die NEOS legen knapp drei Prozentpunkte zu, und auch die Freiheitlichen können sich trotz - oder gerade wegen - des Brutalo-Kurses von Klubobmann Herbert Kickl um 1,8 Prozentpunkte steigern (jeweils im Vergleich zur Wahl Ende September 2019).

Türkis-Grün nicht mehr beliebteste Koalition
Ein Detail bei der Umfrage sorgt wohl für besonders großes Kopfzerbrechen bei ÖVP und Grünen: Bei der Frage nach den Koalitionsvarianten liegt erstmals Rot-Grün-NEOS in Front.

Für 17 Prozent der Befragten ist dies die beliebteste Möglichkeit für eine Zusammenarbeit. Die Regierungskoalition Türkis-Grün, die lange Zeit sehr weit voran lag, kommt nur noch auf 14 Prozent.

Sehr viele Unentschlossene
Auffallend ist hier allerdings auch die große Gruppe der Unentschlossenen oder jener, die gar keine der abgefragten Koalitionen wollen. 14 Prozent sagten „keine von diesen“ und gleich 16 Prozent sagten „anders“ oder „weiß nicht“ oder machten keine Angabe.

Zitat Icon

Zusammenfassend kann man festhalten, dass die gesamte Opposition gestärkt ist. Die Regierungsparteien könnten auch in den kommenden Wochen weiter unter Druck geraten.

Christoph Haselmayer, Geschäftsführer IFDD


„Krone“-Kommentar von Doris Vettermann: Es brodelt innen und außen

Es geht bergab. Nicht nur mit der Laune der Österreicher und der wirtschaftlichen Situation, sondern auch mit den einstigen Strahlemännern (an der Spitze stehen nun eben einmal Männer) der heimischen Politik. Im jüngsten APA-Vertauensindex rasselten Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober um viele Punkte hinunter, vor wenigen Tagen machte eine Umfrage deutlich, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung ist. Und jetzt zeigt eine Studie, dass Türkis-Grün - schon nach etwas mehr als einem Jahr im Amt - nicht mehr die beliebteste Koalitions-Variante ist.

Daran hat auch der kürzlich erfolgte Strategiewechsel des Bundeskanzlers nichts geändert. Plötzlich werden Experten auch in die erste Reihe geholt und die Länder eingebunden. Aber gut, so kann sich die Regierung auch leichter an den Landeshauptleuten abputzen, wenn etwas nicht funktioniert.

Der Abwärtstrend hat viele Gründe: Zu oft wurde schon anderen (der Bevölkerung oder den Medien) die Schuld gegeben, zu viele Verordnungen waren fehlerhaft, zu viel wurde falsch kommuniziert, zu viel inszeniert, zu viele Regeln waren und sind unlogisch und nicht nachvollziehbar. Kanzler und Vizekanzler betonen nach dem Asyl-Streit nun, dass die türkis-grüne Zusammenarbeit nicht in Gefahr sei. Doch möglicherweise könnte der Druck von außen zum größeren Problem werden.

Kronen Zeitung

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