07.01.2021 14:24 |

Virologin geehrt

Puchhammer-Stöckl ist Wissenschaftlerin des Jahres

Die Wiener Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl ist vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zur Wissenschaftlerin des Jahres 2020 gewählt worden. Damit wurde die Vermittlungsarbeit der 58-jährigen Leiterin des Zentrums für Virologie der Medizinischen Universität Wien vor allem während der Corona-Pandemie gewürdigt.

Begründet wurde dies mit Puchhammer-Stöckls „unaufgeregte Art“ und „sachliche Information“, mit der die Virologin die Öffentlichkeit „kontinuierlich informiert“ habe. Ihre TV-Interviews seien herumgeschickt worden, „weil man erstmals das Gefühl hatte, hier etwas Wesentliches verstanden zu haben“, hieß es weiter.

Mit der seit 1994 jährlich durchgeführten Wahl will der Journalistenklub vor allem das Bemühen von Forscherinnen und Forschern auszeichnen, ihre Arbeit und ihr Fach einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen und damit das Ansehen von Wissenschaft und Forschung in Österreich zu heben.

Puchhammer-Stöckl zeigte sich erfreut über die Auszeichnung und hob die Bedeutung der Wissenschaftskommunikation seit Beginn der Corona-Pandemie hervor, „da viele wissenschaftliche Erkenntnisse einen direkten Einfluss auf das Leben unzähliger Menschen weltweit hatten“.

Geboren am 30. September 1962 in Wien studierte Puchhammer-Stöckl in ihrer Heimatstadt Medizin und kam nach der Promotion 1986 über ein Projekt an die Virologie, wo sie seither tätig ist. Sie habilitierte - nach ihren Ausbildungen zur Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie sowie zur Fachärztin für Virologie - 1994. Wissenschaftlich konzentriert sie sich auf sogenannte „persistierende Viren“, also Erreger wie etwa Herpesviren, die nach einer Infektion ein Leben lang im Körper bleiben und diesen beeinflussen. Im Zusammenhang mit Coronaviren erforscht sie mit ihrer Gruppe unter anderem die Immunantwort von „Natürlichen Killerzellen“, die ganz am Anfang der Infektion steht.

„Die nächsten Monate werden noch sehr schwierig“
Zur aktuellen Pandemie-Situation und der österreichischen Impfkampagne meinte Puchhammer-Stöckl am Donnerstag, dass sie noch „sehr schwierige Monate“ erwarte. Die Auswirkungen der offenbar ansteckenderen Virus-Varianten könne man nur schwer abschätzen. Impfgegnern sollte mit bildhafterer Information die Angst genommen werden. Denn vielen Impfskeptikern fehle vermutlich ein klares Bild davon, wie dramatisch eine echte Infektion mit einem Virus in die Abläufe von Zellen eingreift, um den Erreger dort tausendfach zu vermehren, und wie gering im Gegensatz der Einfluss der nun erstmals zugelassenen RNA-Impfstoffe auf betroffene Zellen im Körper ist.

Es handle sich hier um eine Impfung „mit einem Teil des Virus, der sich nicht einmal vermehren kann und an der Oberfläche Proteine bildet“. Diese Proteine, die wichtige Teile zum Erkennen des Erregers abbilden, sollen das Immunsystem auf eine tatsächliche Konfrontation mit dem Erreger vorbereiten.

Über Filme oder andere Visualisierungen könnte man skeptischen Menschen genau diese schwer vorstellbaren Abläufe im Vergleich anschaulich zeigen, so Puchhammer-Stöckl bei der Preisverleihung. Dann werde sicher vielen klar, „warum wir glauben, dass es ungefährlich ist“. „Wenn man diese Bilder nebeneinander sieht, dann hat man überhaupt keine Sorge, weil man weiß, was das wirkliche Virus anrichtet.“

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