1963 hatte es in Madrid gegen Schottland ein 2:6-Debakel gesetzt. "Schlechter kann man nicht spielen. Es gibt dafür keine Ausreden. Niemand von uns verliert gerne, wir müssen die Niederlage aber zur Kenntnis nehmen. Es war eine wichtige Partie, jedoch nicht unser Tag," sagte der enttäusche Teamchef Vicente del Bosque, der dem Gegner hohe Effektivität und gutes Konterspiel bescheinigte. Der "Seleccion" schmerzte die Schmach im iberischen Derby besonders, weil sie mit dem Gros ihres WM-Kaders gekommen war.
Del Bosques Kollege Paulo Bento, der erst im September Nachfolger von Carlos Queiroz geworden war, freute sich nach dem dritten Sieg im dritten Spiel wie ein Weltmeister. "Wir wollten gewinnen, doch von einem solchen Resultat haben selbst wir nicht zu träumen gewagt. Der Sieg brachte uns zwar keine Punkte, aber viel an Prestige," sagte Bento, dessen Star Cristiano Ronaldo sich im 75. Länderspiel bis zur Pause in blendender Form präsentierte und dann in der Kabine bleiben durfte.
Ronaldo hochzufrieden
Der Real-Star, der nach einem Foul von Busquets ab der achten Minute humpelte, hätte seine Leistung durchaus mit einem Tor krönen können. Das blieb dem 25-Jährigen nur versagt, weil ihm ein sehenswerter Heber ins Tor wegen Abseits des ebenfalls groß aufspielenden Nani aberkannt wurde. "Es kommt nicht oft vor, den Weltmeister so zu schlagen", war Ronaldo nach seinem 45-Minuten-Auftritt dennoch voll zufrieden.
"Es war eine fantastische Nacht. Für mich ganz besonders, denn zwei Tore schießt man nicht alle Tage gegen Spanien. Sie bringen eine Menge Selbstvertrauen," freute sich Helder Postiga nach seinem Doppelpack zum 2:0 und 3:0 nach der Pause. Die sensationell aufspielenden Portugiesen nahmen mit dem Triumph erfolgreich Revanche für die im WM-Achtelfinale erlittene 0:1-Niederlage. Spanien und Portugal bewerben sich gemeinsam um die Ausrichtung der WM 2018.
Spott und Hohn in den Medien
Die spanischen Medien gingen mit "La Roja" hart ins Gericht. "Iberischer Hornstoß. Spanien hat ohne Lust und Seele gespielt", klagte am Donnerstag die Sportzeitung "As". Das Fachblatt "Marca" fragte sich, ob im Estadio da Luz etwa Doppelgänger von Iniesta, Xavi und Villa auf dem Platz waren. "Das war ein Desaster, eine furchtbare Ohrfeige. Das schlechteste Spiel der Seleccion seit Jahren", hieß es. Im von einer schweren Finanzkrise erschütterten Land des Nachbarn hängt der Fußball-Himmel unterdessen voller Geigen. "Ole, die Weltmeister sind wir", posaunte das Massenblatt "Correio da Manha".
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.