18.11.2020 08:00 |

Oftmals unbedankt

Die stillen Helden im Kampf gegen Corona

Jede Zeit hat ihre Helden - so ist das auch in der Corona-Zeit: Ärzte, junge Leute, die für ältere Mitbürger einkaufen gehen, Zivildiener in Pflegeheimen, Supermarkt-Verkäuferinnen. Hier sollen jene zu Wort kommen, die bisher nicht im Scheinwerferlicht gestanden sind.

An Maske gewöhnt
Von Graz aus durch ganz Österreich geht es für Zugbegleiterin Sophia Kontur, die seit drei Jahren bei den ÖBB arbeitet. Die größte Veränderung durch Corona ist die Maskenpflicht. „Wir haben oft 10-Stunden-Dienste, in den Pausen dürfen wir sie abnehmen - hin und wieder vergesse ich aber schon, das zu tun.“ Auch bei den Fahrgästen ist die Maske „normal geworden“, Probleme gibt’s nur selten: „Wenn jemand keine trägt, beginnen die anderen Fahrgäste meist zu stänkern - der Gruppenzwang ist dann groß, und die Maske wird aufgesetzt.“

Immer auf Achse
Volle Regale bedeuten viel Arbeit für die Lkw-Fahrer, vor allem, als im März Germ und Klopapier gehortet wurden. „Wir hatten von heute auf morgen die doppelte Arbeit“, sagt der Fürstenfelder Martin Brüstle. Der 37-Jährige beliefert für Walter Fritz Supermärkte. „Im Lockdown sind wir auch samstags gefahren, Kollegen im Urlaub haben ihre Hilfe angeboten.“ Und doch gibt er sich bescheiden: „Dass wir unseren Teil beitragen konnten, hat uns zusätzlich motiviert. Wir sind über uns hinausgewachsen. Schön, wenn jemand Danke sagt!“

Viren im Warteraum
Nein, fotografieren lassen wolle sie sich nicht, sagt die Frau, die seit 30 Jahren als Ordinationsgehilfin in einer Arztpraxis in der Obersteiermark arbeitet: „Ich will mich nicht wichtig machen. Aber wir haben es nicht leicht, das kann man ruhig einmal schreiben.“ Der Warteraum sei jeden Tag voll mit Patienten - und die Angst, dass jemand mit Corona bei der Tür hereinspaziert, immer im Hinterkopf. Teilweise habe es nicht einmal genug Schutzausrüstung gegeben. „Und meine Mutter gehört zur Risikogruppe.“ Ihr Lohn: nicht einmal 1000 Euro im Monat.

Um die Kunden bemüht
Unermüdlich im Einsatz sind auch die Angestellten der steirischen Apotheken - und das schon seit dem ersten Lockdown. „Man merkt, dass die Leute wirklich froh sind, dass wir da sind“, erzählt Pharmazeutin Heidelinde Pfliger (34) von der Apotheke zur St. Anna in der Grazer Münzgrabenstraße. Alle Maßnahmen würden gut angenommen. Auch wenn man sich im Freien anstellen muss. Und wenn einer doch einmal seine Maske vergisst, wird sie ohne Murren schnell aus dem Auto geholt. Hat schon einmal wer Danke gesagt? „Das nicht, aber wir bekommen mehr Trinkgeld für die Kaffeekassa.“

Trinkgeld vor der Tür
Bei jedem Wetter strampeln sie sich ab, damit die Menschen trotz des Lockdowns ein Essen von ihrem Lieblingslokal bekommen. Viele gehen derzeit lieber nicht in den Supermarkt - sei es um sich selbst oder einen Angehörigen vor einer Ansteckung mit Corona zu schützen. Manche dürfen gar nicht einkaufen gehen, weil sie in Quarantäne sind. Zugestellt wird kontaktlos - und damit in vielen Fällen auch unbedankt. „Manche legen uns ein Trinkgeld vor die Tür, das freut einen dann schon“, erzählt ein junger Mann, der als Essenszusteller für Velofood in Graz arbeitet.

Aufstehen um 0 Uhr
Seit 28 Jahren ist Gudrun Köck für unsere Leser Tag für Tag im Einsatz. Die 49-Jährige stellt die Zeitung zu. „450 Stück insgesamt“, sagt die Niklasdorferin, die sich auch noch um ihre beiden Enkerln kümmert. Wann bei ihr der Wecker klingelt? „Um Mitternacht. Und so um sechs Uhr bin ich dann wieder zu Hause.“ Normalerweise geht’s dann wieder ins Bett. Aber wegen des Homeschoolings der Kinder ist Schlaf eher Mangelware. Über was sich die Zustellerin freut? „Zu Weihnachten gibt’s immer wieder kleine Geschenke als Dankeschön.“

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