Nach den beiden Heimsiegen gegen Kasachstan (2:0) und Aserbaidschan (3:0) stellte die Partie in der belgischen Hauptstadt die erste Reifeprüfung für das ÖFB-Team in der laufenden Qualifikation dar. Constantini wählte eine vorsichtigere Aufstellungsvariante im 4-2-3-1-System - Scharner und Baumgartlinger waren die beiden defensiven Mittelfeldspieler, als Solo-Spitze agierte Maierhofer.
Die ohnehin extrem junge belgische Mannschaft musste kurz vor Anpfiff weiter verjüngt werden, der 32-jährige Abwehr-Routinier Van Buyten verletzte sich beim Aufwärmen. Die Belgier ließen dennoch von Anpfiff weg keine Zweifel aufkommen, dass es für sie um einen Pflichtsieg ging. Vossen schoss schon nach zwölf Sekunden neben das ÖFB-Tor.
Belgier gehen per Konter in Führung
Nach zehn Minuten schienen die Österreicher ins Spiel gefunden zu haben und trauten sich auch offensiv mehr zu. Und prompt schlugen die Belgier im eigenen Stadion kurioserweise per Konter zu. Nach Querpass von Ogunjimi war Vossen eine Spur schneller als sein Bewacher Schiemer am Ball und ließ Macho keine Chance (11.).
Schiemer besserte seine Unachtsamkeit im Eilzugtempo aus. Nach Eckball von Junuzovic von der rechten Seite stieg der Salzburg-Verteidiger hoch und köpfelte wuchtig zum Ausgleich ein (14.). Danach sorgten die Gäste wohl selbst bei ihren mitgereisten Fans für positives Erstaunen, denn der Führungstreffer war ein echtes Kabinettstückchen.
"Astronautovic" tanzt Abwehr zum 2:1 aus
Arnautovic, Junuzovic und Maierhofer ließen den Ball mit Kurzpassspiel durch die belgische Abwehr tanzen. Arnautovic, den die Belgier kaum in den Griff bekamen, zog aus 14 Metern ab und der stramme Schuss landete im kurzen Eck zum 2:1 für Österreich (29.). Um die Führung in die Pause zu bringen, brauchte Österreich Glück und einen herausragenden Goalie. Denn Macho rettete in der 33. Minute gleich dreimal mit tollen Reflexen: zweimal gegen Vossen und einmal gegen Witsel, dessen Schuss von Macho an die Latte gelenkt wurde. Legear, der Fuchs das Leben sehr schwer machte, schoss zudem völlig alleine vor Macho über die Latte (39.).
Die Drangphase der Belgier setzte sich nach Wiederanpfiff fort. Zunächst zeigte Macho gegen Witsel die nächste Glanzparade. Bei der Flanke von Verthongen sah der Griechenland-Legionär dann aber weniger gut aus, Lockenkopf Fellaini war per Kopf zur Stelle und glich wieder aus (47.). Beide Teams spielten auf Sieg und fanden u.a. Chancen durch Vossen (60.) bzw. Junuzovic (56.) und Arnautovic (62./jeweils Freistoß) vor.
Scharner fliegt vom Platz, ÖFB-Elf vergibt Matchbälle
Die neuerliche ÖFB-Führung ging wieder auf das Konto von Schiemer, und einmal mehr hatte auch Junuzovic seine Füße im Spiel. Nach seinem Corner stocherte Schiemer den Ball irgendwie über die Linie (62.). Der erste Dreipunkter in einem Quali-Auswärtsmatch seit März 2005 schien in Griffweite. Doch sechs Minuten später ließ sich Scharner zu einer Tätlichkeit hinreißen und flog vom Platz. Trotz Unterzahl fand Österreich zwei Matchbälle vor, Arnautovic (78.) und Hoffer (81.) vergaben.
Das sollte sich genauso wie die Rote für Scharner bitter rächen. Denn Belgiens Jungstar Ogunjimi stellte aus kurzer Distanz auf 3:3 und Van-Buyten-Ersatz Lombaerts nach einem Corner per Kopf auf 4:3. Doch Österreich steckte nicht auf und Harnik netzte nach Vorarbeit von Baumgartlinger noch einmal ein (93.).
Reaktionen auf das Spiel
Jürgen Macho (Österreich-Tormann): "Die Belgier haben Riesendruck gemacht, sie hatten Riesenchancen. Vier Tore auswärts und nicht gewinnen, das ist eigentlich unglaublich. Aber wir sollten heute nicht so kritisch sein. Freuen wir uns über das, was wir erreicht haben."
Franz Schiemer (Österreich-Verteidiger, 2 Tore): "Solche Partien gibt es nur ganz selten im Fußball, das war überragend. Mit einem Mann weniger nach einem 3:4 noch einmal zurückkommen, das ist unglaublich und fantastisch. Ich dachte, dass wir das 3:2 nicht mehr aus der Hand geben. Auch in Unterzahl haben wir phasenweise super gespielt."
Dietmar Constantini (Österreich-Teamchef): "Dieses Spiel hatte alle Facetten. Wir haben 3:2 geführt, dann die Rote Karte (Paul Scharner, Anm.) kassiert, dann das 3:4 bekommen und in der letzten Minute noch ausgeglichen. Das ist dann genial, auch wenn mir ein 4:3-Sieg natürlich lieber gewesen wäre. Vor der Pause hatten wir einige Probleme. Belgien war sehr stark, hat aber auch Nervosität gezeigt. Mich freut es für die Mannschaft, dass wir den Punkt geholt haben. Ich werde sicher mit dem Paul reden. Aber er gibt immer alles für die Mannschaft und ist ein sehr wichtiger Spieler."
Georges Leekens (Belgien-Teamchef): "Die Österreicher müssen Gott danken. Sie haben das Maximum aus diesem Spiel herausgeholt. Normalerweise muss das Match 8:4 für uns ausgehen. Wir waren besser, aber bei den Standards zu unkonzentriert."








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