11.10.2020 08:00 |

Lokalaugenschein

Neues Leben für alte steirische Baujuwele

Lokalaugenschein an der Eisenstraße: Statt historischen Kulturschätzen den Garaus zu machen, kämpfen Land und Denkmalschützer dort für den Erhalt wertvoller alter Gebäude.

„Gott geb’s Vordernberg“, steht an der Einfahrt zur obersteirischen 964-Einwohner-Gemeinde zu lesen. Das Land Steiermark jedenfalls hat es dem Markt, der eng mit Erzherzog Johann verbunden ist, gegeben: nämlich großzügige Förderungen zur Revitalisierung historischer Baudenkmäler. Ja, es wird in der Steiermark nicht nur wild abgerissen, wie in der „Krone“-Initiative „Retten wir die steirischen Schätze“ allzu häufig aufgezeigt, sondern auch vorbildlich renoviert und geschichtsträchtigen Baujuwelen neues Leben eingehaucht.

Vorläufer der Montanuni wurde frisch renoviert
Wie das funktioniert, zeigt uns ÖVP-Wohnbaulandesrat Hans Seitinger am Beispiel der steirischen Eisenstraße. Obwohl die Gegend von Abwanderung betroffen ist, gibt sie die Landesregierung nicht auf - sondern versucht, wertvolles Kulturgut in der Region zu erhalten. Wir besichtigen das so genannte Raithaus an einem jener herbstlich-idyllischen Tage, an denen man schon sein Sakko zuknöpfen muss. Die Sonne hat sich hinter Wolken versteckt, schroffe Felsspitzen durchstechen die zähe Nebeldecke, die sich schwer über die bewaldeten Berghänge legt.

Erzherzog Johann richtete in dem Gemäuer im Herzen Vordernbergs die erste Lehrkanzel für Berg- und Hüttenkunde ein, die Vorläuferin der Leobner Montanuni: „Das historisch wertvolle Gebäude, das in desaströsem Zustand war, wurde sukzessive renoviert“, berichtet Hans Seitinger. Zwei ebenfalls verfallene Häuser, die zum Gebäudeensemble gehörten, eine Lehrschmiede und ein Pavillon, wurden ebenfalls in letzter Sekunde gerettet, bevor der Abrissbagger anrückte. Darauf ist Vordernbergs Bürgermeister Walter Hubner stolz.

Eisenerzer Tanzsaal belebt die Altstadt
Einige Fahrminuten später treffen wir in der alten Eisenstadt Eisenerz ein, in der uns der neue Ortschef Thomas Rauninger begrüßt. In der historischen Altstadt steht noch ein Tanz- und Vergnügungssaal, in dem angeblich einmal sogar Kaiser Franz Joseph I. das Tanzbein geschwungen hatte. Um 1910 wurde das Haus in ein Lichtspielhaus verwandelt: „Damit kam die weite Welt nach Eisenerz. Die Leute sind vor dem Kino Schlange gestanden“, schmunzelt Gerhild Illmaier, Urenkelin des damaligen Bauherrn und heutige Eigentümerin. Nachdem der letzte Film über die Leinwand geflimmert war, musste das Gebäude ab den 1960er-Jahren als Ausstellungsraum eines Möbelhauses sein Dasein fristen. „Wir stecken hier noch mitten im Revitalisierungsprozess“, sagt Seitinger.

Erst kürzlich gab der Landesrat, wie berichtet, steiermarkweit den Startschuss zur Initiative „Wir beleben unser Land“. Ziel der Plattform ist es, aussterbende Ortskerne „wachzuküssen“ und geschichtsträchtige Baujuwele zu renovieren.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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