04.10.2020 22:08 |

Mit Klappspaten

Mann attackiert Studenten vor Hamburger Synagoge

Vor der Hamburger Synagoge ist es am Sonntagnachmittag zu einer offenbar antisemitischen Attacke gekommen. Laut deutschen Medienberichten griff ein militärisch gekleideter Mann dort einen jüdischen Studenten an. Der Täter soll den Studenten mit einer Schaufel geschlagen und verletzt haben, bevor Sicherheitskräfte der jüdischen Gemeinde ihn überwältigen, festnehmen und die vielen Besucher der Synagoge in Sicherheit bringen konnten.

Das 26-jährige Opfer erlitt Kopfverletzungen, ist aber nicht lebensgefährlich verletzt. Es konnte sich in Sicherheit bringen und wurde bis zum Eintreffen von Rettungskräften von Passanten erstversorgt.

Der 29-jährige Angreifer, der den 26 Jahre alten jüdischen Studenten mit einem Klappspaten angegriffen hat, macht laut Polizei einen „extrem verwirrten Eindruck“. Es sei sehr schwierig, ihn zu vernehmen, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend. Der Angreifer ist demnach Deutscher mit kasachischen Wurzeln.

Mann soll Zettel mit Hakenkreuz in der Hosentasche gehabt haben
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll der Täter einen Zettel mit einem Hakenkreuz in der Hosentasche gehabt haben. Der Staatsschutz des Hamburger Landeskriminalamts hat die Ermittlungen übernommen. Die Synagoge der Hamburger jüdischen Gemeinde, die mit mehr als 3000 Mitgliedern zu den größten Deutschlands zählt, war am Sonntag von dem eigenen Wachdienst der Gemeinde sowie von einem Wachposten der Polizei geschützt worden.

Außenminister Heiko Maas verurteilte die Attacke scharf. „Das ist kein Einzelfall, das ist widerlicher Antisemitismus und dem müssen wir uns alle entgegenstellen“, schrieb Maas am Sonntagabend auf Twitter. „Meine Gedanken sind bei dem Studenten, ich wünsche gute Genesung.“

Erinnerungen an Anschlag in Halle vor einem Jahr
Sowohl die militärische Kleidung als auch das Datum der Attacke wecken Erinnerungen an den Anschlag auf die Synagoge von Halle vor knapp einem Jahr. Dort hatte am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein schwer bewaffneter Rechtsradikaler versucht, in die Synagoge einzudringen und die Betenden zu ermorden. An diesem Sonntag wurde Sukkot gefeiert, das Laubhüttenfest, das im jüdischen Kalender unmittelbar auf Jom Kippur folgt.

Der Attentäter von Halle, Stephan B., muss sich derzeit vor dem Oberlandesgericht in Magdeburg verantworten. B. hatte am 9. Oktober vergangenen Jahres bei einem letztlich fehlgeschlagenen Anschlag auf die Synagoge in Halle zwei Menschen erschossen, die er auf der Straße und in einem Imbiss antraf. Sein Versuch, in das Gotteshaus einzudringen, scheiterte dagegen an der massiven Tür. B. wurde nach der Tat festgenommen.

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