09.10.2019 19:36 |

Zwei Tote in Halle

Bewaffneter Anschlag auf deutsche Synagoge!

In der deutschen Stadt Halle an der Saale hat es am Mittwoch vor einer Synagoge ein Schussattentat mit zwei Todesopfern gegeben. War anfangs von mehreren Tätern die Rede gewesen, zeigte sich am Abend, dass der Anschlag die Tat eines Einzeltäters war, der festgenommen wurde. Bei dem Täter handelt es sich laut Polizei um einen 27-jährigen, rechtsextremen Deutschen, der die Tat mit einer Helmkamera gefilmt und live auf der Online-Plattform Twitch gestreamt hat. Der Mann wollte offenbar ein Blutbad unter den rund 80 Gäubigen in der Synagoge anrichten. Die jüdische Gemeinde entging an ihrem höchsten Feiertag Jom Kippur nur knapp einer Katastrophe.

Die Polizei hat die Festnahme des mutmaßlichen Schützen - er stammt aus dem aus deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt - am späten MIttwochabend bestätigt. „Die festgenommene Person ist der Tatverdächtige“, sagte ein Polizeisprecher. Der Mann sei verletzt worden. „Er wurde versorgt“, fügte der Sprecher hinzu. Ob sich der Attentäter im Krankenhaus befindet, konnte er nicht sagen.

Täter versuchte Eingang der Synagoge aufzuschießen
Die Schüsse fielen vor der Synagoge in der Ludwig-Wucherer-Straße. Während des Angriffs auf offener Straße befanden sich gerade 70 bis 80 Menschen in dem Gotteshaus. Dieses sei direkt angegriffen worden, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle: „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen. Aber unsere Türen haben gehalten“. Der Täter (siehe Tweet unten) hatte zudem auch selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge abgelegt.

Anschlag mit antisemitischem Hintergrund
Nach Angaben des deutschen Innenministers Horst Seehofer handelt es sich um eine Tat mit offenbar rechtsextremistischem Hintergrund. Nach Einschätzung des Generalbundesanwalts „gibt es ausreichende Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund“, erklärte er am Mittwochabend. „Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse müssen wir davon ausgehen, dass es sich zumindest um einen antisemitischen Angriff handelt“, sagte Seehofer.

Zwei Verletzte im Universitätsklinikum
Die Täter dürften mit einer Maschinenpistolen um sich geschossen haben. Außerdem sei eine Handgranate auf den benachbarten jüdischen Friedhof geworfen worden, hieß es in Medienberichten. Ein Video zeigt, wie der Attentäter mitten in der Stadt um sich schießt. Fest steht jedenfalls, dass ein Mann und eine Frau bei dem Schussattentat ums Leben kamen. Für zwei beim Anschlag Verletzte, die nach den Schüssen im Universitätsklinikum Halle operiert wurden, besteht derzeit keine akute Lebensgefahr. Die Frau und der Mann hatten den Angaben nach schwerste Schussverletzungen. Die Operationen seien erfolgreich verlaufen, sagte ein Sprecher der Klinik.

Schüsse auch bei nahem Kebab-Lokal
Augenzeugen meldeten, dass auch bei einem nahen Kebab-Lokal Schüsse gefallen seien. Ein Mann mit „grüner Jacke, Stahlhelm und Sturmgewehr“ habe etwas auf den Schnellimbissladen geworfen, anschließend habe er zudem noch in das Geschäft geschossen, schilderte ein Beobachter gegenüber dem Fernsehsender n-tv.

Täter nahe eines Kindergartens gefasst?
Der Täter dürfte danach kurzzeitig mit einem Taxi die Flucht ergriffen haben. Der Taxifahrer wurde verletzt, als er sich weigerte, dem Bewaffneten sein Auto zu überlassen. Der Angreifer soll daraufhin seine Flucht zu Fuß fortgesetzt haben, berichten deutsche Medien übereinstimmend. In sozialen Netzwerken kursierten Aufnahmen, die einen dunkel gekleideten Mann mit Helm und Stiefeln zeigen, der ein Gewehr bei sich trägt. Angeblich soll er von Polizisten nahe eines Kindergartens im rund 15 Kilometer von Haale entfernten Landsberg festgenommen worden sein, wie ein auf Facebook veröffentlichtes Foto nahelegt.

Tat am jüdischen Feiertag Jom Kippur
Die Tat ereignete sich ausgerechnet zu Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag. Laut deutschen Medienberichten gehen die Behörden von einer „besonderen Lage“ aus und haben daher alle verfügbaren Polizeieinheiten nach Halle beordert. Die Deutsche Bahn sperrte vorübergehend den Bahnhof der Stadt. Die Polizei verstärkte ihre Kontrollen auf Bahnhöfen und Flughäfen in Mitteldeutschland. Das gelte auch für die Verkehrswege nach Polen und Tschechien, teilte die Bundespolizei Mitteldeutschland am Nachmittag via Twitter mit.

Verstärkte Bewachung für Synagogen
Im nahe gelegenen Leipzig verstärkte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge der Stadt. Auch vor jener in Dresden (Bild oben) wurde nach Angaben der Behörden der Schutz erhöht. In anderen deutschen Städten wurde der Schutz entsprechend verstärkt.

Verstärkter Polizeischutz auch in Wien
Auch in Wien sind die Sicherheitsmaßnahmen für jüdische Einrichtung seitens der Polizei nochmals verstärkt worden. Zwar sei der Objektschutz aufgrund des jüdischen Feiertages Jom Kippur ohnehin stärker, aufgrund der unsicheren Lage in Deutschland seien nun aber auch Beamte der Sondereinheit WEGA hinzugezogen worden, hieß es. Man betonte man aber, dass es keine konkrete Gefährdungslage gebe, die Verstärkung sei eine reine Sicherheitsmaßnahme.

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