Erfolg mit Tom & Harry

Steirische Bierbrauer nehmen nun Wien ins Visier

Steiermark
05.03.2026 05:00

Die zwei Bierbrauer Tom & Harry, alias Thomas Winkler und Harald Kristen, haben mit ihren Spezialsorten eine Nische in der Obersteiermark erobert, viel Absatz machen sie zudem in Graz. Aktuell im Visier: Wien. Der Massenmarkt bleibt aber dem Märzen-Bier vorbehalten.

Eine beeindruckende Entwicklung: Zwei Jungbierbrauer gewannen 2018 den Hobbybrauer-Staatsmeistertitel für ihr „IPA“, das Indian Pale Ale. Wenige Jahre danach zieren etliche Falstaff-Auszeichnungen die Wand in ihrem Kapfenberger Brau-Labor, unter anderem für das beste alkoholfreie Bier im deutschsprachigen Raum.

Das spornt an und bestätigt, dass die Richtung stimmt: Top-Qualität, beste regionale Zutaten und der Anspruch, immer wieder neue Biersorten – auf relativ geringe Mengen beschränkt – auf den Markt zu bringen. Das war etwa ein Milk-Stout, geschmacklich ging es „in Richtung Guiness mit Milchzucker in der Rezeptur, damit es runder am Gaumen wird“, beschreibt Harald. Für die Weihnachtsfeier im Kreise von Freunden und Mitarbeitern wurde ein dunkler Weizenbock gebraut: sieben Prozent, schokoladig, bananig, voll im Mund, aus dem Fass, ein Ergebnis „aus der Versuchsbrauerei, wo wir immer nur um die 20 bis 50 Liter brauen“.

Getüftelt wird in Kapfenberg, gebraut in Hartberg
Das Prinzip: Thomas und vor allem Harald entwerfen neue Biersorten, verkosten diese in ausgewählter Freundesrunde in ihrem „Labor“ und schreiben das Rezept mittels Software bis ins kleinste Mengendetail auf. Die zwei Unternehmer sind reine Lohnbrauer. Ihre Rezepturen werden in der Brauerei Gratzer bei Hartberg in die gewünschten Spezialitäten umgesetzt. Mittlerweile erfolgt auch ein Großteil der Auslieferung über diesen Partner.

Stark nachgefragt wird das Produkt in der Region zwischen Leoben und Mürzzuschlag, sehr gut entwickelt hat sich der Absatz in Graz. Die Landeshauptstadt hat einen Anteil von 70 Prozent. Vor Covid war es genau umgekehrt: Ein großer Teil wurde in kleinen Land-Läden, spezialisiert auf lokale Produkte, verkauft. Viele dieser Geschäfte mussten mittlerweile schließen. Auch hat sich die wirtschaftliche Situation in der Obersteiermark, spürbar auch im Wirtshaus-Sterben, nicht günstig auf die Nachfrage ausgewirkt.

Jetzt soll Wien erobert werden
Thomas ist aktuell damit befasst, in Wien Fuß zu fassen: Einige Lokale und Läden, vor allem im 4. bis zum 7. Bezirk (wo viele junge Familien und Studenten leben), sind bereits Vertriebspartner. Die Konkurrenz speziell bei den Craft-Bieren sei aber in Wien deutlicher spürbar als in Graz, sagt Thomas. Beim Steiermark-Frühling im April am Wiener Rathausplatz werden sie jedenfalls mit dabei sein.

Weil sich gegenwärtig mit dem Brauen des eher hochpreisigen und sehr individuellen Bieres noch keine goldene Nase verdienen lässt, ist Harald mit 30 Wochenstunden seinem angestammten Berufsfeld, der IT-Branche, treu geblieben. Thomas, studierter Musikwissenschafter, ist im Sommer „für die Neuberger Kulturtage abgestellt“, wo er sich mit seinem Team um Organisation, Abendkassa, Künstlerbetreuung etc. kümmert. Den Rest des Jahres über sorgt er für den Vertrieb und dafür, dass die Marke Tom & Harry an Boden gewinnt.

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Das Märzenbier schmeckt bei jeder Brauerei eigentlich gleich. Man bildet sich ein, es schmeckt anders, weil ein anderes Etikett oben ist.

Harald Kristan 

Österreicher lieben Märzen-Bier
Im vergangenen Jahr wurden 15.000 Liter, also 150 Hektoliter, produziert. Zum Vergleich: Der Absatz des in Österreich hauptsächlich konsumierten Märzenbiers betrug sechs Millionen Hektoliter, die 40.000-fache Menge! Bei der Spezialisierung des biertrinkenden Österreichers auf die Sorte Märzen kommt Schwung in die Diskussion: „Das Märzenbier schmeckt bei jeder Brauerei eigentlich gleich. Man bildet sich ein, es schmeckt anders, weil ein anderes Etikett oben ist. Die Frage ist: Ist der Österreicher bereit, für ein qualitativ hochwertiges, regionales Produkt mit regionalen Zutaten und regionaler Wertschöpfung Geld auszugeben?“, fragt sich Harald. Seine ehrliche Antwort: „Wir haben einen Kundenstock, der dazu bereit ist. Aber wenn man das im Verhältnis zum Gesamtmarkt sieht, so ist es eine verschwindend geringe Prozentzahl.“

Es ist auch kein Geheimnis, dass eine 0,3-Liter-Flasche Tom-& Harry-Bier mehr als drei Euro kostet. Das ist, vor allem im Vergleich zu österreichischen Standard-Produkten, ein stolzer Preis, aber: „Das Malz beziehen wir beispielsweise zu 95 Prozent direkt von der Brauerei Gratzer, die Verträge mit lokalen Bauern hat, welche Gerste anbauen und dann auch vermälzen.“

Neben dem Standard-Sortiment haben die zwei Bierbrauer „immer einen Ideen-Schatz von zehn bis 20 Bieren“, die sie brauen wollen. Da heißt es dann aber schnell sein, denn alle Spezialbiere sind laut Homepage ausverkauft.

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