15.07.2020 11:59 |

krone.at-Kolumne

Rendi-Wagner im Zypern-Urlaub: Darf die denn das?

Endlich gibt es wieder einen Grund, sich herrlich aufregen zu können! Nachdem SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner im „ZiB 2“-Interview erklärt hatte, auf Zypern Urlaub zu machen, gehen die Wogen in den sozialen Netzwerken hoch. Völlig unverständlich, denn eigentlich sollte die Urlaubsplanung unserer Spitzenpolitiker powidl sein. Wenn da nicht Corona wäre …

Ja, der Job eines Parteichefs ist kein leichter. In Zeiten, in denen Wähler ihr Kreuzerl nicht mehr nur aufgrund der guten alten Gewohnheit machen, sondern auch die Person hinter dem Politiker von Interesse ist, kann auch ganz Banal-Privates ins Zentrum der Öffentlichkeit rücken. Dass Liebesleben, Friseurbesuche oder eben auch ein Sommerurlaub breit diskutiert werden - darum ist kein Politiker zu beneiden.

Video: Sommerurlaub am Meer nur ohne Moral?

Das Mitleid hält sich allerdings dann in Grenzen, wenn man Privates ganz eigenmotiviert nach außen spielt. Wenn Pamela Rendi-Wagner ohne Not in den Medien erzählt, dass sie schon bald nach Zypern fliegt (Anm.: Neben Zypern ist auch noch ein Steiermark-Urlaub geplant), muss sie auch damit rechnen, dass das von der Öffentlichkeit aufgegriffen werden kann. Gerade jetzt, wo doch Corona ist.

Dürfen Rote etwa nur im Arbeiterstrandbad urlauben?
An und für sich ist aber auch ein Sommerurlaub nichts Verwerfliches. Ein bisschen Sonne tanken, Erholung und der Blick aufs Meer sei auch einer Parteichefin von Herzen vergönnt und kein Grund, eine Neiddebatte vom Zaun zu brechen. Nur weil sie sich für sozialdemokratische Agenden einsetzt, bedeutet das noch lange nicht, dass sie sich ihre Bräune nur im Arbeiterstrandbad holen darf. Solange sie auf Zypern nicht versucht, die Republik zu verscherbeln, ist Rendi-Wagner niemandem Rechenschaft schuldig. Sie kann reisen, wohin sie möchte.

Urlaubspatriotismus der Politiker ist reine Symbolpolitik
Wenn man denn unbedingt will, kann man ins Treffen führen, dass es gerade in Zeiten von stetig steigenden Infektionszahlen, Massenarbeitslosigkeit und Unternehmern, die um ihre Existenz kämpfen, vielleicht geschickter gewesen wäre, einen Urlaub am Attersee zu planen. Ja, auch ein klimafreundlicheres Reiseziel wäre womöglich inszenierungstechnisch klüger gewesen. Aber: Um mehr als eine kleinkarierte Symbolpolitik geht es bei diesem Urlaubspatriotismus nicht - das sollte jedem Kritiker klar sein.

Die nächsten Monate werden noch mühsam genug
Letztendlich steht es nämlich auch unseren Politikern wie jedem anderen Österreicher zu, ein paar Tage Privatperson sein zu dürfen und die Seele baumeln zu lassen. Vor allem dann, wenn ein Wahlkampf vor der Tür steht. Und der wird sicherlich noch kräftezehrend und mühsam genug. Für uns alle. In diesem Sinne: schönen Urlaub!

Katia Wagner, krone.at

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