21.06.2020 06:01 |

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Surface Go 2: Wie gut ist der Windows-Notizblock?

Der IT-Konzern Microsoft verkauft seit kurzem eine erneuerte Version seines kleinen Windows-Tablets Surface Go in Österreich. Die zweite Generation verspricht mehr Bildfläche, kann wie gehabt mit optionalem Tastatur-Cover und Stift bedient werden und wird in der getesteten Variante vom Low-End-Chip Pentium 4425Y angetrieben. Als primärer PC taugt das Gerät im Gegensatz zum größeren Surface Pro damit nicht. Aber vielleicht zum mobilen Zweitrechner?

Dafür spricht der mit 10,5 Zoll Diagonale sehr mobile, durch 1920 mal 1280 Pixel Auflösung und 3:2-Seitenverhältnis aber nicht ganz so klein wie bei anderen Tablets wirkende Bildschirm. Der Speicher ist mit 128 Gigabyte etwas knapp bemessen, kann aber mit microSD-Karten erweitert werden. Von der 64-Gigabyte-Variante sei abgeraten: Da wird es selbst für das Allernötigste schon eng.

Das Zubehör macht den Preis
Preislich kommt beim Surface Go 2 durchaus was zusammen - auch, wenn das Tablet allein in der günstigsten Variante gar nicht so teuer wirkt. Ab 450 Euro wechselt es mit Pentium-CPU, 4 GB RAM und 64 GB Flash-Speicher den Besitzer. Eine arg magere Ausstattung, für die getestete Version mit 8 GB RAM und 128 GB Speicher werden dann aber schon über 600 Euro fällig. Will man ein Chip-Upgrade auf einen Core m3-8100Y, bewegt man sich Richtung 800 Euro, das Höchste der Gefühle ist eine Business-Version mit Core m3, 256 GB Speicher und LTE-Modem. Die kostet dann 920 Euro.

100 Euro kommen noch für das Tastatur-Cover drauf, etwa 75 kostet der Eingabestift Surface Pen. Beides von essenzieller Wichtigkeit, wenn man das Gerät produktiv einsetzen will. Für die von uns getestete Pentium-Version mit 8 GB RAM, 128 GB Speicher und beiden Zubehörteilen kämen demnach etwas weniger als 800 Euro zusammen. Dafür kriegt man auch ein gutes Notebook mit weit mehr Rechenleistung, aber halt auch weit weniger Mobilität.

Ein außergewöhnliches Leichtgewicht
Mit 544 Gramm Gewicht ist das Surface Go 2 wirklich ein Leichtgewicht unter den Windows-Computern, selbst im Zeitalter der 1-Kilo-Laptops. Sicher, mit Tastatur wiegt es ein Viertelkilo mehr, aber die ist ja abnehmbar. Somit ist man beim Handling weit näher an einem Tablet als an einem Notebook - inklusive ermüdungsfreiem Lesen im Hochformat, weil nicht nennenswert mehr Gewicht als bei Android- oder iOS-Tablets zusammenkommt.

Auch als digitaler Notizbock mit Anwendungen wie OneNote taugt so ein leichtes Gerät, hat man sich ans Schreibgefühl auf Glas gewöhnt, sehr gut - das kann bei Leibe nicht jedes Konkurrenz-Tablet. Am Tastatur-Cover tippt es sich zumindest okay: Bei der Größe will man eher keine längeren Texte darauf anlegen, überdies mangelt es ein wenig an Tastenhub und Steifigkeit. Aber für ein schnelles E-Mail oder ein paar Notizen reicht’s.

Akku reicht nicht für ganzen Arbeitstag
Mit den genannten Stärken wäre das Surface Go 2 zum Beispiel ein guter Begleiter für Studenten: PDFs konsumieren, vielleicht mal eine Notiz ins Gerät kritzeln, ein wenig mitschreiben - alles kein Problem. Gegen dieses Szenario spricht neben dem wenig studentenfreundlichen Preis so eines 800-Euro-Zweitgeräts aber vor allem die Akkulaufzeit.

Sind ein paar Anwendungen - Browser, ein Office- und das E-Mailprogramm reichen - aktiv, hat das Gerät gut zu tun und bei mittlerer Bildschirmhelligkeit ist nach sechs bis sieben Stunden Schluss. Sparmeister, die Komponenten ausschalten und ein Minimum an Helligkeit einstellen, werden vielleicht auch etwas mehr herausholen, die von Microsoft versprochenen zehn Stunden sind aber wohl nur bei minimaler Helligkeit und Auslastung drin.

Prozessor ist schnell überfordert
Das bringt es in eine verzwickte Lage. Während das Surface Go 2 zweifellos Dinge kann, die iOS- und Android-Tablets oder auch Chromebooks nicht können, unterliegt es ihnen klar bei der Akkulaufzeit. Der x86-Prozessor im Surface Go ist hier ein spürbarer Nachteil gegenüber den sparsamen ARM-Chips bei der Konkurrenz.

Zumal es ihm für anspruchsvollere Programme an Leistung mangelt. Surfen, Videos ansehen, Office-Programme nutzen und Mailen gehen problemlos von der Hand, intensives Multi-Tasking, Bild- oder gar Videoverarbeitung überfordern ihn aber heillos. 3D-Spiele sollte man ihm auch eher nicht zumuten, die meisten ruckeln auf der Onboard-Grafiklösung unspielbar.

Unnötiger proprietärer Stromanschluss
Verarbeitet ist das Surface Go 2 tadellos. Das Metallchassis fühlt sich wertig an, das Gerät mit seinen abgerundeten Kanten liegt gut in der Hand, die Ränder ums Display sind bei der ARM-Konkurrenz heute aber oft schon dünner. Der verstellbare Ständer an der Rückseite tut zuverlässig seinen Dienst, über seine Langlebigkeit vermögen wir nach ein paar Tagen aber keine Prognosen zu stellen.

Gut hat uns auch das Display gefallen: Schärfe und Helligkeit sind für die tägliche Nutzung völlig ausreichend, einzig im Freien kämpft man am Touchscreen mit Spiegelungen. Das Tastatur-Cover fühlt sich gut an, könnte aber steifer sein: Vor allem, wenn das Gerät am Schoß im Einsatz ist, wünscht man sich schnell die von konventionellen Laptops gewohnte Stabilität zurück.

Ein Schönheitsfehler sind die Anschlüsse: Neben einem USB-C-Anschluss gibt es einen Klinken- und einen proprietären Stromanschluss. Der missfällt: Wieso nicht zwei USB-C-Anschlüsse, wenn doch der verbaute mit passendem 24-Watt-Netzteil das Gerät eh lädt? Weil man dann keine Microsoft-Netzteile mit fix befestigtem Ladekabel um 33 Euro pro Stück mehr verkaufen könnte?

Windows 10 S will man loswerden
Ganz wenig Freude machte uns im Test die Software des Surface Go 2. Vorinstalliert hat Microsoft nämlich sein abgespecktes Windows 10 S, auf dem ausschließlich Anwendungen aus dem hauseigenen App-Marktplatz Microsoft Store laufen. Und der ist auch Jahre nach dem Start nicht so gut gefüllt wie der App Store bei Apple oder der Play Store bei Google.

Reguläre Windows-Programme - und die werden für viele Interessenten der Hauptgrund für den Kauf eines Surface-Gerätes sein - laufen erst, nachdem man das dafür unbrauchbare Windows 10 S gegen die normale Home-Version getauscht hat. Der Wechsel ist zwar kostenlos, aber erst nach zwangsweiser Anmeldung im Microsoft Store möglich.

Unser Rat: Sollten Sie sich für ein Surface Go 2 interessieren, suchen Sie im Handel nach der Business-Version. Darauf ist mit Windows 10 Pro gleich ab Werk die vollwertige Variante des Microsoft-Betriebssystems vorinstalliert, das spart später mitunter viel Ärger.

Fazit: Nur für wenige Nutzer sinnvoll
Das Surface Go 2 ist ein gut verarbeitetes, aber teures Zweitgerät, das für PC-Nutzer interessant ist, denen die mobile Nutzung von Windows-Programmen und die flexible Bedienung mit Stift und Tastatur wichtig ist. Als Notizmaschine im Bildungsbereich, Surfgerät oder mobilen Behelfs-PC können wir es uns trotz gewisser Einschränkungen gut vorstellen.

Als Haupt-PC fehlt es ihm aber an Rechenkraft, im Vergleich zu Tablets mit ARM-Prozessor an Ausdauer. Der proprietäre Stromanschluss ist im USB-C-Zeitalter nicht mehr zeitgemäß, Windows 10 S schränkt mit dem Scheinargument der höheren Sicherheit die Software-Auswahl unnötig ein und nimmt dem Gerät ab Werk zunächst einmal seinen wichtigsten Vorteil.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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