10.05.2020 08:00 |

Markus Rogan

„Arbeite jetzt mit Depressiven & Drogensüchtigen“

Seine beiden Silbernen der Spiele vor 16 Jahren in Athen, die ersten Olympia-Medaillen Österreichs im Schwimmen seit 1912, liegen in Wien bei seinem ehemaligen Sponsor Raiffeisen in einem Schließfach. „Ich habe aber“, lacht Markus Rogan, „den Schlüssel verloren.“ Die Goldene von seinem WM-Triumph 2008 in Manchester, als er über 200 m Rücken den Weltrekord des US-Amerikaners Ryan Lochte um gleich 1,21 Sekunden auf 1:47,84 verbesserte, ist aber bei ihm daheim in Los Angeles.

Dort betreibt der 37-jährige seit drei Jahren erfolgreich in Beverly Hills eine Praxis für Psychotherapie. Österreichs erfolgreichster Sommersportler aller Zeiten (34 Medaillen bei Großereignissen) arbeitet dort mit Menschen, die an Depressionen, Angststörungen oder Drogenproblemen leiden. Der frühere Leistungssportler sagt: „Ich lerne viel von meinen Patienten. Jeder, der mit einer schweren Depression umzugehen lernt, kann ein wirkliches Vorbild sein. Meine Patienten sind auf der Suche und ich suche mit.“

Markus arbeitet aber auch als Sportpsychologe, hat dabei mit Fußballern, Basketballern und Schwimmern zu tun. In Israels Nationalteam, bei dem er mit Teamchef Andreas Herzog, Tormann-Trainer Klaus Lindenberger und Sportdirektor Willi Ruttensteiner arbeitet, ist einer der auffälligsten Spieler Eran Zahavi: „Ein Topathlet, er weiß genau, was er braucht.“ Rogans eigene Karriere-Strategie lautete: „Ich wollte mich immer mit den Besten der Welt messen, bis keiner mehr besser ist als ich.“

Zu seinem Hauptkonkurrenten aus Athen, Aaron Peirsol, hat er noch Kontakt: „Wir waren in einer Kommission für die Bewerbung von Los Angeles für die Sommerspiele 2028. Da waren alle Olympia-Medaillengewinner, die hier im Großraum leben dabei. Wir sollten beurteilen, ob die bestehenden Sportanlagen olympiafit sind. Fast 90 Prozent waren es. Das werden sehr kosteneffiziente Spiele.“ Und Rogan wüsste auch schon eine gute Stelle für das Österreich-Haus: „Klaus Heidegger hat einen sehr schönen Platz in Malibu.“ Mit dem früheren Skistar, der in den USA als Unternehmer zum Millionär wurde, ist Markus gut befreundet. Skifahren geht Rogan übrigens am meisten an Österreich ab.

Seine zweite aktuelle sportliche Leidenschaft ist die Underwater Torpedo League. Dabei spielt er mit Marines, Navy Seals und UFC-Fightern mehr oder weniger Unterwasser-Rugby. Ein Team besteht aus fünf Spielern. Markus erzählt: „Du bist nie länger als eineinhalb Minuten unter Wasser. Aber dabei kämpfst du regelrecht. Das ist die volle Anstrengung. Ein geiler Sport.“ Aber seine absolute Nummer eins ist die Familie: Mit Ehefrau Leanne (vor der Heirat 2014 ist er ihretwegen zum Judentum konvertiert) hat er zwei Söhne (Kayde ist dreieinhalb Jahre, Asher 20 Monate). Markus lacht: „Sie halten mich jung, lassen mich gleichzeitig aber auch schnell altern.“

Matthias Mödl, Kronen Zeitung

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