12.04.2020 17:37 |

Schönborn-Osterpredigt

Erinnerung an Flammen von 1945: „Der Dom weinte“

Kardinal Christoph Schönborn hat am Sonntag wegen der Coronakrise das Osterhochamt im beinahe leeren Wiener Stephansdom gefeiert (ORF-Übertragung oben). In einer ergreifenden Predigt erinnerte der Kardinal an den Wiederaufbau des abgebrannten Stephansdoms vor 75 Jahren: „Der Dom weinte, und die Menschen weinten“, so Schönborn. Aber die Bevölkerung habe in einem unglaublichen Zusammenstehen den Dom wieder aufgebaut. Der Wiener Erzbischof verwies auf die „Lebenshaltungen Jesu“, die dafür notwendig waren - nämlich Dienst, Mitgefühl und Bereitschaft zum Einsatz für andere. Das Osterhochamt fand aufgrund der Pandemie-Schutzvorgaben nur mit einer Minimalbesetzung für die Zelebration, Musik und liturgische Gestaltung statt.

„Der Geist Jesu hat viele Menschen bewegt, den Stephansdom wieder aufzubauen, unser Land wieder aufzubauen, und wir profitieren bis heute davon. Dieser Geist wird auch notwendig sein in Zukunft“, sagte Schönborn in seiner Predigt, die „Kathpress“ im Wortlaut veröffentlichte.

„Bevölkerung hat Dom wieder aufgebaut“
Teile der Kathedrale waren vor 75 Jahren, am 12. April 1945, ein Raub der Flammen geworden. „Das riesige Dach stürzte zusammen, die Riesenorgel ging in Flammen auf, das Chorgestühl verbrannte“, erinnerte Schönborn: „Der Dom weinte, und die Menschen weinten.“ Und dann sei Kardinal Innitzer gekommen und habe die Menschen getröstet und nüchtern gesagt: „Na, wir werden ihn halt wieder aufbauen müssen“, so Schönborn: „Und das ist tatsächlich gelungen. Die österreichische Bevölkerung hat in einem unglaublichen Zusammenstehen den Dom wieder aufgebaut.“

Schönborn verwies auf die „guten Institutionen in unserem Land“
Obwohl dieses Jahr der Ostersonntag nicht festlich wie sonst stattfinde und auch die geplante Einweihung der erneuerten Riesenorgel noch nicht stattfinden könne, sei er „voller Zuversicht“, betonte der Erzbischof. Gründe für Hoffnung sehe er auch zu Ostern 2020 gleich mehrere. Etwa seien dies die „guten Institutionen in unserem Land“. Das Gesundheitssystem, der Rechts- und Sozialstaat, die solide Wirtschaft wie auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften würden sich in der derzeitigen Krise bewähren. Mit Ostern habe dies insofern zu tun, „dass wir dabei Gemeinsames über die Einzelinteressen stellen“, so der Kardinal: „Und das ist genau der Schlüssel zum Ostergeheimnis.“

Papst-Appell an EU: Zeit erlaubt keinen Egoismus“
In einem ebenfalls fast menschenleeren Petersdom hatte auch der Papst am Ostersonntag die Ostermesse gefeiert und dabei wie immer den Segen „Urbi et Orbi“ („der Stadt und dem Erdkreis“) erteilt. In Gedanken sei er bei den Coronavirus-Kranken, den Verstorbenen und den Familien, die um ihre Angehörigen trauern, sagte der Papst und rief Europa zu Solidarität auf. „Diese Zeit erlaubt keinen Egoismus, denn die Herausforderung, vor der wir stehen, ist uns allen gemeinsam und macht keine Unterschiede“, so Franziskus. Gläubige weltweit verfolgten den Gottesdienst über TV-Sender, Radiostationen und Livestreams.

Piusbrüder halten Coronavirus für „Lektion“ Gottes
Die katholische Piusbruderschaft übte unterdessen zu Ostern Kritik an den Maßnahmen, die im Kampf gegen das Coronavirus gesetzt wurden: Die Einschränkungen für die Kirchen würden über das Ziel hinausschießen. Pater Stefan Frey glaubt, dass der Erreger einen spirituellen Hintergrund habe: „Ich glaube, Gott wollte uns eine Lektion erteilen und ruft uns auf, unsere Illusionen aufzugeben und zur Realität zurückzukehren.“

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