08.04.2020 19:16 |

krone.tv-Reportage

Verbotene Tests, Polizei, Kerzen an der Pestsäule

Die Karwoche im Zeichen der Coronavirus-Krise. Auf den Straßen ist es gespenstisch ruhig, die Menschen tragen Masken, nicht nur im Supermarkt. Das aggressive Virus hat unseren Alltag von Grund auf verändert. krone.tv begleitete eine der vielen Corona-Streifen, besuchte eine Apotheke, in der Antikörper-Tests durchgeführt und jetzt von der Ärztekammer gestoppt wurden, und beobachtete, wie bei der Pestsäule am Wiener Graben Kerzen angezündet werden. Ein Stimmungsbild.

Was sich wie eine Ewigkeit anfühlt, ist mittlerweile in der vierten Woche: Heimquarantäne aufgrund von Covid-19. Leer gefegte Straßen, U-Bahnen mit null Passagieren, die Polizei patrouilliert. Geschlossene Restaurants und Geschäfte, überall hängen Verbots- und Hinweisschilder. Das schöne Wetter lockt die Menschen ins Freie, und der Großteil achtet auf die Ein-Meter-Abstand-Regel. Aber am Donaukanal kann es schon vorkommen, dass zu viele Menschen auf einmal joggen oder spazieren gehen und es mit dem Abstand schwierig wird.

Mehr als 300 ließen sich auf Corona testen
Vorerst bleiben nur Supermärkte und Apotheken geöffnet. Ein Anziehungspunkt in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen ist die Rathausapotheke im ersten Wiener Gemeindebezirk. Hier hat Magistra Sybille Silmbrod einen Corona-Antikörper-Schnelltest angeboten. „Zertifiziert ist er ja, der Test. Der Hersteller ist jetzt gemeinsam mit einem Labor in Wien dabei, Hunderte Auswertungen zu machen für die ISO-Zertifizierung.“
Wer vor circa einem Monat untypische Symptome wie merkwürdigen Husten oder leichtes Fieber verspürte und keinen Test zugesichert bekam, weil keine akute Gefahr bestand, erhoffte sich hier Gewissheit.

Kundin weinte vor Freude, auch Ärzte kamen
Aus ganz Österreich pilgerten mutmaßlich Immunisierte nach Wien, um sich testen zu lassen: „Menschen aus Kärnten, Oberösterreich, Niederösterreich“ nutzten die Möglichkeit. In nur zwei Tagen führten Silmbrod und ihr Team knapp mehr als 300 Tests durch. „Ein Paar aus Niederösterreich hat angerufen und gesagt: ,Wir setzen uns jetzt ins Auto und sind in zwei Stunden bei Ihnen, bitte reservieren Sie uns einen Test!‘“ Eine Kundin habe beim Zahlen plötzlich geweint, „weil sie so froh war, dass wir diesen Test anbieten“. Und: „Viele Ärzte waren da.“

Kostenpunkt: 80 Euro. Ein Pieks in den Finger, das Ergebnis des Bluttests gab es bereits nach rund 15 Minuten. Mittlerweile hat die Ärztekammer das Geschäft mit dem Virus gestoppt - die Apothekerin darf den Test nicht mehr anbieten, weil er in Österreich nicht zugelassen ist. Noch immer rufen Leute an, um sich den Antikörper-Test reservieren zu lassen für die Zeit, in der er wieder durchgeführt werden darf. Täglich muss die Apothekerin Kunden vertrösten oder gar wegschicken. „Einige kommen immer noch.“

Pausenlos klingelt während unseres Gesprächs der Festnetzanschluss: „Leider. Wir bieten diesen Test nicht mehr an.“ Bald werde die Pharmazeutin ihre Daten auswerten: „Während des Tests hat eine zweite Person ganz genau gefragt: Wann hatten die Leute Symptome, welche Symptome? Wir haben das auf Zetteln und noch nicht ausgearbeitet.“

krone.at mit auf Corona-Streife
Das öffentliche Leben bewegt sich im Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Maßnahmen wie Abstandhalten, „Social Distancing“, Maskenpflicht im Supermarkt und kleinen Freiheiten. Kontrolliert wird das von der Polizei - krone.at begleitete eine Corona-Streife einen Tag, bevor auch für die Polizistinnen und Polizisten das Tragen eines Gesichtsschutzes Pflicht wurde.

„Wohnen Sie alle gemeinsam?“ - „Nein …“
Treffpunkt: Wiener Donaukanal, Höhe Spittelau. Jogger drehen ihre Runden, Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner Gassi, Eltern spazieren mit ihren Kindern. Ob der Alltag sich für Beamte geändert hat? Für Bezirksinspektor Thomas E. von der Bereitschaftseinheit haben sich „die Schwerpunkte etwas verändert“. „Die Prioritätenreihung ist etwas anders, aber das alltägliche Geschäft läuft parallel dazu weiter.“ Drei Männer, verteilt auf zwei Parkbänken, müssen sich ausweisen. „Wohnen Sie alle gemeinsam?“ - „Nein …“ - „Genau deswegen: Sie müssen mindestens einen Meter Abstand halten. Vorher sind Sie sehr eng zueinander gestanden, das darf nicht sein.“

„Man muss halt reden mit den Leuten“
Bei der Durchsetzung der Corona-Maßnahmen scheint es kaum Probleme zu geben: „Man stößt schon auf Verständnis in der Bevölkerung. Es ist nicht so, dass Leute präpotent werden. Wenn man mit ihnen spricht und ihnen das plausibel erklärt, gibt es kein Problem. Man muss halt reden mit den Leuten“, sieht es der Polizist pragmatisch.

„Abstand halten!“
Kurzer Zwischenstopp am Wiener Naschmarkt. Diesmal sind es ein Herr und zwei Jugendliche, alle aus derselben Ortschaft, die angesprochen werden. „Wir waren arbeiten, haben nur etwas eingekauft“, versuchen sie sich zu verteidigen. Strafen gab es an diesem Tag keine, dafür Verwarnungen. Kurz nach der Verabschiedung der drei muss Bezirksinspektor E. deutlicher werden: „Abstand halten!“

Die Straßen scheinen enger als je zuvor. „Einige Unbelehrbare gibt es trotzdem“, erklärt Polizeisprecher Markus Dietrich: „Es gibt natürlich vereinzelt Personen, die sich nicht daran halten - hier wird konsequent eingeschritten und großteils mit Anzeigen vorgegangen.“

Alexander Bischofberger-Mahr
Alexander Bischofberger-Mahr
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