Tirol: 56.000-€-Spende

Und plötzlich sind die viel gescholtenen Fans da

Rowdys, Chaoten, Randalierer: Fußball-Ultras haben teils einen schlechten Ruf - was man zuletzt auch in der Causa Hopp feststellen konnte. Doch diese Nachricht sorgt nicht nur bei Sportfans für Begeisterung. Wacker-Innsbruck-Fans sammelten bisher insgesamt 56.000 Euro für ein Krankenhaus in Bergamo.

Die Rolle der Fans, vor allem die der organisierten Fans (auch der Ultras), hat sich in den letzten Jahrzehnten des Profifußballs zunehmend verändert. Es waren die Fans, die immerzu versuchten, dem Fußball einen Spiegelvorzuhalten. Damit die Spieler und Funktionäre sehen, wozu ihr Sport geworden ist. Fast als letzte Kontrollinstanzen versuchten die Fans, ein System zu bändigen, das völlig außer Rand und Band geraten war (siehe Spielergehälter). Und es waren sie, über die am meisten geschimpft wurde, als ob sie der Grund allen Übels wären (siehe Fall Hopp in Deutschland).

Unbelehrbare vs. sozial Engagierte
Natürlich gab es immer Unbelehrbare, faschistoides, rechtsextremes und auch linksextremes Gedankengut unter ihnen. Aber das war immer eine Minderheit. Der Großteil dieser Fans repräsentierte eine regionale und soziale Zugehörigkeit, manche von ihnen auch internationale Solidarität. Und in diesen Tagen der Krise ist diese Art von Zusammenhalt besonders wichtig. Vielerorts sind es die Fans, die mit gutem Beispiel vorangehen.

Fangen wir gleich in Österreich an: Vor mehr als drei Wochen organisierten sich schon die Rapid-Fans mit dem Programm „Wiener helfen Wienern“. Sie stellten ein Formular zum Herunterladen auf ihre Seite, mit dem jeder Rapidler in seinem Stiegenhaus den älteren oder hilfsbedürftigen Menschen Hilfe anbieten konnte.

Auch die Austria meldete sich mit einer ähnlichen Aktion (Gruppe Risikofaktor): Mit Einkäufen und anderen Erledingungen helfen die violetten Anhänger bedürftigen Menschen. Wie die Austria-Fans sorgten auch die Sturm-Fans mit Dank-Spruchbändern an den Arbeitern und Angestellten am vordersten Front gegen den Coronavirus, für bessere Laune und ein bisschen Genugtuung. Mit dem Slogan „Schwoaze Helfen“ haben die Grazer auch dazu aufgerufen, Kranken und Älteren in der Krisenzeit unter die Arme zu greifen. Auch der GAK war nicht untätig, seine Fankurve installierte eine eigene Hilfsservice.

Auch Westen reagiert
Internationale Solidarität wird nicht nur in Wien bekundet. In Innsbruck entwarf man einen Solidaritätsschal für die leidenden Kollegen aus Bergamo. Man sammelte gemeinsam mit Fan-Freunden aus Europa 56.000 Euro für das Bolognini di Seriate-Spital in Bergamo. Und die Liste ist noch lang. Selbst in der vierten Liga: Dort bedankten sich Austria-Salzburg-Fans mit einem Spruchband beim Landeskrankenhaus.

Ähnliche Tendenzen in Deutschland
Wenn wir einen Blick ins Ausland werfen, dann sehen wir dort ähnliche Tendenzen. Die Dortmunder Ultras riefen auch eine Hilfeaktion ins Leben: „In einem Zeitfenster von 11 bis 17 Uhr bieten wir an, eure Einkäufe oder andere Botendienste zu übernehmen“, heißt es auf der Seite dreier Dortmunder Ultragruppierungen.

Auch die Ultras von Ferencvaros Budapest in Ungarn machten sich seit Langem wieder positiv bemerkbar: Sie schickten Proviant, Pizza und Spruchbänder an das Tag und Nacht kämpfende Laszlo-Krankenhaus-Personal. Auch alle anderen ungarischen Fan-Klubs sammelten Geld für die Spital-Bediensteten.

Für Bergamo-Krankenhaus
Das herzzerreißendste Beispiel kommt aber aus dem betroffensten Land Europas, aus Italien: Zuerst spendeten die Atalanta-Ultras 40.000 Euro an das lokale Spital und vor einigen Tagen fragten die Alpini, die Gebirgsjäger, die Curva Nord von Bergamo nach Helfern, um das neue Krankenhaus in Bergamo Fiera möglichst schnell hochzuziehen. „Wir haben euch gebeten, weil ihr ein großes Herz habt.“ Wenige Minuten nach dem Aufruf standen die Ultras bereit. 

Tamas Denes
Tamas Denes
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Dienstag, 26. Mai 2020
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