Dass ausgerechnet Domenech auf der FFF-Tagung ungeschoren davonkam, überraschte die Öffentlichkeit. Neben den Medien und vielen Politikern hatten auch zahlreiche Mitglieder des Verbands-Bundesrates die Entlassung des 58-Jährigen als Trainerausbilder gefordert. Darunter auch der am Freitag nach dem Rücktritt von Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes zum neuen Präsidenten gewählte Fernand Duchaussoy. Weshalb der "verrückte Professor" genannte Domenech doch nicht gefeuert wurde, blieb geheim. "Wenn er aber freiwillig gehen will, werde ich ihn nicht aufhalten", meinte Duchaussoy.
Neuer Verbandsboss soll WM-Chaos beseitigen
Der Unternehmer soll dem Verband bis zur Generalversammlung im Dezember vorstehen und eine Umstrukturierung des nach der WM völlig demoralisierten FFF einleiten. Er versprach, eng mit Domenechs Nachfolger Laurent Blanc zusammenzuarbeiten und sich schon in den kommenden Tagen mit dem neuen Teamchef zu treffen, um das WM-Chaos und die Zukunft zu analysieren. Bereits am 5. August muss Blanc seinen nun mit großer Spannung erwarteten Kader für das Oslo-Spiel bekanntgeben.
Duchaussoy hat sich bereits für einen vorläufigen Nationalelf-Ausschluss von Bayern-Star Franck Ribery und Real-Madrid-Stürmer Karim Benzema ausgesprochen. Gegen beide Stars leitete die Justiz in Frankreich ein Anklageverfahren wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten ein. Seine Aufgabe sei es nun vor allem, "das Vertrauen in den Fußball, in den Verband und in die Menschen, die unsere Farben tragen" wiederherzustellen, sagte der 67-Jährige.
Gegensätzliche Reaktionen auf Suspendierungen
Die vorübergehende Verbannung der WM-Kicker, von Blanc als "Denkzettel" deklariert, löste am Wochenende gegensätzliche Reaktionen in den Medien aus. Das Traditionsblatt "Le Monde" lobte, Blanc habe seine "Autorität untermauert", "Blanc schlägt hart zu", schrieb die Zeitung "Le Figaro". Rund 85 Prozent hießen in einer Online-Umfrage von "Le Parisien" die Sperre gut, aber für den Radiosender "RMC" war es lediglich eine "symbolische Sanktion" von Blanc. "Dass man in Oslo nicht spielen darf, das ist keine Strafe. Eher das Gegenteil: Mitten im Sommer will kein Star so ein Spiel mitmachen müssen", sagte Ex-Nationalspieler Eric Di Meco.
Von den betroffenen Profis gab es vorerst keine Reaktion. WM-Tormann Hugo Lloris hatte im Vorfeld der FFF-Tagung gesagt, man müsse jede Sanktion akzeptieren.
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