Sprachfehler

Logopäden im Stress: „Die Wartelisten gehen über“

„Mich rufen jeden Tag fünf Mütter an, die einen Therapieplatz für ihr Kind suchen. Ich kann keinen mehr annehmen, die Warteliste geht über“, sagt Kristin Wagner, selbstständige Logopädin aus Traun. Den Tag der Logopädie nimmt der oö. Landesverband zum Anlass, über sein breites Berufsfeld aufzuklären.

17.000 Kindergartenkinder werden jedes Jahr von LogopädInnen in oö. Kindergärten untersucht, 40 Prozent davon zeigen sprachliche Auffälligkeiten, 30 Prozent wird eine logopädische Therapie empfohlen. Doch viele LogopädInnen fühlen sich überarbeitet, heißt es vom Landesverband. Die Wartelisten gehen über. So auch bei Kristin Wagner, sie ist auf Neurologie spezialisiert, behandelt neben Kindern auch ältere Menschen, die zum Beispiel einen Schlaganfall erlitten haben und Unterstützung beim Wiedererwerb der Sprache oder der Schluckfunktion benötigen. „Aber vor allem bei Kindern ist die Nachfrage riesig. Wenn mich Mütter anrufen, nehme ich oft gar niemanden mehr auf meine Warteliste, weil ich nicht weiß, wann es überhaupt wieder einen Termin gibt“, so die Logopädin.

„Viel zu wenige Stellen“
Laut ihr gebe es in Oberösterreich einen hohen Bedarf an LogopädInnen, aber leider viel zu wenige Stellen. 2005 schloss sie ihre Ausbildung ab: „In den vergangenen 15 Jahren haben sich die Probleme verändert. Familienbilder sind anders geworden, auch die Medien spielen eine große Rolle. Ein Kind entwickelt sich ganz anders, wenn mit ihm gesprochen wird. Wenn die Kommunikation nur über Medien wahrgenommen wird, geht viel verloren.“ Auch der Zuzug von zweisprachigen Familien stellt eine Herausforderung für die Berufsgruppe dar.

Spielerisches Lernen
„In den Therapiestunden spiele ich mit den Kindern, spreche dabei mit ihnen. So sehe ich, wo Fehler liegen“, so Wagner. Bei früher Behandlung im Kindergarten können viele Auffälligkeiten vor der Schule behoben werden.

Lisa Stockhammer, Kronen Zeitung

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Sonntag, 20. September 2020
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